Befrei dich von unnötigem Ballast

Befrei dich von unnötigem Ballast

Der Januar steht für Aufbruch und Veränderung. Während es weltpolitisch immer turbulenter wird, können wir unsere eigene Achtsamkeit uns selbst und unserer Umwelt gegenüber steigern.  Und uns unter anderem von Unnötigem trennen. Zum Beispiel indem wir uns helfen zu entgiften. Oder uns von alten Mustern befreien, Abhängigkeiten erkennen und diese schrittweise lösen beginnen.

 

Unsere Entgiftungsorgane Leber, Niere und Darm sowie auch Haut und Lunge arbeiten auf Hochtouren, um Gifte wie Pestizide, Hormone, Konservierungsmittel, Abgase oder Geschmacksverstärker und Medikamente, Stoffe, die dem Körper fremd sind, oder auch Mikroplastik, abzubauen. Viele dieser Stoffe sind in Fertigprodukten, Alkohol, Nikotin, Getränken, Kosmetika und Pharmaka enthalten. Stress ist ebenfalls ein Gift, das unseren Körper schwächt.

 

Wir können den Körper beim Detox durch unsere Ernährung unterstützen. Eine ballaststoffreiche, fleischarme Kost mit hohem Gemüseanteil und „guten“ Kohlehydraten (wenig Zucker und Weißmehl) ist immer eine gute Basis. Zur Unterstützung der Organe kann man über mehrere Wochen spezielle Tees wie zum Beispiel Lebertee trinken.

 

Laut Liebscher&Pracht ist das sogenannte Intervallfasten eine wunderbare Möglichkeit, den Körper beim Entgiften zu unterstützen. Die regel lautet 16:8, was bedeutet, dass man 16 Stunden nicht isst. Diese Zeit kann der Körper zur Autophagie nutzen. Der Körper nutzt die Verdauungspause dafür, die eigenen Zellen zu reinigen, beschädigte Zellen zu reparieren. Derweilen entfernt die interne Müllabfuhr Gifte aus dem Körper.

 

Bewegung hilft ebenfalls mit, den eigenen Körper zu entgiften und hat positive Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Der Kreislauf wird angeregt,  der Abtransport von Giften durchs Schwitzen verbessert, die Durchblutung der Organe erhöht.

 

Und dann wäre da noch die Reduktion von Stress, die uns und unserem Körper hilft. Keine leichte Aufgabe. Aber überaus sinnvoll. Hier können einfache Atemübungen helfen unser Nervensystem zu stabilisieren und den Cortisolspiegel wieder runterzufahren.

 

Man kann auch seine Zeit in den sozialen Netzen und im Internet insgesamt reduzieren, um wieder freier agieren zu können. Dies fällt immer mehr Menschen schwer und hat zu starken Abhängigkeiten und Sucht weltweit geführt. Gerade nach dem Aufwachen hilft es, darauf zu verzichten und den Körper und Geist langsam und achtsam in den neuen Tag gleiten zu lassen.

 

Die Möglichkeiten sind vielfältig. Hat man einmal damit begonnen, spürt man recht schnell den Unterschied für sich und das eigene Wohlbefinden, wenngleich alte Muster sich immer gerne einschleichen wollen. Da heißt es einfach dranbleiben.

Gut-fürs-Mikrobiom-Muffins

Gut-fürs-Mikrobiom-Muffins

Nachdem wir nach den Weihnachtsfeiertagen nun wieder bewusster auf unsere Ernährung schauen und hochverarbeitete Lebensmittel, Industriezucker und Weißmehl meiden, aber doch auch mal Gusto auf was Süßes haben, probierten wir diese Woche Haferflocken-Muffins aus, die noch dazu positiv auf unser Mikrobiom wirken.

 

Unser Darm-Mikrobiom war diese Woche auch Thema in Ö1 und beinhaltet alle Mikroorganismen in unserem Darm, allen voran die Bakterien. Es handelt sich dabei um eine unvorstellbare hohe Anzahl an Kleinstbewohnern, die für eine reibungslose Verdauung sorgen und auch unser Immunsystem stützen. Nicht zu vergessen spielen sie auch bei unserem Wohlbefinden aufgrund der sogenannten Darm-Hirn-Achse eine wichtige Rolle. Kommt das Gleichgewicht an Mikroorganismen durcheinander – zum Beispiel durch hochverarbeitete Lebensmittel, die zu wenig Ballaststoffe (dient als Nahrung) enthalten, aber auch durch zuviel Zucker, Fett, Salz und Zusatzstoffe – dann beeinflusst das unseren gesamten Organismus negativ.

So enthält Hafer Beta-Glucane und andere Ballaststoffe, die unser Mikrobiom positiv beeinflussen, und kann in verschiedenster Form verwendet werden.

 

Nun zur Zutatenliste für unsere Muffins:

100 Gramm Haferflocken, kernig
3 Bio-Bananen, klein, ca 225 Gramm
2 Eier
50 ml Mandelmilch ungesüßt
80 Gramm Honig oder alternativ Dattelsüße
1 TL Backpulver
3 Gramm Natron (hatten wir nicht zu Hause, hat auch ohne funktioniert)
eine Prise Salz und Zimt nach Belieben

 

So einfach funktioniert es:

Wir haben die drei Bananen mit einer Gabel zu Mus zerquetscht, die Haferflocken und Eier dazugegeben und alles erstmals durchgerührt. Dann rührt man dies mit allen weiteren Zutaten zusammen und gibt zum Schluss den Zimt dazu.

Das Muffinblech gut ausfetten oder Förmchen hineinstellen, die Masse gleichmäßig in alle 12 Förmchen aufteilen und bei 180 Grad rund 30 Minuten backen.

Gutes Gelingen!

 

Link

Hier erfährt man viel Spannendes über unser Mikrobiom

Meilenstein bei Schutz der Hochsee

Meilenstein bei Schutz der Hochsee

Am 17. Jänner tritt nach jahrzehntelangen Verhandlungen das UN-Hochseeschutzabkommen in Kraft und ist eine historische Chance für den Klima- und Biodiversitätsschutz der Meere. Damit hat sich die internationale Gemeinschaft erstmals auf einen umfassenden globalen Rechtsrahmen geeinigt, der die marine Biodiversität ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse schützen soll. Diese Gebiete machen etwa zwei Drittel der Weltmeere aus und bedecken fast die Hälfte der Erdoberfläche. Deutschland und Österreich haben das Abkommen bislang unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert.

