Europas beste Klimaprojekte 2026

Europas beste Klimaprojekte 2026

Feld(39)

Während oft über Klimakrisen, Extremwetter und politische Konflikte berichtet wird, geraten erfolgreiche Lösungen häufig in den Hintergrund. Genau diese hat die Europäische Union bei den LIFE Awards 2026 ausgezeichnet: Projekte, die bereits heute zeigen, wie Natur, Klima und Wirtschaft gemeinsam profitieren können.

 

Die Donau bekommt ihre Auen zurück

Der Gewinner in der Kategorie Natur & Biodiversität ist das Projekt LIFE Danube Floodplains in der Slowakei und Ungarn.

Über neun Jahre wurden ehemalige Donau-Auen wieder mit dem Fluss verbunden. Das Ergebnis:

• rund 1.805 Hektar Auenlandschaft renaturiert
• 9,6 Kilometer Flussarme wiederhergestellt
• fast 74.000 heimische Bäume gepflanzt
• Rückkehr zahlreicher Fisch-, Amphibien- und Vogelarten
• besserer Hochwasserschutz und ein kühleres Mikroklima für die Region

Das Projekt zeigt: Renaturierung schützt nicht nur die Natur, sondern auch Menschen vor den Folgen des Klimawandels.

 

Feuchtgebiete als natürliche CO₂-Speicher

Den LIFE Award für Klimaschutz erhielt das spanische Projekt LIFE WetLands4Climate.

Mediterrane Feuchtgebiete wurden wiedervernässt und nachhaltig bewirtschaftet. Dadurch können sie große Mengen Kohlenstoff speichern und gleichzeitig Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten erhalten.

Die wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen inzwischen in nationale und internationale Klimastrategien ein. Moore und Feuchtgebiete gehören damit zu den wirksamsten natürlichen Klimaschützern Europas.

 

Artenvielfalt zahlt sich aus

Mit dem Sonderpreis wurde das Projekt LIFE Olivares Vivos ausgezeichnet.

In traditionellen Olivenhainen Südspaniens wurden Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel geschaffen, ohne die landwirtschaftliche Nutzung aufzugeben.

Die Bilanz:

• über 3.600 Hektar Demonstrationsflächen
• mehr als 32.000 neu gepflanzte Sträucher und Bäume
• über 15.000 wissenschaftliche Erhebungen zur Artenvielfalt
• bereits 700 Landwirte interessieren sich für das Modell

Das Projekt beweist: Biodiversität und wirtschaftlicher Erfolg müssen keine Gegensätze sein.

 

Daten und Fakten

Das LIFE-Programm der Europäischen Union besteht seit über 30 Jahren.

Für den Zeitraum 2021 bis 2027 stehen mehr als 5,4 Milliarden Euro für Umwelt- und Klimaschutzprojekte zur Verfügung.

Seit dem Start des Programms wurden europaweit rund 6.500 Projekte gefördert.

 

Klimaschutz besteht nicht nur aus Zielen und Versprechen.

Überall in Europa entstehen Projekte, die Flüsse renaturieren, Moore wiederbeleben, Artenvielfalt fördern und gleichzeitig den Menschen vor Ort einen konkreten Nutzen bringen.

Diese Beispiele zeigen: Gute Ideen funktionieren bereits. Sie müssen nur häufiger umgesetzt werden.

 

Hier geht es zum LIFE Award: https://cinea.ec.europa.eu/programmes/life/life-awards_en

Hitzefrei? Hitzeschutzregelungen am Arbeitsplatz

Hitzefrei? Hitzeschutzregelungen am Arbeitsplatz

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1359)

Die hochsommerlichen Temperaturen machen zum wiederholten Male vielen Arbeitnehmer:innen zu schaffen. Vor allem Menschen, die im Freien arbeiten, leiden unter der Hitze. Aber auch in nicht klimatisierten Innenräumen wird der sommerliche Berufsalltag zur qualvollen Herausforderung. Darunter leiden nicht nur die Beschäftigten, sondern auch deren Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit. Doch ab welchen Temperaturen gelten welche Maßnahmen? Kann ich als Beschäftigte:r hitzefrei nehmen? Wir klären über die Regelungen in Deutschland und Österreich auf!

 

Hitze am Arbeitsplatz: Belastung für Körper und Konzentration

Der menschliche Körper benötigt Energie, um seine Kerntemperatur konstant zu halten. Bei hohen Außentemperaturen steigt diese Belastung zusätzlich. Der Körper versucht, überschüssige Wärme über die Hautdurchblutung und das Schwitzen abzugeben. Dieser Prozess benötigt Flüssigkeit und kann bei unzureichender Versorgung zu einer erhöhten körperlichen Belastung führen.

Im Büro zeigen sich die Auswirkungen häufig weniger offensichtlich als bei körperlicher Arbeit im Freien. Typische Folgen können sein:

  • nachlassende Konzentration und Aufmerksamkeit
  • schnellere Ermüdung
  • sinkende Motivation
  • Kopfschmerzen oder Unwohlsein
  • erhöhte Fehleranfälligkeit

Gerade Tätigkeiten, die dauerhaft hohe geistige Aufmerksamkeit erfordern, können durch Hitze beeinträchtigt werden.

 

Deutschland: Schutz vor Gefahren durch Hitze

In Deutschland gibt es kein gesetzliches Recht auf „Hitzefrei“. Arbeitgeber sind jedoch nach dem Arbeitsschutzgesetz und der Arbeitsstättenverordnung verpflichtet, Beschäftigte vor Gesundheitsgefahren durch Hitze zu schützen. Konkretisiert werden diese Pflichten durch die ASR A3.5 „Raumtemperatur“.

Die 3 Temperaturstufen

Ab 26 °C Raumtemperatur

 

Die Temperatur soll möglichst nicht überschritten werden. Ist dies aufgrund hoher Außentemperaturen nicht vermeidbar, soll der Arbeitgeber erste Maßnahmen ergreifen, z. B.:

  • Sonnenschutz (Jalousien, Rollläden)
  • Lüften in den frühen Morgenstunden oder nachts
  • Ventilatoren
  • Lockerung der Kleiderordnung
  • Bereitstellung von Trinkwasser

Ab 30 °C Raumtemperatur
Jetzt muss der Arbeitgeber wirksame Maßnahmen treffen, um die Hitzebelastung zu reduzieren. Mögliche Maßnahmen sind:

  • Arbeitszeiten in kühlere Tageszeiten verlegen
  • zusätzliche Erholungspausen
  • Ventilatoren oder Klimageräte
  • Sonnenschutz konsequent nutzen
  • kühle Getränke bereitstellen
  • Reduzierung innerbetrieblicher Wärmequellen

 

Ab 35 °C Raumtemperatur

Ein Arbeitsraum gilt grundsätzlich nicht mehr als geeignet. Arbeiten dürfen dort nur noch stattfinden, wenn besondere Schutzmaßnahmen bestehen, beispielsweise:

  • Luftduschen oder technische Kühlung
  • spezielle Hitzeschutzkleidung
  • Entwärmungsphasen oder häufige Pausen in kühlen Räumen.

 

Gibt es Hitzefrei?