 

Die Hohe See macht fast zwei Drittel (64 %) der Weltmeere aus und bedeckt etwa die Hälfte der Oberfläche unseres Planeten. Aber nur etwa 1 % der Hochsee steht unter Schutz. Bis dato handelte es sich bei dem “gemeinsamen Erbe der Menschheit“ (so das Seerecht) um einen gesetzfreien Raum, der von einzelnen Staaten nach Belieben ausgebeutet wurde. Das BBNJ-Abkommen bildet den ersten kohärenten, umfassenden, internationalen und rechtsverbindlichen Rahmen spezifisch für den Schutz der biologischen Vielfalt der Hochsee und schliesst damit wichtige Lücken in der Meerespolitik.

Die Hochsee ist der größte Lebensraum der Welt und eine wichtige CO2-Senke, die die Klimakrise abpuffert und Sauerstoff liefert.

„Die hohe See ist ein gigantischer und einzigartiger Lebensraum, Heimat von Millionen Arten und reguliert unser Klima. Gleichzeitig sind unsere Meere überfischt, verschmutzt und landen nun auch im Zielkreuz der Rohstoffindustrie. Mit dem Meeresschutzabkommen sind die Regierungen, die den Vertrag ratifiziert haben, rechtlich verpflichtet, Schutzmaßnahmen zu ergreifen”, sagt Lukas Meus, Greenpeace-Meeresexperte.

 

Key Facts

Meilenstein: Das Hochseeschutzabkommen (BBNJ Agreement) tritt am 17. Januar 2026 in Kraft, nachdem bisher 83 Staaten offiziell beigetreten sind, darunter einige Schlüsselstaaten.
Schutz: Das Abkommen bildet den neuen Rechtsrahmen für den Schutz der Hochsee, inkl. für die Errichtung von Meeresschutzgebieten, verpflichtenden Umweltverträglichkeitsprüfungen vor schädlichen Eingriffen und der gerechten gemeinsamen Nutzung genetischer Ressourcen der Meere.
Handeln: Das Inkrafttreten ist nur der erste Schritt. Die Regierungen müssen nun Taten folgen lassen, Regulierungslücken schliessen und dauerhaften Schutz der marinen Biodiversität sicherstellen.

Die wichtigsten Elemente des Abkommens

Das UN-Hochseeschutzabkommen enthält vier Schlüsselelemente:

die Möglichkeit zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten in der Hochsee,
verbindliche Umweltverträglichkeitsprüfungen,
Regeln zur gerechten Teilung von Erlösen aus marinen genetischen Ressourcen und
den Aufbau von Kapazitäten sowie einen Technologietransfer für Entwicklungsländer.

 

Bisher sind 83 Länder offiziell dem BBNJ-Abkommen beigetreten (145 Unterzeichnerstaaten). Dies ist ein ermutigender Anfang, der das rasche Inkrafttreten des Abkommens ermöglichte. Manche wichtige Akteure im Bereich der Meerespolitik müssen jedoch erst noch an Bord kommen, darunter die USA, die das Übereinkommen unterzeichnet haben, aber noch nicht offiziell beigetreten sind, und die Russische Föderation, die bisher weder unterzeichnet hat, noch beigetreten ist.

Die weltumspannende Teilnahme ist laut OceanCare unerlässlich, um alle Gebiete ausserhalb nationaler Hoheitsbefugnisse wirksam zu schützen, die marine Biodiversität zu bewahren und die vereinbarten Regeln in der gesamten Hochsee einheitlich anzuwenden. Viele Formen der Verschmutzung, darunter Unterwasserlärm und Plastik, kennen keine Staatsgrenzen. Die Bekämpfung dieser zunehmend verheerenden grenzüberschreitenden Bedrohungen erfordert die Teilnahme, das Engagement und die Zusammenarbeit aller Nationen.

 

Tag zum Feiern

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, OceanCare und die Deutsche Umwelthilfe sehen das Abkommen als wichtigen Meilenstein und Chance und fordern die deutsche und österreichische Regierungen auf, dieses alsbaldig zu ratifizieren.

Lioba Schwarzer, Teamleiterin Meeresschutz bei der DUH: „Das Inkrafttreten des UN-Hochseeschutzabkommens ist ein Anlass zum Feiern, aber die eigentliche Arbeit beginnt jetzt. Es kursieren bereits verschiedene Vorschläge für die Einrichtung von Hochsee-Meeresschutzgebieten, die nun zügig vorangetrieben werden müssen.“

Dieses Abkommen ist eine Rettungsleine hin zur Erhaltung der Hochsee und zur wirksamen Bewältigung und Eindämmung grenzüberschreitender Bedrohungen, damit diese riesigen Gewässer als Lebensraum für Meeresbewohner bewahrt werden“, sagt Fabienne McLellan, Geschäftsführerin von OceanCare.

 

 

Dominanz weniger Konzerne blockiert Agrarwende und diktiert Preise – Konzernatlas 2026

Dominanz weniger Konzerne blockiert Agrarwende und diktiert Preise – Konzernatlas 2026

Die Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000 hat gemeinsam mit der Heinrich- Böll-Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Marktmacht der großen Konzerne im Lebensmittelbereich – vom Saatgut bis in den Einzelhandel – unter die Lupe genommen. Der letzte Woche veröffentlichte „Konzernatlas 2026 – Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie“ zeigt die Folgen der starken Marktkonzentration im Agrar- und Ernährungssektor auf und präsentiert politische Instrumente, um die Markt- und Lobbymacht dominanter Konzerne einzudämmen.

 

 Vier Konzerne kontrollieren Mehrheit des Pestizidmarktes

Weltweit kontrollieren jeweils nur vier Konzerne 61 Prozent des Pestizidmarkts, 56 Prozent des Saatguts und 43 Prozent der Landmaschinen, so die Heinrich-Böll-Stiftung in einer Aussendung anlässlich der Veröffentlichung. In Deutschland beherrschen demnach die vier großen Supermarktketten Aldi, Edeka (mit Netto), Rewe (mit Penny) und die Schwarz-Gruppe (mit Lidl und Kaufland) inzwischen rund 88 Prozent des Lebensmittelhandels – 1995 waren es noch 55 Prozent.

Gleichzeitig sei die Zahl der Handwerksbäckereien in Deutschland seit 1950 um fast 60 Prozent geschrumpft, während wenige Großbetriebe drei Viertel des Umsatzes kontrollieren.

Parallel wachse der politische Einfluss der Branche: Allein neun Lobbyorganisationen gaben zwischen 2020 und 2023 mehr als 50 Millionen Euro aus, um eine 50-prozentige Pestizidreduktion im Rahmen der EU-Farm-to-Fork-Strategie zu verhindern – mit Erfolg.