Nein. Auch bei 35 °C oder mehr besteht kein automatischer Anspruch, nach Hause zu gehen oder die Arbeit einzustellen. Der Arbeitgeber muss jedoch geeignete Schutzmaßnahmen treffen. Nur wenn eine erhebliche Gesundheitsgefahr besteht und der Arbeitgeber trotz Hinweisen nichts unternimmt, können weitergehende arbeitsrechtliche Schritte in Betracht kommen.

 

Besonders geschützte Beschäftigte

Für bestimmte Personengruppen gelten strengere Anforderungen an den Arbeitsschutz, unter anderem:

  • Schwangere
  • stillende Mütter
  • gesundheitlich vorbelastete Beschäftigte
  • ältere Arbeitnehmer

Hier kann der Arbeitgeber verpflichtet sein, zusätzliche individuelle Schutzmaßnahmen zu treffen.

Kurz zusammengefasst

Raumtemperatur Regelung
bis 26 °C  – soll möglichst nicht überschritten werden
über 26 °C – erste Schutzmaßnahmen sollen erfolgen
über 30 °C  – Arbeitgeber muss wirksame Maßnahmen ergreifen
über 35 °C  – Arbeitsraum grundsätzlich ungeeignet, außer mit besonderen Schutzmaßnahmen

Diese Regelungen gelten für Innenarbeitsplätze wie Büros, Werkstätten oder Produktionshallen. Für Arbeiten im Freien (z. B. Bau, Landwirtschaft oder Straßenbau) gelten ergänzende Vorgaben und Gefährdungsbeurteilungen.

Österreich: Strengere Hitzeschutzverordnung seit Jahesbeginn

In Österreich gelten seit 1. Jänner 2026 neue und strengere Regeln als früher. Dennoch gilt auch hier:

Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf „Hitzefrei“. Arbeitnehmer dürfen den Arbeitsplatz wegen Hitze nicht einfach verlassen. Arbeitgeber sind aber verpflichtet, die Gesundheit ihrer Beschäftigten zu schützen.

Die neue Hitzeschutzverordnung von 2026 gilt als Meilenstein im österreichischen Arbeitnehmerschutz, da erstmals verbindliche Schutzmaßnahmen für Arbeiten im Freien vorgeschrieben sind. Für Innenarbeitsplätze fordert die Arbeiterkammer allerdings weiterhin strengere gesetzliche Vorgaben.

Arbeiten in Innenräumen (Büro, Werkstatt, Produktion)

Für Arbeitsräume gelten die Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung (AStV):
• Bei leichter körperlicher Arbeit soll die Lufttemperatur 25 °C nicht überschreiten.
• Bei normaler körperlicher Arbeit liegt die Obergrenze bei 24 °C.

Können diese Temperaturen aufgrund der Witterung nicht eingehalten werden, muss der Arbeitgeber geeignete Maßnahmen setzen, etwa:

  • Sonnenschutz
  • Lüften
  • Ventilatoren oder Kühlung
  • organisatorische Maßnahmen wie geänderte Arbeitszeiten oder zusätzliche Pausen

Es gibt jedoch keine fixe Temperatur (z. B. 30 oder 35 °C), ab der automatisch nicht mehr gearbeitet werden darf, wie es in Deutschland durch die ASR geregelt ist. Stattdessen entscheidet die Gefährdungsbeurteilung des Arbeitgebers.

 

Arbeiten im Freien

Hier hat sich seit 2026 viel geändert:

Sobald GeoSphere Austria eine Hitzewarnung Stufe 2 (30–34 °C) ausgibt, müssen Arbeitgeber einen Hitzeschutzplan umsetzen. Dazu gehören beispielsweise:

  • Bereitstellung von Trinkwasser
  • Beschattung der Arbeitsplätze
  • Verlagerung der Arbeitszeit in kühlere Stunden
  • häufigere Erholungspausen
  • Reduzierung körperlich schwerer Arbeiten
  • Schutz vor UV-Strahlung

Sonderregelung für die Bauwirtschaft

Für Bauarbeiter gilt zusätzlich:
Bei einer Temperatur von über 32,5 °C kann die Arbeit im Freien eingestellt werden, wenn kein geeigneter kühlerer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Grundlage ist das Bauarbeiter-Schlechtwetterentschädigungsgesetz. Die Entscheidung trifft der Arbeitgeber.

Kurz zusammengefasst

Hitzefrei: Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch
Innenräume:  Arbeitgeber muss geeignete Maßnahmen gegen Hitze setzen
Arbeiten im Freien: Seit 2026 verpflichtender Hitzeschutzplan ab GeoSphere-Hitzewarnung Stufe 2 (30–34 °C)
Bauarbeiter: Möglichkeit der Arbeitseinstellung ab über 32,5 °C unter bestimmten Voraussetzungen

Unser pro.earth.Fazit:

Durch die stark gestiegene Zahl an Hitzetagen und Tropennächten müssen wir uns besonders in urbanen Ballungszentren intensiv damit beschäftigen, wie wir Gebäude, Produktionsstätten, aber auch Schulen hitzeresistenter und mit welchen begleitenden Maßnahmen zur Erhaltung unserer Gesundheit wir den Berufsalltag auch bei extrem hohen Temperaturen machbar gestalten können. Denn eines ist klar: die Hitzewellen werden in den kommenden Jahren aufgrund der Klimakrise weiter zunehmen.

EU-Behörden bestätigen Fortpflanzungsgefahr von Ewigkeitschemikalie TFA

EU-Behörden bestätigen Fortpflanzungsgefahr von Ewigkeitschemikalie TFA

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1356)

Im Trinkwasser. In Wein. In unseren Lebensmitteln. Und dadurch auch in unseren Körpern. Überall findet man TFA (Trifluoressigsäure), ein Abbauprodukt von PFAS-Pestiziden (Ewigkeitschemikalien) in der Landwirtschaft sowie von fluorierten Kältemitteln (F-Gasen). Erstmalig hat die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) TFA als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Die EU-Kommission muss sich auf nun entsprechende Einschränkungen einigen. 

 

PFAS sind per- und polyfluorierte Alkylverbindungen, die synthetisch hergestellt werden – sogenannte „Ewigkeitschemikalien“: Einmal in die Umwelt gelangt, können sie über einen langen Zeitraum, manchmal hunderte Jahre, nicht biologisch abgebaut werden und reichern sich in der Natur sowie im menschlichen Körper an. PFAS sind wasser- und fettabweisend und stecken deshalb in etlichen Alltagsprodukten wie beschichteten Pfannen, Funktionskleidung, Imprägniersprays und Einwegverpackungen.

 

Die Substanz TFA (Trifluoressigsäure) kommt in der Landwirtschaft  und in der Industrie als PFAS-Abbauprodukt vor und wird auch zum Kühlen und Heizen eingesetzt. Sie sei „sehr beständig und sehr mobil“ und berge das Risiko, „eine sehr dauerhafte und weit gestreute Kontamination der Wasserressourcen“ zu verursachen, erklärte die ECHA.

In mehreren europäischen Ländern konnte TFA bereits im Trinkwasser nachgewiesen werden. Wasserverbände plädieren seit Jahren für ein generelles Verbot, weil die Substanz kaum technisch aus dem Wasser entfernt werden kann.