Und die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne weltweit stoßen laut der Aussendung zusammen so viele Treibhausgase aus wie Ölkonzerne vom Kaliber BP oder Shell – und lobbyieren gegen umfangreiche Berichtspflichten über ihre Emissionen.

Und unsere Ernährung ist immer öfter der Grund für viele Zivilisationskrankheiten – essen macht uns krank, denn die Lebensmittel sind voll von Inhaltsstoffen, die nicht für menschliche Körper gemacht sind, enthalten Pestizidrückstände, Transfette, E-Stoffe uvm, die allesamt für unsere Gesundheit schädlich sind.

 

Problematisch für Agrarbetriebe

„Lebensmittelpreise sind ein zentrales gesellschaftliches Thema. Für Landwirt*innen, die zumindest kostendeckende Preise für eine faire und nachhaltige Produktion brauchen, und für Verbraucher*innen, insbesondere in Zeiten von hoher Inflation. Denn jeder sollte sich gesund und umweltschonend ernähren können. Doch je stärker sich Märkte konzentrieren, desto mehr profitieren in Krisenzeiten wenige große Konzerne, während bei vielen Agrarbetrieben kaum etwas ankommt“, erklärt Dr. Imme Scholz, Vorständin der Heinrich-Böll-Stiftung und meint weiter:

„Für Deutschland bestätigt das auch die Monopolkommission: In den vergangenen Jahren haben sich die Preisaufschläge zunehmend weg von der Landwirtschaft hin zur verarbeitenden Industrie und zum Lebensmitteleinzelhandel verlagert. Um Landwirt*innen, Arbeiter*innen und Verbraucher*innen besser zu schützen, braucht es eine unabhängige Preis- und Margenbeobachtungsstelle und ein konsequentes Vorgehen gegen unfaire Handelspraktiken – in Deutschland und auch entlang globaler Lieferketten.“

 

Marktkonzentration in Österreich

Für Österreich falle dabei genau jene Marktkonzentration ins Auge, die in den vergangenen Jahren die Preise für Konsument:innen hat explodieren lassen, erklärt GLOBAL2000 diesbezüglich. “Die Preise für Lebensmittel sind in den letzten fünf Jahren der realen Kaufkraft davon galoppiert. Während immer mehr Menschen immer mehr Geld für Essen ausgeben müssen, finanzieren sich Konzerne ihre Übergewinne – sie kontrollieren nicht weniger als 90% des Marktes”, kritisiert Anna Leitner, Ressourcen-Sprecherin und Atlas-Co-Autorin bei GLOBAL 2000, die aktuelle Lebensmittel-Situation in Österreich harsch.

Dabei sind Lösungsansätze vorhanden. Genossenschaftliche Zusammenschlüsse von Betrieben, die nicht profitorientiert wirtschaften, erfreuen sich steigender Beliebtheit. “Von solidarischer Landwirtschaft wie GeLa Ochsenherz, bis hin zu Mitmach-Supermärkten wie MILA – Menschen werden in sämtliche Arbeitsschritte eingebunden und profitieren am Ende mit einem günstigen und nachhaltigen Einkauf”, zeigt Anna Leitner, wie Lebensmittel-Wirtschaft anders gedacht werden kann.

Gleichzeitig verweist Leitner auf zusätzliche positive Effekte: “Die Belebung von Ortskernen, Stärkung der Gemeinschaft, Reduzierung von Emissionen und die Verringerung des stetig anwachsenden Müllbergsaufkommens sollten zusätzlicher Ansporn sein, für den Agrar- und Lebensmittelsektor eine Versorgung mit Lebensmitteln  jenseits von Wachstums- und Profitdruck anzustreben.”

Für mehr Infos kann der Konzern-Atlas KOSTENLOS BESTELLT werden.

 

Spielball weniger Konzerne

Die zuvor beschriebene Entwicklung entwickele sich natürlich nicht im luftleeren Raum, so GLOBAL2000. Weltweit bestimmen wenige Konzerne über Saatgut, Pestizide, Dünger und landwirtschaftliche Maschinen – damit auch über unser Essen. Zucker- & fetthaltige Produkte bringen – nicht selten in Kombination mit hohem Pestizid-Einsatz – hohe Gewinne, haben aber gleichzeitig gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen. SoÜber Umwege belasten sie zudem die weltweiten Gesundheitssysteme massiv.

Die fortschreitende Digitalisierung der Landwirtschaft verschärfe die Situation zusätzlich. Von selbstfahrenden Traktoren zu ferngesteuerten Mähdreschern – Patente, Kartelle und ständig steigende Abhängigkeiten drohen immer mehr Menschen die Entscheidungs-Souveränität abzunehmen, was letztlich auf ihren Tellern landet.

Möglichkeiten das zu ändern gibt es: Der Konzern-Atlas zeigt auf, wie Bürger:innen und Politik eine umweltverträgliche, sozial gerechte und nachhaltige Ernährung auf den Weg bringen können. “Wir haben die Mittel. Es braucht jedoch den notwendigen Mut und politischen Willen, entsprechende Entscheidungen zu treffen”, appelliert Leitner abschließend.

 

Link

Konzernatlas 2026

Copernicus: Zum ersten Mal die 1,5 °C-Grenze in einem Dreijahreszeitraum überschritten

Copernicus: Zum ersten Mal die 1,5 °C-Grenze in einem Dreijahreszeitraum überschritten

Copernicus-Daten zeigen, dass 2025 das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen war, nur geringfügig (0,01 °C) kühler als 2023 und 0,13 °C kühler als 2024 – das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Die letzten elf Jahre waren die elf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen. Die globalen Temperaturen der letzten drei Jahre (2023–2025) lagen im Durchschnitt mehr als 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau (1850–1900). Damit wurde zum ersten Mal die 1,5 °C-Grenze in einem Dreijahreszeitraum überschritten. Die Lufttemperatur über den Landgebieten der Erde war die zweitwärmste, während die Antarktis die wärmste Jahrestemperatur seit Beginn der Aufzeichnungen und die Arktis die zweitwärmste verzeichnete.

 

Die Ergebnisse wurden heute vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen (ECMWF) veröffentlicht, das im Auftrag der Europäischen Kommission den Copernicus-Klimawandel-Dienst (C3S) und den Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienst (CAMS) betreibt.

„Dieser Bericht bestätigt, dass Europa und die Welt das wärmste Jahrzehnt seit Beginn der Aufzeichnungen erleben.“

Florian Pappenberger, Generaldirektor des ECMWF

 

Treibhausgasemissionen und dadurch verstärktes El-Niño-Ereignis sind Hauptgründe

Die letzten drei Jahre 2023–2025 waren aus zwei Hauptgründen außergewöhnlich warm. Der erste Grund ist die Anreicherung von Treibhausgasen in der Atmosphäre aufgrund anhaltender Emissionen und einer verringerten Aufnahme von Kohlendioxid durch natürliche Senken. In anderen Worten: Steigende Konzentrationen von Treibhausgasen in der Atmosphäre – hauptsächlich eine direkte Folge menschlicher Aktivitäten – sind der Hauptgrund für den beobachteten langfristigen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur. Wie wir kürzlich berichteten, sinken die Treibhausgasemissionen nicht rasch genug und wir überschreiten bereits früher als gedacht die 1,5 Grad Zielmarke des Pariser Klimaabkommens mit noch nicht absehbaren Folgen für uns.

 

Der zweite Grund ist, dass die Meeresoberflächentemperaturen im gesamten Ozean außergewöhnlich hohe Werte erreichten, was mit einem El-Niño-Ereignis und anderen Faktoren der Ozeanvariabilität zusammenhängt, die durch den Klimawandel verstärkt wurden. Weitere Faktoren sind Veränderungen in der Menge der Aerosole und niedrigen Wolken sowie Schwankungen in der atmosphärischen Zirkulation.

 

Grafik: Globaler Anstieg der Oberflächenlufttemperatur (ºC) über dem Durchschnitt des als vorindustrieller Referenzzeitraum festgelegten Zeitraums 1850–1900 auf Grundlage des ERA5-Datensatzes, dargestellt als Jahresdurchschnitt seit 1940. Quelle: C3S/ECMWF

 

Wie bereits 2023 und 2024 war auch 2025 ein erheblicher Teil der Erde deutlich wärmer als im Durchschnitt. Die Luft- und Meeresoberflächentemperaturen in den Tropen waren niedriger als 2023 und 2024, lagen jedoch in vielen Gebieten außerhalb der Tropen immer noch deutlich über dem Durchschnitt.

 

„Die Überschreitung eines Dreijahresdurchschnitts von 1,5 °C über dem vorindustriellen Niveau ist ein Meilenstein, den keiner von uns erreichen wollte … .“

Mauro Facchini, Leiter der Abteilung Erdbeobachtung in der Generaldirektion Verteidigungsindustrie und Raumfahrt der Europäischen Kommission

 

Die im Vergleich zu 2023–2024 niedrigeren Temperaturen in den Tropen waren teilweise auf das Anhalten von nahezu durchschnittlichen („ENSO-neutralen“) oder schwachen La Niña-Bedingungen im äquatorialen Pazifik während des gesamten Jahres 2025 zurückzuführen.

Die höheren Temperaturen der beiden Vorjahre wurden teilweise durch ein starkes El Niño-Ereignis beeinflusst. El Niño hat tendenziell einen erwärmenden Effekt auf die globalen Temperaturen, der sich mit der langfristigen, vom Menschen verursachten globalen Erwärmung überlagert, während La Niña tendenziell den gegenteiligen Effekt hat.

Auch die Temperaturen über dem tropischen Atlantik und dem Indischen Ozean waren 2025 weniger extrem als 2024.

 

Rekordwerte in Antarktis

Die höheren Temperaturen in den Polarregionen glichen die niedrigeren Temperaturen, die 2025 in den tropischen Regionen beobachtet wurden, teilweise aus. Die Jahresdurchschnittstemperaturen erreichten ihren höchsten jemals gemessenen Wert in der Antarktis und ihren zweithöchsten Wert in der Arktis.

 

Rekordhohe Jahrestemperaturen wurden auch in mehreren anderen Regionen beobachtet, insbesondere im nordwestlichen und südwestlichen Pazifik, im nordöstlichen Atlantik, im fernöstlichen und nordwestlichen Europa sowie in Zentralasien.

 

„Die Tatsache, dass die letzten elf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen waren, ist ein weiterer Beleg für den unverkennbaren Trend zu einem heißeren Klima. Die Welt nähert sich rasch der im Pariser Abkommen festgelegten langfristigen Temperaturgrenze. Wir werden sie zwangsläufig überschreiten; die Frage, die sich uns nun stellt, ist, wie wir mit dieser unvermeidlichen Überschreitung und ihren Folgen für Gesellschaften und natürliche Systeme am besten umgehen.“

Carlo Buontempo, Direktor des Copernicus-Klimawandel-Dienstes

 

Hitzeperioden und Extremwetterereignisse häufen sich

Im Jahr 2025 war die Hälfte der weltweiten Landfläche mehr Tagen als im Durchschnitt einer starken Hitzebelastung ausgesetzt – definiert als gefühlte Temperatur von 32 °C oder mehr. Hitzestress wird von der WHO als die häufigste Ursache für wetterbedingte Todesfälle weltweit anerkannt. In Gebieten mit trockenen und oft windigen Bedingungen trugen hohe Temperaturen auch zur Ausbreitung und Verschärfung außergewöhnlicher Waldbrände bei, die Kohlenstoff, giftige Luftschadstoffe wie Feinstaub und Ozon produzieren, was sich auf die menschliche Gesundheit auswirkt.

Die außergewöhnlichen Bedingungen des Jahres 2025 treten in einem Jahr auf, das von bemerkenswerten Extremereignissen in vielen Regionen geprägt ist, darunter Rekordhitzeperioden, schwere Stürme in Europa, Asien und Nordamerika sowie Waldbrände in Spanien, Kanada und Südkalifornien. Diese einzelnen Ereignisse werden in dem Bericht zwar nicht analysiert oder zugeordnet, bieten jedoch einen aktuellen Kontext für die wachsende öffentliche Aufmerksamkeit für Klimarisiken im Jahr 2025.

Zusätzliche Daten aus dem Bericht „Global Climate Highlights 2025“:

Globale Temperatur

Die globale Durchschnittstemperatur lag 2025 bei 14,97 °C, 0,59 °C über dem Durchschnitt von 1991–2020 und 0,13 °C unter dem Wert von 2024, dem wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Lufttemperatur über den globalen Landflächen war die zweitwärmste, 0,20 °C kühler als 2024 und 0,01 °C über 2023.
Die globale Meeresoberflächentemperatur (extrapoliert) betrug 20,73 °C und war die drittwärmste nach 2024 und 2023.
Der Januar 2025 war weltweit der wärmste Januar seit Beginn der Aufzeichnungen. März, April und Mai waren jeweils die zweitwärmsten Monate für diese Jahreszeit. Mit Ausnahme von Februar und Dezember war jeder Monat des Jahres wärmer als der entsprechende Monat in jedem Jahr vor 2023.