Alle PFAS-Pestizide sollen vom Markt genommen werden

Österreichweit Ewigkeitschemikalie in Trinwasser nachweisbar

Zulassungsvoraussetzungen für TFA-freisetzende Pestizide nicht mehr erfüllt

Das Risikobewertungskomitee (RAC) der Europäischen Chemikalienagentur hat TFA (Trifluoressigsäure) als fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Die Ewigkeitschemikalie wird damit künftig als reproduktionstoxisch der Kategorie 1B geführt – mit dem Gefahrenhinweis: „Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.“

„Heute ist ein Wendepunkt. Die EU bestätigt: TFA ist keine harmlose Umweltverunreinigung, sondern eine Ewigkeitschemikalie mit schwerwiegenden Gefahreneigenschaften, die sich dauerhaft in der Umwelt anreichert. Nach den Vorgaben der EU-Pestizidverordnung hat das unmittelbare Konsequenzen für PFAS-Pestizide, die TFA freisetzen. Sie erfüllen die Zulassungsvoraussetzungen nicht mehr.“

Helmut Burtscher-Schaden, Umweltchemiker der Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000

Grundlage für die Einstufung als fortpflanzungsschädigend waren Studien, in denen TFA bei Kaninchen schwere Fehlbildungen am Fötus und bei Ratten eine Abnahme der Spermienqualität und -zahl ausgelöst hat.

Neue Einstufung hat Folgen für Pestizidzulassungen

Ein Rechtsgutachten des Innsbrucker Europarechtlers Prof. Dr. Peter Hilpold im Auftrag von GLOBAL 2000 kommt zu einem klaren Schluss: Die EU-Pestizidverordnung schließt fortpflanzungsgefährdende Stoffe der Kategorie 1B grundsätzlich von der Genehmigung aus. Dieses Ausschlusskriterium gilt auch, wenn relevante Abbauprodukte diese Eigenschaften haben. Gleichzeitig verpflichtet die Verordnung die Behörden, bestehende Zulassungen zu überprüfen und zu widerrufen, wenn die gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen nicht mehr erfüllt sind.

„Die Behörden können sich nicht weiter auf wissenschaftliche Unsicherheiten berufen. Die entscheidende wissenschaftliche Frage ist mit der veröffentlichten Entscheidung der EU-Chemikalienagentur geklärt. Folglich erfüllen PFAS-Pestizide, die TFA freisetzen, die Zulassungsvoraussetzungen nicht“, so Burtscher-Schaden.

PMT-Einstufung verschärft die Lage zusätzlichDie Einstufungen als PMT (persistent, mobil, toxisch) sowie vPvM (äußerst persistent, äußerst mobil) bedeuten: TFA ist nicht nur giftig für die Fortpflanzung, sondern auch extrem langlebig und mobil im Wasserkreislauf. „Die Kombination aus Persistenz, Mobilität und Toxizität macht den Stoff besonders problematisch. Nach Erkenntnissen des deutschen Umweltbundesamtes sind PFAS-Pestizide die wichtigste Quelle der TFA-Belastung des Grundwassers und setzen potentiell jährlich bis zu 434 Tonnen allein in Deutschland frei.

Unser pro.earth.Fazit:

Wir sind tatsächlich die einzige Spezies, die ihre Nahrung vergiftet, damit andere Arten sie nicht nutzen können, und sich damit selbst vergiftet. Mahlzeit.

Wir wir uns richtig gegen zuviel UV-Strahlung schützen

Wir wir uns richtig gegen zuviel UV-Strahlung schützen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1355)

Glaubt man TikTok, sind Tanlines und exzessives Sonnenbaden voll im Trend. Ja, wir benötigen Sonnenlicht, um Vitamin D aufzubauen – rund ein Drittel der Bevölkerung hat einen Vitamin-D-Mangel –  allerdings kann zuviel davon sehr schädlich sein. Zuviel UV-Strahlung führt zu Sonnenbränden, lässt unsere Haut vorzeitig altern und kann im schlimmsten Fall zu Hautkrebs führen. Hautkrebserkrankungen haben in den letzten 30 Jahren stark zugenommen. Sonnenschutzprodukte schaffen Abhilfe, allerdings enthalten manche problematische Stoffe. Wir klären auf.

 

Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz hat sich die Inzidenz (die Zahl der Neuerkrankungen, die in einem Jahr pro 100.000 Menschen auftreten) für hellen Hautkrebs in den letzten 30 Jahren bei Frauen verfünffacht und bei Männern vervierfacht. Heute erkranken rund 300.000 Personen pro Jahr neu an Hautkrebs, 4.000 sterben daran. Dies entspricht einem erheblichen Anstieg innerhalb der letzten 20 Jahren, so das Statistische Bundesamt.

„In Bezug auf die klimawandelbedingte Temperaturerhöhung ergaben wissenschaftliche Modellrechnungen, dass ein globaler Anstieg der Umgebungstemperatur um 2 °C und die damit einhergehenden Klimaveränderungen, die regional große Hitze und Hitzewellen zur Folge haben können, die Hautkrebsinzidenz bis 2050 um 11 Prozent erhöhen könnte.“, erklärt das Bundesamt für Strahlenschutz.

 

Daher ist ein entsprechender Schutz unserer Haut vor zuviel UV-Strahlung gerade in Zeiten extremer Hitze und Sonnenstrahlung wie im Moment entscheidend. Dies erreichen wir einerseits mit entsprechender Kleidung, Kopfbedeckung und andereseits mit Sonnenschutzprodukten.

 

Chemische versus mineralische (Bio-)Sonnencremen

Chemische UV-Filter gelangen in die Blutbahn

Wir plädieren stark für Bio-Sonnencreme. Warum? Herkömmliche Sonnencreme enthält chemische UV-Substanzen, die die Gesundheit gefährden können. Manche können Allergien auslösen, andere verhalten sich im Körper wie Hormone. Das passiert, weil diese Filtersubstanzen die Hautbarriere durchdringen und in die menschliche Blutbahn gelangen. So wurden UV-Filter in viel zu hohen Dosen in menschlichem Blut und sogar in Muttermilch nachgewiesen werden. Man vermutet auch einen Zusammenhang zwischen geringerer Fruchtbarkeit und den chemischen UV-Filtern. Die Beeinträchtigung der Funktion menschlicher Spermien wurde in einer dänischen Studie nachgewiesen.

Das Umweltbundesamt (UBA) veröffentlichte im Februar 2026 die Ergebnisse einer Untersuchung der Urinproben von Kindern und Jugendlichen. Dabei konnte in 92 Prozent aller Proben das Abbauprodukt des gefährlichen Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP) festgestellt werden, der in der EU aufgrund seiner Fortpflanzungsgefährdung verboten ist. Der Ursprung dafür liegt in UV-Filtern – sogeannten DHHB-Filtern – von Sonnencremen.

Bereits 2024 Jahren hat das Umweltbundesamt Mono-n-hexylphthalat (MnHexP) im Urin von Erwachsenen nachgewiesen. MnHexP ist ein Abbauprodukt des Weichmachers Di-n-hexylphthalat (DnHexP), der als fortpflanzungsschädigend gilt und im Verdacht steht unfruchtbarkeit . Die Funde ließen sich auf eine Verunreinigung eines UV-Filters in Sonnencremes zurückführen.