Europa

2025 war mit einer Durchschnittstemperatur von 10,41 °C das drittwärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in Europa. Damit lag die Temperatur 1,17 °C über dem Durchschnitt des Referenzzeitraums 1991–2020 und 0,30 °C unter dem wärmsten Jahr 2024.

Ausdehnung des Meereises

Im Februar 2025 sank die kombinierte Meereisbedeckung beider Pole auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Satellitenbeobachtungen Ende der 1970er Jahre.
In der Arktis war die monatliche Meereisausdehnung im Januar, Februar, März und Dezember die niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen für diese Jahreszeit und im Juni und Oktober die zweitniedrigste. Der März markierte das niedrigste jährliche Maximum seit Beginn der Aufzeichnungen, während das Minimum im September nur den 13. Platz der niedrigsten Werte einnahm.
In der Antarktis erreichte die monatliche Ausdehnung im Februar das viertniedrigste jährliche Minimum und im September das drittniedrigste jährliche Maximum.

 

Link

Copernicus „Global Climate Highlights 2025“

Klimaziel 2030 in Gefahr

Klimaziel 2030 in Gefahr

Während Deutschland seine Klimaziele 2025 einhalten konnte, wenngleich mit verminderter Geschwindigkeit, steigen die Treibhausgasemissionen (THG) in Österreich wieder. Nach den neuesten Berechnungen des Umweltbundeamtes verfehlt das Land seine Klimaziele bis 2030 weit. EU-weit sollen bis 2030 um 55 Prozent weniger THG ausgestoßen werden als im Vergleichsjahr 1990. Länder, die dies nicht erreichen, müssen von anderen Staaten Emissionszertifikate zukaufen und das kann teuer werden. 

 

Eine neue Prognose des Umweltbundesamts „Treibhausgas-Szenarien für die langfristige Budgetprognose 2025“ zeigt Österreichs drohende Verfehlung des EU-Klimaziels 2030 auf. Selbst wenn die im Regierungsprogramm angekündigten Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden, bleibt ein gesammelter Überschuss von rund 13 Millionen Tonnen Treibhausgasen. Werden keine weiteren Maßnahmen umgesetzt, ist sogar mit einem Überschuss von 20 Millionen Tonnen Treibhausgasen zu rechnen.Um einen Größenordnungsvergleich zu bekommen: Laut dem Nowcast-Bericht emittierte das Land 43 Millionen Tonnen CO2 .

„Die neuen Prognosen zu Österreichs klimaschädlichen Emissionen müssen bei der Regierung die Alarmglocken schrillen lassen.“

Jasmin Duregger, Greenpeace

Dieses klimapolitische Versagen wird teuer für Österreichs Steuerzahler:innen: Statt wirksamen Klimaschutz zu finanzieren, müsste die Regierung Millionen für Ausgleichszahlungen aufbringen – der STANDARD berichtet von einer Studie des Bundesfinanzministeriums, die  „Strafzahlungen“ in der Höhe von bis zu  5,9 Milliarden Euro errechnet hat. Angesichts des ohnehin knappen Budgets ist das besonders fatal.

„Der Klimaschutz in Österreich ist ins Stocken geraten, obwohl die Forschung klar zeigt, dass durch diese Verschleppung Milliardenkosten und hohe Schäden entstehen. Ein echter Weckruf für die Regierung.“

Klimaforscher Gottfried Kirchengast

Auch Deutschland könnte mit solchen Ausgleichszahlungen rechnen müssen, nachdem sich die deutsche THG-Reduktion stark verlangsamt hat und weniger auf echte Veränderungen als auf die schlechte Wirtschaftslage zurückzuführen ist. Die ZEIT geht davon aus, dass – sofern sich nichts ändert – der deutsche Staat sein Klimaziel 2030 um etwa 30 Millionen Tonnen CO₂ verfehlen wird und Emissionszertifikate für umgerechnet 34 Milliarden Euro zukaufen müsste.

Dringend Maßnahmen gefordert

Greenpeace fordert, dass die Regierung dem Klimaschutz Priorität einräumt und das Thema auf die Agenda der heutigen Regierungsklausur setzt. Zudem muss die Regierung das Klimagesetz rasch umsetzen, klimaschädliche Subventionen stoppen und einen fairen und verbindlichen Ausstieg aus Gasheizungen beschließen.

Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich:
„Die neuen Prognosen zu Österreichs klimaschädlichen Emissionen müssen bei der Regierung die Alarmglocken schrillen lassen. Selbst mit den geplanten Klimaschutzmaßnahmen wird Österreich noch immer zu viele Treibhausgase in den nächsten Jahren ausstoßen. Die Regierung muss dringend nachschärfen, bevor wertvolle Zeit verstreicht und Millionen Steuergelder sinnlos verpuffen. Umweltminister Totschnig muss das längst angekündigte Klimagesetz vorlegen und Finanzminister Marterbauer die klimaschädlichen Steuervergünstigungen abschaffen.“

 

Der WWF fordert ein umfassendes „Sofortprogramm” der Bundesregierung. „Die neue Prognose sollte ein Weckruf für die Bundesregierung sein, beim Klimaschutz in die Gänge zu kommen. Ansonsten drohen milliardenschwere Folgekosten für das Budget und die gesamte Gesellschaft. Damit würde die Regierung sowohl den Schutz der Bevölkerung als auch die finanzielle Sorgfalt sträflich vernachlässigen”, sagt WWF-Klimasprecher Karl Schellmann.

 

Unser pro.earth.Fazit:

Die letzten Jahre haben gezeigt, dass politische Maßnahmen wirken und die Abkehr von diesen sofort spürbar in eine falsche Richtung führt. Und dies trotz besseren Wissens basierend auf wissenschaftlichen Fakten. Wir brauchen also dringend eine Kehrtwende hin zu mehr Klimaschutz.

 

Link

Studie Umweltbundesamt „Treibhausgas-Szenarien für die langfristige Budgetprognose 2025“

Größte Freihandelszone weltweit soll nun doch kommen

Größte Freihandelszone weltweit soll nun doch kommen

Eine Mehrheit der EU-Staaten hat heute der EU-Kommission das Mandat gegeben, das umstrittene Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten zu unterzeichnen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen plant nun, nächste Woche nach Paraguay zu reisen, um das Abkommen zwischen der EU und Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay symbolisch zu besiegeln. Damit das Abkommen offiziell gilt, muss das EU-Parlament in den kommenden Monaten noch zustimmen.