Die EU hat neue Grenzwerte für DnHexP in Kosmetikprodukten eingeführt und ab 2027 gelten EU-weit strengere Höchstwerte für Sonnenschutzcremen und andere Kosmetika, deren Überschreitung nach einer Übergangsfrist auch geahndet werden können.

Abgelaufene Produkte sollten ebenfalls nicht mehr verwendet werden, weil durch die Zersetzung der chemischen Verbindungen potenziell gesundheitsgefährdende Stoffe entstehen können, speziell wenn die Produkte bestimmte Inhaltsstoffe wie zum Beispiel Parabene, PEG-Verbindungen, Benzophenon-3 (Oxybenzon) oder Octocrylen enthalten.

… und ins Meer

Die amerikanischen Meeresbehörde schätzt, dass pro Jahr weltweit jährlich 14.000 Tonnen Sonnenschutzmittel im Meer landen und auch dort bleiben, weil die chemischen UV-Filter schlecht wasserlöslich sind. In einigen Sonnenschutzprodukten ist Octocrylen, Oxybenzon (manchmal auch unter Benzophenone-3 auf der Inhaltsstoffeliste deklariert) und/oder Octinoxat enthalten – Chemikalien, die seitens Forschern für das Korallensterben mitverantwortlich gemacht werden. Daher sind gewissen chemische Substanzen in manchen Ländern (wie Thailand und Haiwai) verboten worden.

Es wird in Wissenschaftskreisen in Studien ebenfalls darüber diskutiert, ob es auch für uns Menschen schädlich sein könnte. Sie stehen im Verdacht potenziell kreberregend und hormonwirksam zu sein, allerdings fehlen Langzeitstudien zu ihrer Wirksamkeit.

Die Kennzeichnung „Coral Reef Friendly“ bedeutet, dass sich Unternehmen bei ihrer Produktion verpflichtet haben,  jene Inhaltsstoffe wegzulassen, die einen negativen Effekt auf die Unterwasserwelt haben.

 

Bio-Sonnencremes verwenden mineralische UV-Filter

Diese funktionieren wie Mini-Spiegel und reflektieren das Sonnenlicht auf der Haut. So bilden mineralische UV-Filter mit Titanoxid und Zinkoxid eine Schutzschicht auf der Haut und dringend nicht durch die Hautbarriere ein. Der Nachteil ist das „Weißeln“, also eine weiße Schicht auf der Haut. Um dem entgegenzzuwirken, wurden die mineralischen Partikel in den letzten Jahren immer kleiner, manchmal in Nano-Größe. Bei diesen Nanopartikeln ist noch nicht restlos geklärt, ob diese die Hautbarriere durchdringen können.

 

Daher solltest du zu umweltfreundlichen, nanopartikelfreien Sonnenschutzprodukten greifen, die leider nicht überall zu kaufen sind.

Die stille Mehrheit: Warum Zusammenhalt stärker ist, als wir glauben

Die stille Mehrheit: Warum Zusammenhalt stärker ist, als wir glauben

Zusammenarbeit

Klimawandel, Artenverlust oder Wasserknappheit – viele der großen Herausforderungen unserer Zeit haben eines gemeinsam: Sie lassen sich nur gemeinsam lösen. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis einer neuen internationalen Studie, die zeigt, dass Menschen deutlich kooperativer sind, als sie selbst annehmen.

Forscherinnen und Forscher befragten und testeten mehr als 100.000 Menschen in 125 Ländern. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Menschen ist bereit, eigene Vorteile zugunsten des Gemeinwohls zurückzustellen. Gleichzeitig unterschätzen die meisten Menschen die Bereitschaft ihrer Mitmenschen zur Zusammenarbeit erheblich.

 

Kooperation ist die Regel, nicht die Ausnahme

Für die im Fachjournal Science veröffentlichte Studie wurden nicht nur Meinungen abgefragt, sondern auch tatsächliche Entscheidungen untersucht. Die Teilnehmenden konnten auf einen Teil ihres eigenen Geldes verzichten, um einen größeren gemeinsamen Nutzen zu schaffen.

Rund 69 Prozent entschieden sich für Kooperation. Die Befragten gingen jedoch davon aus, dass lediglich etwa 47 Prozent ihrer Mitmenschen ebenfalls kooperieren würden.

Dieses Ergebnis zeigt ein bemerkenswertes Paradox: Viele Menschen sind bereit, zum Gemeinwohl beizutragen, glauben aber, damit eher eine Ausnahme als die Regel zu sein.

Gerade beim Klimaschutz kann diese Fehleinschätzung problematisch sein. Wer glaubt, dass andere nicht mitziehen, ist oft selbst weniger bereit, aktiv zu werden. Die tatsächliche Unterstützung für gemeinsame Lösungen bleibt dadurch häufig unsichtbar.

 

Was das für den Klimaschutz bedeutet

Die Ergebnisse bestätigen frühere internationale Untersuchungen. Bereits eine globale Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass eine deutliche Mehrheit der Menschen bereit wäre, finanzielle Beiträge für den Klimaschutz zu leisten. Gleichzeitig unterschätzten die Befragten die Unterstützung ihrer Mitmenschen deutlich.

Für Politik, Unternehmen und gesellschaftliche Initiativen ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Die gesellschaftliche Zustimmung für Klimaschutzmaßnahmen könnte größer sein als vielfach angenommen.

Anstatt immer wieder zu betonen, was Menschen nicht tun wollen, könnte es wirksamer sein, sichtbar zu machen, wie viele bereits bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Positive Beispiele und gemeinschaftliche Projekte können dadurch zusätzliche Dynamik entfalten.

 

Die Kraft der sozialen Zuversicht

Viele Debatten werden von Konflikten und Gegensätzen geprägt. Die neue Studie lenkt den Blick auf eine oft übersehene Realität: Kooperation gehört offenbar zu den grundlegenden Eigenschaften menschlicher Gesellschaften.

Gerade angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise ist diese Erkenntnis von Bedeutung. Technologische Innovationen allein werden nicht ausreichen. Entscheidend wird sein, ob Menschen bereit sind, gemeinsam zu handeln.

Die Daten legen nahe, dass diese Bereitschaft bereits vorhanden ist – möglicherweise deutlich stärker, als wir glauben.

 

Daten und Fakten

  • Mehr als 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer
  • 125 untersuchte Länder
  • Veröffentlichung 2026 im Wissenschaftsjournal Science
  • 69 Prozent der Menschen kooperierten im Experiment
  • Die Befragten erwarteten durchschnittlich nur 47 Prozent Kooperationsbereitschaft bei anderen
  • Eine der bislang größten global repräsentativen Untersuchungen zur menschlichen Zusammenarbeit
  • Frühere Klimastudien zeigen ähnliche Ergebnisse: Die Unterstützung für Klimaschutz wird häufig deutlich unterschätzt

 

Quellen: Science (2026), Universität Bonn, Global Commons Survey (2024), Nature Climate Change (2024)

Stadtbegrünung ist keine Dekoration mehr – sie wird zur Klimaanlage der Zukunft

Stadtbegrünung ist keine Dekoration mehr – sie wird zur Klimaanlage der Zukunft

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1354)

Während Europa unter der zweiten Hitzewelle des Jahres leidet, wird deutlich, dass gerade Städte sich besonders stark aufheizen. Asphalt, Beton und versiegelte Flächen speichern Wärme und geben sie nachts wieder ab. Dadurch entstehen sogenannte Hitzeinseln, in denen die Temperaturen mehrere Grad höher liegen können als im Umland. Immer mehr Städte setzen deshalb auf Stadtbegrünung. Bäume, Parks, begrünte Fassaden und Dächer sollen nicht nur das Stadtbild verschönern und das Wohlbefinden steigern, sondern zu einer zentralen Infrastruktur im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels werden.