 

Noch im Dezember 2025 war der Europäische Rat uneinig. Vor allem Frankreich und Italien blockierten damals die Entscheidung. Nun hat die italienische Regierung nachgegeben. Die deutsche Bundesregierung forciert das Abkommen vor allem, um den Absatz deutscher Exportgüter wie Pestizide und Verbrenner-Autos zu sichern. Auch viele Wirtschaftsvertreter begrüßen das Abkommen. Die Gegner des Deals kritisieren, dass der Vertrag den Handel mit solchen klimaschädlichen Produkten nicht nur zementiert, sondern aktiv fördert. Es wird auch befürchtet, dass das bereits bestehende Problem des starken Rückgangs an bäuerlichen Betrieben durch den Import von Agrarprodukten nochmals beschleunigt wird.

 

Verschärfung des Bauernsterbens

„Ernährung zu globalisieren führt zwangsläufig zu einer weiteren Verschärfung des Bauernsterbens“, meint dazu Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria.

„Wer Lebensmittelproduktion dem globalen Preisdruck ausliefert, zerstört regionale Landwirtschaft, macht Bäuer:innen abhängig und gefährdet langfristig unsere Versorgungssicherheit – und unsere Gesundheit.“

Die für Landwirt:innen in Aussicht gestellten Sicherheitsklauseln und Förderungen kritisiert Greenpeace als reinen Beschwichtugungsversuch. Bäuerinnen und Bauern haben das auch längst erkannt und geben ihren Widerstand gegen EU-Mercosur in ganz Europa nicht auf.
Auch das Argument, man müsse mit dem EU-Mercosur-Pakt gerade in Anbetracht von Trump und Co. die Handelsbeziehungen mit Südamerika aus geopolitischen Gründen stärken, bezeichnet Greenpeace als Trugschluss.

Für Greenpeace-Handelsexpertin Lis Cunha ignorieren die EU-Kommission und die deutsche Bundesregierung die Bedenken von Millionen Bürgerinnen und Bürgern:

Mit diesem Abkommen unterläuft die Bundesregierung den von Bundeskanzler Merz auf der Weltklimakonferenz zugesagten Schutz des Regenwalds. Der verständliche Wunsch der EU nach neuen Handelspartnern darf nicht auf Kosten von Klima und Natur gehen. Dieses Abkommen schadet dem Klima, zerstört den Amazonas-Regenwald und beschleunigt so die ökologische Krise. Für ein derart zukunftsfeindliches Abkommen darf die EU sich nicht hergeben. Lis Cunha, Greenpeace-Handelsexpertin

 

„Die EU opfert Klima- und Umweltschutz sowie soziale Gerechtigkeit den Interessen der Auto- und Pestizidkonzerne. Doch das löst keine der aktuellen geopolitischen Krisen – im Gegenteil. Angesichts der Klimakrise ist es absolut verantwortungslos, noch mehr klimaschädliche Produkte quer über den Atlantik zu handeln“, kommentiert Theresa Kofler von Attac Österreich den Beschluss des EU-Mercosur-Abkommens. Auch die neuen Schmerzpflaster für die Landwirtschaft ändern nichts an den grundlegenden Problemen dieses giftigen Abkommens.

 

Mittels undemokratischem Vefahrenstrick gelungen

Kofler erinnert daran, dass die EU-Kommission den Pakt nur durch einen undemokratischen Verfahrenstrick durchsetzen konnte. Denn die ursprünglich für einen Beschluss nötige Einstimmigkeit wurde von der EU-Kommission nachträglich – und möglicherweise EU-rechtswidrig – außer Kraft gesetzt.  “Dass ein EU-Handelsabkommen erstmals gegen den Widerstand so vieler Mitgliedsländer – darunter Österreich, Frankreich, Belgien, Irland, Polen und Ungarn und – beschlossen wird, wird die EU sicher nicht stärken”, erklärt Kofler.

 

Warum Europas Landwirtschaft 2025 neu denken muss

Warum Europas Landwirtschaft 2025 neu denken muss

Der Zustand der europäischen Böden ist ein Thema, das lange im Schatten großer Klimadebatten stand. Während über Emissionen, Energie und Verkehr intensiv diskutiert wird, gerät eine zentrale Grundlage unserer Ernährung zunehmend unter Druck: der landwirtschaftlich genutzte Boden. 2025 wird immer deutlicher, dass Europas Landwirtschaft vor einem Wendepunkt steht. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus physikalischen und ökologischen Zwängen.

Rund 95 Prozent der EU-Lebensmittel hängen direkt vom Boden als Produktionsgrundlage ab. Doch mehr als 60 Prozent der Böden gelten inzwischen als ungesund oder degradiert – ein Risiko für Ernährungssicherheit und Klimaanpassung.

Böden verlieren ihre Funktion als Lebensgrundlage

In vielen Regionen Europas zeigen sich die Folgen jahrelanger Übernutzung und veränderter klimatischer Bedingungen. Längere Trockenperioden, gefolgt von Starkregen, setzen den Böden zu. Verdichtete Ackerflächen können Wasser kaum noch aufnehmen, Erosion nimmt zu, fruchtbare Humusschichten gehen verloren.

Studien europäischer Umweltbehörden zeigen, dass ein erheblicher Teil der landwirtschaftlichen Böden als degradiert gilt. Das bedeutet nicht nur geringere Erträge, sondern auch einen Verlust zentraler Ökosystemleistungen: Wasserspeicherung, Nährstoffkreisläufe und Kohlenstoffbindung funktionieren immer schlechter.

Klimawandel verstärkt strukturelle Schwächen

Der Klimawandel wirkt wie ein Brennglas auf bestehende Probleme. Böden, die über Jahrzehnte durch intensive Bewirtschaftung ausgelaugt wurden, reagieren besonders empfindlich auf Hitze und Trockenheit. Gleichzeitig führen Starkregenereignisse zu Abschwemmungen, weil die Bodenstruktur ihre Stabilität verloren hat.

Landwirtschaftliche Betriebe geraten dadurch in einen Teufelskreis: Sinkende Bodenqualität erfordert mehr Dünger und Bewässerung, was wiederum die Belastung von Böden und Gewässern erhöht. Die Kosten steigen, während die Resilienz weiter sinkt.