Zahlen und Fakten

  • Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt.
  • In dicht bebauten Stadtgebieten können die Temperaturen während Hitzewellen um bis zu 10 °C höher liegen als im Umland.
  • Begrünte Flächen können die Umgebungstemperatur lokal um mehrere Grad senken.
  • Ein ausgewachsener Laubbaum kann pro Jahr mehrere Kilogramm Feinstaub filtern und mehrere Tonnen CO₂ über seine Lebenszeit speichern.
  • Grünflächen mit Bäumen und Gebüschen werden so zu Kohlenstoffsenken
  • Bis 2050 werden voraussichtlich rund 80 Prozent der Europäer in Städten leben.

BOKU-Forschungsprojekt untersucht Hitzewellen und Gegenmaßnahmen im urbanen Raum

 

Warum erhitzen Städte so viel stärker

Die Gründe dafür sind mannigfaltig:

  • So absorbieren mit Beton und Asphalt versiegelte Böden Sonneneinstrahlung und leiten die Wärme in tiefere Schichten weiter.
  • Außerdem verdunstet durch die geringere Vegetation in Städten weniger Wasser, das die Luft abkühlt.
  • Auch Gebäude tragen zur Wärmeinsel bei, indem sie die Oberfläche der Stadt vergrößern, in der Wärme gespeichert wird, und indem sie für weniger Luftaustausch sorgen.
  • Die vielen Dachflächen tragen ebenfalls dazu bei, dass sich Städte stärker aufheizen.
  • Ebenso tragen Abgase aus dem Verkehr und der Industrie zu diesem Effekt bei.
  • Heizen und Kühlen verstärken die Hitze noch weiter.
  • Parkende Autos sorgen ebenfalls für mehr Wärme.

 

Bäume kühlen effektiver als viele technische Lösungen

Pflanzen wirken wie natürliche Klimaanlagen. Durch Schatten und Verdunstung können sie die Umgebungstemperatur deutlich senken. Untersuchungen zeigen, dass begrünte Bereiche an heißen Tagen mehrere Grad kühler sein können als stark versiegelte Flächen.

Besonders Stadtbäume übernehmen dabei eine wichtige Funktion. Ein ausgewachsener Baum kann an einem heißen Sommertag mehrere Hundert Liter Wasser verdunsten und damit aktiv zur Kühlung beitragen. Gleichzeitig filtern Bäume Feinstaub aus der Luft, binden CO₂ und verbessern die Lebensqualität in dicht bebauten Gebieten.

Auch begrünte Dächer und Fassaden gewinnen an Bedeutung. Sie reduzieren die Aufheizung von Gebäuden, speichern Regenwasser und schaffen zusätzlichen Lebensraum für Insekten und Vögel.

 

Von der Betonstadt zur klimaresilienten Stadt

Viele europäische Städte arbeiten bereits an langfristigen Anpassungsstrategien. Neben neuen Grünflächen werden Straßen entsiegelt, Parks erweitert und sogenannte Schwammstadt-Konzepte umgesetzt. Ziel ist es, Regenwasser vor Ort zu speichern und gleichzeitig die Kühlwirkung von Pflanzen zu nutzen.

Gerade in dicht besiedelten Stadtgebieten wird die Kombination aus Begrünung, Wassermanagement und nachhaltiger Stadtplanung zu einem entscheidenden Faktor für die Lebensqualität der kommenden Jahrzehnte.

Experten gehen davon aus, dass Investitionen in Stadtgrün künftig ähnlich wichtig werden wie Investitionen in Verkehr, Energie oder Wasserversorgung. Denn die Anpassung an den Klimawandel beginnt dort, wo Menschen leben: in den Städten.

Europas neue Realität: Wie Schwammstädte gegen Wasserknappheit helfen

 

Deutsche Umwelthilfe (DUH) deckt Verlust von einer Million Bäumen in Städten auf

Laut aktuellem Hitze-Check der DUH findet in Deutschland eine gegenteilige Entwicklung statt – so findet die Bevölkerung der untersuchten Städte immer weniger Schutz vor den Folgen der Klimakrise. Mehr als 900.000 Bäume sind laut einer Aussendung zwischen 2018 und 2025 aus den untersuchten 195 Städten mit mehr als 50.000 Einwohnerinnen und Einwohnern verschwunden.

Nur sieben Städte erreichen den wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Prozent Baumbeschirmung – darunter Hamburg, Berlin, Oldenburg, Potsdam und Solingen. Da in allen untersuchten Städten neue Flächen versiegelt wurden, konnte die DUH beim Versiegelungstrend keine einzige grüne Karte verteilen. Beim Hitzebetroffenheitsindex, der sich aus den Indikatoren Versiegelung, Grünflächenvolumen, Oberflächentemperatur und Bevölkerungsdichte zusammensetzt, verschlechtert sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr sogar: Obwohl insgesamt fünf Städte mehr untersucht wurden als noch 2025, ist die Zahl der grünen Karten von 28 auf 21 gesunken.

In der Gesamtauswertung schneiden die Städte Offenburg, Lahr und Mannheim besonders schlecht ab. Positiv stechen Kiel und Wuppertal hervor.

Unter dem Motto „Bäume retten Leben“ startet die DUH eine Petition für den Erhalt schattenspendender Bäume unter www.mitmachen.duh.de/stadtgruen. Außerdem ruft die DUH Bürgerinnen und Bürger auf, deutschlandweit fällungsbedrohte Bäume zu melden und nach dem Beispiel des Berliner Baumentscheids aktiv zu werden für mehr Grün in ihren Städten.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Stadtbegrünung muss als Teil der kritischen Infrastruktur betrachtet werden. Was heute als Park, Baumreihe oder begrünte Fassade erscheint, könnte morgen entscheidend dafür sein, wie gut Städte mit den Folgen des Klimawandels zurechtkommen. Eine zentrale Aufgabe ist die aktuelle Bodenversiegelungsrate massiv zu reduzieren, versiegelte Flächen wieder für die Versickerung von Regenwasser zu öffnen und natürliche Schatten- und Kühlungsspender zu erhalten und neu zu pflanzen. Für unser aller Wohl.