Warum technologische Lösungen allein nicht ausreichen

In der öffentlichen Debatte werden häufig technologische Innovationen als Ausweg präsentiert: neue Pflanzensorten, Präzisionslandwirtschaft oder digitale Steuerungssysteme. Diese Ansätze können helfen, sind aber kein Ersatz für gesunde Böden.

Ein Boden, der biologisch verarmt ist, lässt sich nicht allein durch Technik stabilisieren. Ohne ausreichenden Humusgehalt fehlt die Grundlage für Wasserspeicherung und Nährstoffverfügbarkeit. Der Fokus verschiebt sich deshalb zunehmend von kurzfristiger Effizienz hin zu langfristiger Bodenfruchtbarkeit.

Regenerative Ansätze gewinnen an Bedeutung

Vor diesem Hintergrund rücken regenerative Bewirtschaftungsformen stärker in den Fokus. Dazu gehören vielfältige Fruchtfolgen, reduzierte Bodenbearbeitung, der Einsatz von Zwischenfrüchten und Agroforstsystemen. Ziel ist es, den Boden als lebendiges System zu stärken, statt ihn nur als Produktionsfläche zu betrachten.

Erste Praxiserfahrungen zeigen, dass solche Ansätze die Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre und Starkregen erhöhen können. Gleichzeitig verbessern sie die Kohlenstoffspeicherung im Boden und leisten damit einen Beitrag zum Klimaschutz.

Politische Rahmenbedingungen hinken hinterher

Trotz wachsender Erkenntnisse sind die politischen Rahmenbedingungen bislang nur bedingt auf einen grundlegenden Wandel ausgerichtet. Fördermechanismen belohnen vielerorts weiterhin Flächengröße und Produktionsmengen, während langfristige Bodenpflege oft zu kurz kommt.

Zwar gibt es Reformansätze in der europäischen Agrarpolitik, doch Landwirtinnen und Landwirte berichten häufig von bürokratischen Hürden und fehlender Planungssicherheit. Der Umbau der Landwirtschaft erfordert jedoch stabile Rahmenbedingungen, die ökologische Leistungen verlässlich anerkennen.

Der Boden als strategische Ressource der Zukunft

2025 markiert keinen plötzlichen Zusammenbruch, aber einen Punkt, an dem die Warnsignale nicht mehr zu übersehen sind. Böden entscheiden darüber, wie widerstandsfähig Europas Ernährungssystem gegenüber Klimarisiken sein wird. Sie sind nicht erneuerbar im menschlichen Zeitmaßstab und verdienen entsprechend politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit.

Eine zukunftsfähige Landwirtschaft beginnt nicht bei Erträgen oder Exportzahlen, sondern bei der Frage, wie wir mit dem Boden umgehen, der all dies erst möglich macht. Europas Landwirtschaft neu zu denken bedeutet deshalb vor allem, den Boden wieder ins Zentrum zu rücken.

Beinahe so viel Kohlenstoff im Boden wie in Bäumen gespeichert

Beinahe so viel Kohlenstoff im Boden wie in Bäumen gespeichert

In den trockenen Jahren haben Deutschlands Wälder ihre Funktion als Kohlenstoff-Senke weitestgehend verloren. Nun zeigt sich: Der Waldboden hat in dieser Zeit so gut wie alle negativen Effekte ausgeglichen und so die Senkenfunktion der Bäume übernommen. Für künftige Boden- und Waldinventuren müssen daher laut Thünen-Institut für Waldökologie die wissenschaftlichen Modelle angepasst werden.

 

Während viele Bäume in Deutschlands Wäldern in den Trockenjahren 2018 bis 2020 starben und als Kohlenstoffspeicher ausfielen, hat der Waldboden ein Hoch in puncto Kohlenstoffspeicherung erlebt: Neue Ergebnisse des Thünen-Institutes zur Bodenkohlenstoff-Modellierung zeigen, dass der Boden fast alle Kohlenstoffverluste der Bäume in den ersten Schadjahren ausgeglichen und die Senkenfunktion der Bäume übernommen hat.

„Das internationale Gutachter-Team zur Treibhausgas-Berichterstattung hat uns bestärkt, die Auswirkungen der Schadereignisse zwischen 2018 und 2020 auf den Bodenkohlenstoff noch einmal detaillierter zu betrachten“, erläutert Dr. Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut für Waldökosysteme den Hintergrund der Neumodellierung.

In der Folge wurden die Daten der Bodenzustandserhebung zum Kohlenstoff im Boden neu berechnet. Dabei wurden insbesondere die Totholzvorräte und die Wurzelbiomasse angepasst.

© Thünen-Institut/Julia von Guilleaume
Während der Trockenjahre sind große Mengen an Bäumen abgestorben. In den meisten Fällen wurden die Flächen geräumt, in anderen blieb das Totholz jedoch auf der Fläche. Hinzu kamen Nadeln und Blätter sowie die im Boden abgestorbenen Feinwurzeln. Diese reichlich vorhandene, sogenannte Streuauflage wurde durch die höhere Sonneneinstrahlung und die damit verbundenen höheren Temperaturen auf den Kahlflächen abgebaut, der Kohlenstoff in den Boden exportiert. Die abgestorbenen Wurzeln wurden durch Mikroorganismen zersetzt und als Humus im Boden gespeichert. Insgesamt in Mengen, wie sie in normalen Jahren nicht vorkommen.
„Wir vermuten inzwischen, dass Bäume in trockenen Jahren eher in die Wurzelmasse als in die Blattmasse investieren, um so besser an das Wasser im Boden zu gelangen“, berichtet Bodenexpertin Wellbrock. Die Entwicklung der Kohlenstoffspeicher Baum und Boden gehen in den Trockenjahren deutlich in entgegengesetzte Richtungen.

 

Wälder sind weltweit eine wichtige Kohlenstoffsenke

Bäume benötigen für ihr Wachstum das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) und binden es durch Photosynthese in Kohlenstoff-Verbindungen im Holz, während Sauerstoff an die Luft abgegeben wird. Über den Streufall von Laub und Nadeln, durch die Zersetzung von Totholz sowie absterbende Wurzeln gelangt der Kohlenstoff zudem in den Boden. Der Bodenkohlenstoff wird also im Wesentlichen durch Waldwachstum gesteuert.

Allerdings spielen auch Standorteigenschaften der Böden und das Klima eine wichtige Rolle bei der Kohlenstoffbindung in Böden. Auch der Klimawandel scheint sich über höhere Durchschnittstemperaturen bemerkbar zu machen. Es wird mehr Kohlenstoff aus organischem Material in Bodenkohlenstoff umgesetzt.