Greenpeace-Studie: Klimakrise und gekürzte Entwicklungsgelder erhöht Zahl Vertriebener deutlich

Greenpeace-Studie: Klimakrise und gekürzte Entwicklungsgelder erhöht Zahl Vertriebener deutlich

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1353)

Die Zahl der durch Naturkatastrophen und Extremwetterereignisse vertriebenen Menschen ist im vergangenen Jahr deutlich auf 13,6 Millionen gestiegen, nach 9,9 Millionen im Jahr 2024. Das geht aus einem neuen Report der Universität Hamburg im Auftrag von Greenpeace hervor.  Er untersucht weiter, wie Kriege und deutliche Kürzungen der Entwicklungszusammenarbeit und hohe Preise für fossile Energie und Kunstdünger die Vertreibungskrise im Globalen Süden verstärken. Das weltweite Budget für Entwicklung und humanitäre Hilfe wurde 2025 um fast ein Viertel auf 175 Milliarden US-Dollar zusammengestrichen, verglichen mit 2024. All dies führte mit dazu, dass im vergangenen Jahr weltweit 82,2 Millionen Menschen vertrieben wurden. Die Ursachen dafür haben sich zuletzt verschoben. Immer mehr Menschen fliehen vor Naturkatastrophen.

„Die Folgen der maßgeblich von den Industriestaaten verursachten Klimakrise vertreiben immer mehr Menschen in den Regionen, die diese Krise am wenigsten verursacht haben. Während Familien im Globalen Süden ihre Heimat durch Klimakatastrophen verlieren, kürzen wohlhabende Nationen die Hilfsgelder. Diese humanitäre Krise muss enden. Die Industriestaaten müssen schneller vorankommen beim Senken ihrer Emissionen und sie müssen den am härtesten betroffenen Ländern dabei helfen, sich an die Folgen der Klimakrise anzupassen.“
– Fawad Durrani, Migrationsexperte von Greenpeace

 

Das Jahr 2025 wies viele Waldbrände, extreme Trockenheit (unter anderem im Amazonasbecken), Flutkatastrophen in mehreren afrikanischen Ländern, Hitzewellen in Portugal und Spanien sowie Rekordwerte in Japan, Südkorea und China, starke Monsunregen und mehrere zerstörerische Taifune und Zyklone auf. Rund ein Fünftel der Weltbevölkerung sind bereits laut Schätzungen der Weltbank klimabedingten Hochrisiken ausgesetzt, so der Greenpeace-Report. Am verwundbarsten sind diejenigen, die bereits in den vergangenen Jahren von Extremwetterereignissen betroffen waren.

 

Klimakrise und gekürzte Entwicklungszusammenarbeit verschärfen Notstand

Der Report vertieft die Auswirkungen von Klimakrise und sinkender Entwicklungszusammenarbeit auf Vertreibung in zwei Fallbeispielen. In Afghanistan etwa bedrohen abschmelzende Gletscher im Himalaya die Versorgung mit Trinkwasser und die Bewässerung der Landwirtschaft. Auf extreme Dürren folgen katastrophale Sturzfluten. In der Folge sind Menschen gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Kabul droht als erste Großstadt weltweit das Trinkwasser zu verlieren.

In kaum einem Land wie der Demokratischen Republik Kongo (DRK), dem zweiten Fallbeispiel, wurden US-amerikanische Entwicklungsmittel stärker gestrichen. Flossen im Fiskaljahr 2024 noch 1,4 Mrd. US-Dollar in die DRK, waren es im Fiskaljahr 2026 nur noch 21 Mio. Dollar. In einer vielbeachteten Studie hat ein internationales Forschungsteam den Effekt der plötzlichen Streichung auf die Entstehung von Konflikten untersucht. Das Ergebnis zeigt: Die relative Wahrscheinlichkeit für Konflikte stieg signifikant.

 

Link

Hier geht es zum Greenpeace-Report

 

Wenn Europa überhitzt: Wie Hitzewellen unsere Infrastruktur an ihre Grenzen bringen

Wenn Europa überhitzt: Wie Hitzewellen unsere Infrastruktur an ihre Grenzen bringen

Hitze

Noch bevor der astronomische Sommer 2026 begonnen hat, erlebt Europa bereits die zweite außergewöhnliche Hitzewelle des Jahres. Ende Mai wurden in mehreren Ländern Temperaturrekorde gebrochen, Mitte Juni kletterten die Werte erneut auf über 40 Grad Celsius. Meteorologen sprechen von einer ungewöhnlich frühen und intensiven Hitzesaison.

Doch die Folgen betreffen längst nicht mehr nur Gesundheit und Landwirtschaft. Straßen, Bahnstrecken, Stromnetze, Rechenzentren und Städte geraten zunehmend unter Druck. Die Frage lautet nicht mehr, ob sich Europa an häufigere Hitzewellen anpassen muss – sondern wie schnell dies gelingt.

 

Die Hitze wird zum Belastungstest für Europas Infrastruktur

Europa erwärmt sich schneller als jeder andere Kontinent. Die außergewöhnliche Wärme im Mai 2026 zeigte, wie stark sich die Klimamuster bereits verändert haben. In Frankreich wurde der wärmste Frühling seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen. Die Durchschnittstemperatur von März bis Mai lag bei 13,8 Grad Celsius und damit 1,7 Grad über dem langjährigen Mittel.

Bereits Ende Mai lagen die Temperaturen in Teilen Europas 10 bis 15 Grad über den üblichen Werten für diese Jahreszeit. In Großbritannien wurde mit 34,8 Grad Celsius der höchste jemals gemessene Mai-Wert registriert.

Für die Infrastruktur sind solche Extremwerte problematisch. Asphalt kann sich verformen, Schienen dehnen sich aus und erhöhen das Risiko von Gleisverwerfungen. Gleichzeitig steigt der Strombedarf durch Kühlung und Klimaanlagen, während hohe Temperaturen die Leistungsfähigkeit von Stromnetzen und technischen Anlagen beeinträchtigen.

 

Städte werden zu Hitze-Hotspots

Besonders betroffen sind urbane Räume. Beton, Glas und Asphalt speichern Wärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Dadurch entstehen sogenannte urbane Wärmeinseln.

Während einer Hitzewelle können dicht bebaute Stadtgebiete nachts bis zu 10 Grad wärmer bleiben als das umliegende Umland. Die Folgen reichen von höherem Energieverbrauch über schlechteren Schlaf bis hin zu gesundheitlichen Risiken für ältere Menschen und Kinder.

Viele Städte reagieren inzwischen mit Anpassungsmaßnahmen:

  • Begrünung von Dächern und Fassaden
  • zusätzliche Bäume und Grünflächen
  • Entsiegelung von Flächen
  • Wasserflächen zur Kühlung
  • schattige Aufenthaltsbereiche im öffentlichen Raum

Diese Maßnahmen verbessern nicht nur das Stadtklima, sondern reduzieren auch den Energiebedarf für Kühlung.

Klimaanpassung wird zur wirtschaftlichen Notwendigkeit

Die Kosten extremer Wetterereignisse steigen seit Jahren. Schäden an Straßen, Schienen, Stromversorgung und Gebäuden verursachen europaweit jedes Jahr Milliardenbeträge.

Deshalb investieren immer mehr Länder in hitzeresistente Infrastruktur. Neue Straßenbeläge, temperaturbeständigere Schienen, digitale Sensorsysteme und sogenannte Schwammstadt-Konzepte sollen helfen, die Folgen extremer Hitze abzufedern.

Experten sind sich weitgehend einig: Selbst wenn die globalen Emissionen rasch sinken würden, werden Hitzewellen in den kommenden Jahrzehnten häufiger auftreten. Klimaanpassung wird daher zu einer ebenso wichtigen Aufgabe wie der Klimaschutz selbst.

 

Daten und Fakten

  • Frankreich erlebte 2026 den wärmsten Frühling seit Beginn der Messungen. Die Durchschnittstemperatur lag bei 13,8 °C, rund 1,7 °C über dem langjährigen Mittel.
  • Im Mai 2026 lagen die Temperaturen in Teilen Europas zeitweise 10 bis 15 °C über dem Durchschnitt.
  • Großbritannien registrierte Ende Mai mit 34,8 °C den höchsten jemals gemessenen Mai-Wert.
  • In Portugal wurde Ende Mai mit 40,3 °C ein neuer nationaler Mai-Hitzerekord aufgestellt.
  • Copernicus bezeichnete die Hitzewelle Ende Mai als „außergewöhnlich früh und intensiv“, mit regionalen Temperaturabweichungen von mehr als 10 °C über dem Durchschnitt.
  • Mitte Juni 2026 wurden in Frankreich erneut Temperaturen zwischen 34 und 40 °C, lokal sogar über 40 °C, erwartet – noch vor dem offiziellen Sommerbeginn.
  • Für Wien wurden bereits am Juni 2026 Höchstwerte von 30 bis 31 °C erwartet.
  • Österreich hat sich seit 1900 um rund 3,1 °C erwärmt und damit deutlich stärker als der globale Durchschnitt.

 

Die aktuellen Hitzewellen zeigen, dass Europa nicht nur vor einer Klimaschutzaufgabe steht. Immer stärker rückt die Frage in den Mittelpunkt, wie Städte, Verkehrssysteme und Energieversorgung an ein Klima angepasst werden können, das bereits heute deutlich heißer ist als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Deregulierung von neuer Gentechnik in EU-Parlament beschlossen

Deregulierung von neuer Gentechnik in EU-Parlament beschlossen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1352)

Grünes Licht für die Deregulierung neuer gentechnischer Verfahren: Das Europaparlament in Straßburg hat nach langen Verhandlungen das neue EU-Gesetz zu Neuen Genomischen Techniken (NGT) angenommen. Während für Saatgut noch eine Kennzeichnungspflicht vorgesehen ist, entfällt diese für Folgeprodukte wie Lebensmittel oder Futtermittel komplett. Damit kommen gentechnisch veränderte Lebensmittel ohne entsprechende Kennzeichnung in unsere Supermärkte, sodass sie für Konsument:innen nicht als solche erkenn- und unterscheidbar sind. Hinzu kommt, dass man gentechnisch neu erzeugte Pflanzen patentieren lassen kann, was künftig zu einer Patentflut durch Agrarkonzerne führen könnte. Der Beschluss löst viel Kritik aus.

 

Laut der neuen Verordnung sind bestimmte neue Züchtungsverfahren, darunter die Genschere CRISPR/Cas, künftig nicht mehr automatisch vonn den strengen GVO-Regeln betroffen. Unter den neuen Regeln ist künftig ein großer Teil der NGT-Pflanzen (NGT1 oder „Kategorie-1-Pflanzen“) von strengen Zulassungs-, Risikoprüfungs- und Kennzeichnungspflichten ausgenommen. Sie sollen weitgehend wie konventionell gezüchtete Pflanzen behandelt werden, zentrale Elemente des bisherigen Gentechnikrechts gelten für sie nicht.

Begriffserklärung:

– NGT steht für Neues Genomisches Verfahren. Künftig stuft die EU gentechnisch veränderte Pflanzen in zwei Kategorien ein: NGT1 und NGT2.

– NGT 1: Die erste Kategorie umfasst Pflanzen, in dessen Erbgut weniger als 20 Eingriffe mit der Genschere CRISPR/Cas9 vorgenommen wurden.

– NGT2: Für NGT2-Pflanzen, also solche, an denen größere Veränderungen (zB mit Erbgut von Bakterien oder anderen Pflanzen kombiniert)  vorgenommen wurden, gelten weiterhin die strengen GVO-Regeln.

Schon bisher konnten NGT-Pflanzen in der EU angebaut werden – sie mussten lediglich dieselben Regeln wie alte Gentechnik erfüllen und unterliegen somit einer Risikoprüfung und Kennzeichnung. Das wurde durch den heutigen Beschluss für NGT-Pflanzen abgeschafft.

 

Das Ziel hinter der Entscheidung klingt sinnvoll, nämlich widerstandsfähigere Sorten gegen Klimaextreme, Wassermangel und Schädlinge schneller verfügbar zu machen und den Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren. Allerdings sehen viele Umweltorganisationen vielfach größere Probleme als Vorteile für die Bürger:innen. Europaabgeordnete Manuela Ripa (ÖDP) betont, dass die Herausforderungen des Klimawandels und einer nachhaltigen Landwirtschaft nicht durch eine Schwächung bestehender Schutzstandards gelöst werden könnten: „Innovation ist kein Freibrief für Deregulierung. Gerade bei Eingriffen in das Erbgut müssen das Vorsorgeprinzip, unabhängige Risikoprüfungen und vollständige Transparenz gelten.“

 

Keine Wahlfreiheit für Konsument:innen

Das sei riskant und ein schwerer Eingriff in die Wahlfreiheit der Bürger, kritisiertRipa weiter: „Die Verbraucher haben mangels Kennzeichnung kaum noch eine Chance zu erfahren, was sie auf ihren Tellern haben.“

Dies sieht der Geschäftsführer Florain Faber der ARGE-Gechntechnik-frei ähnlich: „Das Europäische Parlament hat heute die Chance verpasst, beim sensiblen Thema Gentechnik die Transparenz und Wahlfreiheit für Konsumentinnen und Konsumenten dauerhaft abzusichern“, erklärt Faber.

„Weite Teile der Lebensmittelwirtschaft sowie Konsumenten- und Umweltschutz waren sich im Vorfeld der Entscheidung einig, dass durchgängige Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit entlang der Lebensmittelkette sowie wirksame Regelungen gegen die Patentierung von Pflanzen und Erzeugnissen aus Neuer Gentechnik dringend notwendig sind. Nur so können die Eigenständigkeit und die Qualitäts­standards der europäischen Lebensmittelproduktion bewahrt werden. Die eindringlichen Warnungen vor einer regel- und kontrollfreien Neuen Gentechnik wurden nicht berück­sichtigt.“

Während Lebensmittel mit der Neuen Gentechnik künftig nicht mehr gesetzlich gekenn­zeichnet werden müssen, bleiben diese Verfahren auch in Zukunft sowohl von den Bio-Standards als auch von der „Ohne Gentechnik“- Produktion ausgeschlossen, d.h. der Bio-Sektor bleibt weiterhin gentechnikfrei.

 

Monopolisierung und Patentflut

Die neue Verordnung bringe die kleinen und mittelständischen Saatgutfirmen unter Druck und gefährde die Existenz kleiner Saatgut-Züchter. Es drohe eine massive Marktkonzentration in den Händen weniger internationaler Konzerne, wie es bereits in den USA Realität ist, kritisiert die österreichische Arbeiterkammer.