Profil eines Waldbodens mit Streuauflage und Humusschicht © Thünen-Institut/Marius Möller

Derzeit ist beinahe so viel Kohlenstoff in der oberirdischen Biomasse der Wälder wie in deren Böden gespeichert: insgesamt rund 2.200 Millionen Tonnen Kohlenstoff oder 197,4 Tonnen Kohlenstoff je Hektar. In den lebenden Bäumen sind 1.184 Millionen Tonnen Kohlenstoff oder 108 Tonnen Kohlenstoff je Hektar gespeichert, in Streu und Mineralböden bis 30 Zentimeter Tiefe 936 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Als Totholz sind 46,1 Millionen Tonnen Kohlenstoff (4,2 Tonnen Kohlenstoff je Hektar) gebunden. Alle Zahlen basieren auf Daten der Bundeswaldinventur 2022 und der Modellierung der aktuellen Bodenzustandserhebung (BZE II).

Der Prozess schwächt sich ab

Die erneuerte Modellierung zeigt allerdings auch, dass der Boden nicht ungebremst Kohlenstoff aus der toten Biomasse aufnimmt. Der Prozess schwächt sich schon nach wenigen Jahren wieder ab. Gleichzeitig wachsen auf den Schadflächen neue Wälder heran, die wieder vermehrt Kohlenstoff in der Biomasse speichern.

„Die Ergebnisse basieren auf Modellberechnungen. Erst die Auswertung der dritten BZE wird zuverlässige Daten liefern“, betont Nicole Wellbrock. Zwischenergebnisse der BZE II, mit der der Bodenkohlenstoffgehalt in Landwirtschaftsflächen, Waldböden und Mooren erhoben wird, wollen die Forschenden des Thünen-Instituts Ende nächsten Jahres vorlegen. Erste Ergebnisse zeigen schon heute: Trend und Höhe der Kohlenstoffsenke nach der Neumodellierung stimmen überein.

 

Link

Thünen-Institut

Geringe Fortschritte bei Österreichs Renaturierungsplan

Geringe Fortschritte bei Österreichs Renaturierungsplan

Vor mehr als einem Jahr trat das EU-Renaturierungsgesetz in Kraft, der vorsieht, dass die Länder bis September 2026 einen Entwurf des nationalen Naturwiederherstellungsplans (NRP) der EU vorlegen. Österreich hat bei den Arbeiten für seinen Entwurf großen Aufholbedarf, zeigt eine europaweite Bewertung von 24 EU-Staaten durch mehrere Umweltverbände. Österreich landet aufgrund mehrerer Lücken und Defizite nur in der Kategorie der elf Länder mit geringen Fortschritten. Besonders negativ bewertet wird die mangelhafte politische Unterstützung für eine ausreichende Finanzierung.

 

 

Die NRPs sind das wichtigste Instrument für die Umsetzung des Naturwiederherstellungsgesetzes: Jeder Mitgliedstaat muss bis zum 1. September 2026 einen Entwurf des NRP und bis September 2027 eine endgültige Fassung vorlegen, in der die Prioritäten, Maßnahmen, Finanzmittel und Verwaltungsstrukturen für die Wiederherstellung bis 2050 dargelegt sind.

Die Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme zählt zu den dringendsten Aufgaben der kommenden Jahrzehnte. Derzeit befinden sich in Österreich über 80 Prozent der europarechtlich geschützten Arten und Lebensräume in keinem günstigen Erhaltungszustand. Auch ein Großteil der Moore und Auen ist stark beeinträchtigt. Bis 2030 müssen laut Renaturierungsverordnung auf mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen in Europa wirksame Maßnahmen zur Regeneration der Natur umgesetzt werden.

In den meisten untersuchten Kategorien (z.B. Ambition, Öffentlichkeitsbeteiligung, wissenschaftliche Grundlagen) schneidet Österreich schlecht ab. Einzig im Bereich der Flussrevitalisierung gibt es gute Fortschritte und in allen Kategorien ein positives Zwischenzeugnis.

 

„Der Umweltminister und die Bundesländer sollten rasch nachbessern, damit Österreich im nächsten Jahr einen ambitionierten Entwurf abgeben kann. Es geht um eine intakte Natur, um sauberes Wasser und saubere Luft – und damit um die Lebensqualität und Krisensicherheit der gesamten Gesellschaft“, sagt WWF-Experte Joschka Brangs, der die nationale Analyse gemeinsam mit weiteren Fachleuten erstellt hat.

 

Reaktionen der miteinbezogenen Fachleute

„Deutschland hat seit Monaten klare Zeitpläne zur Öffentlichkeitsbeteiligung, Österreich erst seit Dezember ein höchst fragwürdiges Format, das den Standards guter Beteiligung mehrfach widerspricht. Auch Budgetzusagen fehlen weiterhin – trotz milliardenschwerer umweltschädlicher Subventionen“, kritisiert Joschka Brangs vom WWF.

„Wir brauchen klare Zuständigkeiten, volle Transparenz und wirksame Beteiligungsmöglichkeiten für die Öffentlichkeit – und zwar nicht nur bei den Inhalten der Verordnung, sondern insbesondere bei ihrer konkreten Realisierung in Österreich“, betont Umweltjuristin Marlene Schaffer vom ÖKOBÜRO.

„Ausgewählte Interessensgruppen einschließlich einiger Umweltorganisationen hatten zwar die Möglichkeit, sich in manchen Arbeitsgruppen begrenzt einzubringen, doch es fehlt an Personal- und Finanzressourcen des Bundes und der Länder sowie dem politischen Rückhalt, um die Biodiversitätskrise wirksam zu stoppen. Nur echte Ambition wird dazu beitragen, die Natur wiederherzustellen und unsere Lebensqualität langfristig zu sichern“, sagt Christof Kuhn von BirdLife Österreich.

 

„Eine wiederhergestellte Natur erhöht die biologische Vielfalt, unterstützt den Kampf gegen die Klimakrise und ihre Folgen und sichert langfristig unsere Ernährung in Europa.“

Joschka Brangs vom WWF

 

Über die Studie

Für die aktuelle Analyse hat die Restore-Nature-Koalition, ein Zusammenschluss europäischer Umweltverbände, die bisherigen Fortschritte bei den verpflichtenden Wiederherstellungsplänen in 24 EU-Ländern bewertet – auf Basis der rechtlichen Vorgaben der Wiederherstellungsverordnung. Die Studie ist online abrufbar.