Im Jahr 2024 forderte das EU-Parlament eine NGT-Verordnung, die eine Kennzeichnung von NGT-Produkten sicherstellt und die Patentierung von Saatgut stoppt. Heute haben die Abgeordneten in Straßburg einer Verordnung zugestimmt, die keiner ihrer eigenen Forderungen entspricht. Abänderungsanträge, die die Patentierung von Saatgut eingeschränkt hätten, fanden bei der Abstimmung keine Mehrheit.

Heute ist ein schwarzer Tag für die Vielfalt“ kommentiert Dagmar Urban, Expertin für Saatgutpolitik bei ARCHE NOAH. Das EU-Parlament hat eine historische Chance verpasst, die Monopolisierung unseres Saatguts zu stoppen. Neue Gentechnik heißt vor allem: patentiertes Saatgut. Saatgut-Patente stärken Großkonzerne und blockieren Innovationen, wie Erfahrungen aus den USA deutlich zeigen.

Auch Greenpeace befürchtete laut einer Pressemitteilung „eine wahre Lawine von patentiertem Saatgut“, womit auch in der EU „amerikanische Verhältnisse mit einer noch viel stärkeren Abhängigkeit von Bäuerinnen und Bauern von internationalen Saatgutkonzernen“ drohten.

 

2.000 Anträge auf Gentechnik-Patente

Der notwendige Patente-Stopp ist abgesagt. Mit der Neuen Gentechnik kommt eine Flutwelle an patentiertem Saatgut auf uns zu,“ kommentiert Urban von ARCHE NOAH. Das EU-Parlament stelle sich mit seiner Entscheidung gegen Europas Bäuer:innen und auch gegen die eigenen Wähler:innen. Bäuer:innen seien aufgrund von Patenten auf Saatgut mit massiver Rechtsunsicherheit konfrontiert. Gleichzeitig lehnen 80 Prozent der Wähler:innen Patente auf Saatgut klar ab, wie eine repräsentative Studie im Auftrag der Organisation „No Patents on Seeds!” zeigt.

Bisher gibt es weltweit etwa 2.000 Patentanträge auf NGT-Pflanzen. Dazu kommen Patente auf klassische gezüchtete Pflanzen, die in Europa eigentlich verboten sind, aber trotzdem vom Europäischen Patentamt immer wieder erteilt werden. Ein aktuelles Beispiel ist ein Patent des deutschen KWS-Konzerns auf Futtermais mit besserer Verdaulichkeit, das nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Silage betrifft.

Patente blockieren Innovation in der Pflanzenzüchtung, weil sie den Zugang zu biologischem Material zur Entwicklung neuer Sorten blockieren. „Wir geben nicht auf. Es geht um die Kontrolle über unsere Ernährung“, so Dagmar Urban.

„Wenn die gesetzliche Transparenz abnimmt, steigt die Bedeutung glaubwürdiger freiwilliger Kennzeichnungssysteme“, so Florian Faber. „‚Ohne Gentechnik‘ und ‚Bio‘ werden künftig die verlässlichsten Orientierungshilfen für alle sein, die bewusst auf Gentechnik in ihrer Ernährung verzichten möchten.“

Jean Ziegler ist tot – Ein unbequemer Mahner gegen Hunger und Ungerechtigkeit

Jean Ziegler ist tot – Ein unbequemer Mahner gegen Hunger und Ungerechtigkeit

Feld(36)

Jean Ziegler ist im Alter von 92 Jahren in Genf verstorben. Mit dem Schweizer Soziologen, Politiker, Autor und ehemaligen UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung verliert die Welt eine der prägendsten Stimmen im Kampf gegen Hunger, Armut und globale Ungleichheit.

Über Jahrzehnte stellte Ziegler unbequeme Fragen. Warum hungern Menschen in einer Welt des Überflusses? Warum profitieren manche Regionen vom globalen Wohlstand, während andere unter Armut, Hunger und Ausbeutung leiden? Seine Antworten waren oft kontrovers, seine Kritik an Politik, Finanzsystem und multinationalen Konzernen scharf – und genau deshalb wurde er weit über die Schweiz hinaus bekannt.

 

Der Kampf gegen den Hunger als Lebensaufgabe

Internationales Ansehen erlangte Ziegler vor allem als UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung. Zwischen 2000 und 2008 bereiste er zahlreiche Länder, dokumentierte Hungerkrisen und machte auf die strukturellen Ursachen von Armut aufmerksam. Für ihn war Hunger kein Naturereignis, sondern das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen.

Besonders eindringlich war seine Aussage, die ihn weltweit bekannt machte: Ein Kind, das an Hunger stirbt, sei nicht Opfer eines Mangels an Nahrung, sondern Opfer eines Systems, das seine Versorgung nicht sicherstellt. Diese Haltung prägte sein gesamtes Wirken.

 

Kritik am globalen Wirtschaftssystem

Ziegler gehörte zu den bekanntesten Globalisierungskritikern Europas. Er kritisierte Spekulationen mit Nahrungsmitteln, Steuerflucht, Korruption und die Macht großer Finanz- und Wirtschaftskonzerne. Gleichzeitig engagierte er sich für internationale Solidarität und eine gerechtere Verteilung von Ressourcen.

Dabei polarisierte er regelmäßig. Für die einen war er ein unbeirrbarer Kämpfer für soziale Gerechtigkeit, für andere ein ideologischer Kritiker des Kapitalismus. Unbestritten ist jedoch, dass er die Debatte über globale Verantwortung, Hunger und Entwicklungspolitik über Jahrzehnte geprägt hat.

 

Warum Jean Zieglers Botschaft heute aktueller denn je ist

Die Themen, die Jean Ziegler bewegten, sind auch 2026 hochaktuell. Der Klimawandel bedroht Ernten auf der ganzen Welt, Wasser wird in vielen Regionen knapper, und geopolitische Krisen verschärfen die Unsicherheit bei der Lebensmittelversorgung.

Gleichzeitig produziert die Welt weiterhin genügend Nahrung, um alle Menschen zu ernähren. Die entscheidende Frage bleibt daher dieselbe, die Ziegler jahrzehntelang gestellt hat: Wie gelingt eine gerechte Verteilung der vorhandenen Ressourcen?

Gerade für Nachhaltigkeitsinitiativen wie pro.earth bleibt sein Vermächtnis deshalb relevant. Denn ökologische Herausforderungen und soziale Gerechtigkeit lassen sich nicht voneinander trennen. Wer über Klimaschutz spricht, muss auch über Ernährungssicherheit, Wasserzugang und globale Verantwortung sprechen.

 

Daten und Fakten

  • Jean Ziegler wurde am 19. April 1934 in Thun in der Schweiz geboren.
  • Er war 27 Jahre Mitglied des Schweizer Nationalrats.
  • Von 2000 bis 2008 war er UNO-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung.
  • Er veröffentlichte mehr als 30 Bücher zu den Themen Hunger, Globalisierung und soziale Gerechtigkeit.
  • Jean Ziegler starb am 10. Juni 2026 im Alter von 92 Jahren in Genf.

 

Mit Jean Ziegler verliert die Welt einen ihrer lautesten Kritiker globaler Ungleichheit. Seine zentrale Botschaft bleibt bestehen: Hunger, Armut und Umweltzerstörung sind keine unvermeidbaren Schicksale – sie sind Herausforderungen, für die Menschen Verantwortung tragen.

Foto: Boris Dupont / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)