Folge 20: Sächsische Schweiz – Sandsteinfelsen, wilde Schluchten und nachhaltiges Wandern

Folge 20: Sächsische Schweiz – Sandsteinfelsen, wilde Schluchten und nachhaltiges Wandern

Sächsische Schweiz

Eine Landschaft wie aus einer anderen Welt

Schroffe Felstürme ragen aus dichten Wäldern, tiefe Schluchten durchziehen die Landschaft und weit unten windet sich die Elbe durch das Tal: Die Sächsische Schweiz gehört zu den außergewöhnlichsten Naturlandschaften Deutschlands.

Im äußersten Osten Sachsens, unmittelbar an der Grenze zu Tschechien, bildet sie gemeinsam mit der Böhmischen Schweiz eine einzigartige Sandsteinlandschaft. Ihr Herzstück ist der Nationalpark Sächsische Schweiz. Hier steht nicht die touristische Erschließung im Mittelpunkt, sondern der Schutz einer Landschaft, die über Millionen Jahre durch Wasser, Wind und Erosion entstanden ist.

Gerade für nachhaltiges Reisen bietet die Region ideale Voraussetzungen: ein dichtes Bahn- und Busnetz, kilometerlange Wanderwege und eine Nationalparkidee, die der Natur wieder mehr Raum geben soll.

 

Anreise & Mobilität – mit der Bahn mitten in die Natur

Einer der großen Vorteile der Sächsischen Schweiz ist ihre gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Von Dresden aus gelangt man mit der S-Bahn in weniger als einer Stunde zu vielen Ausgangspunkten für Wanderungen.

Orte wie Bad Schandau, Königstein, Kurort Rathen oder Stadt Wehlen sind direkt mit der Bahn erreichbar.

Vor Ort lässt sich die Reise mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln fortsetzen:

  • S-Bahn und Regionalzüge entlang des Elbtals
  • Buslinien in die Seitentäler und Wanderregionen
  • historische Kirnitzschtalbahn
  • Fähren über die Elbe
  • zahlreiche Wanderwege direkt ab den Bahnhöfen

Dadurch können Gäste ihren Aufenthalt weitgehend ohne eigenes Auto verbringen. Gerade in einer sensiblen Nationalparkregion ist das ein wesentlicher Vorteil.

 

Aktivitäten – eine Landschaft für Wanderer

Die Sächsische Schweiz gehört zu den bedeutendsten Wanderregionen Deutschlands. Besonders bekannt ist der Malerweg, der auf rund 116 Kilometern durch die spektakuläre Felsenwelt führt.

Seinen Namen verdankt er Künstlern der Romantik, die bereits vor mehr als 200 Jahren in dieser Landschaft ihre Motive fanden.

Zu den bekanntesten Naturerlebnissen zählen:

  • Wanderungen auf dem Malerweg
  • die berühmte Bastei mit Blick über das Elbtal
  • die Schrammsteine mit ihren markanten Felsformationen
  • Wanderungen zum Großen Winterberg
  • die tief eingeschnittenen Schluchten und Gründe des Elbsandsteingebirges

Wer Ruhe sucht, sollte die bekannten Aussichtspunkte früh morgens besuchen und anschließend weniger frequentierte Wege wählen. Gerade abseits der Hauptattraktionen zeigt die Sächsische Schweiz ihre stille Seite.

 

Nationalpark – Natur darf wieder Natur werden

Der Nationalpark Sächsische Schweiz wurde 1990 gegründet und umfasst rund 9.350 Hektar. Gemeinsam mit dem angrenzenden Landschaftsschutzgebiet bildet er einen großflächigen Schutzraum.

Ein zentraler Gedanke lautet: Natürliche Prozesse sollen möglichst ohne menschliche Eingriffe stattfinden.

Abgestorbene Bäume dürfen vielerorts im Wald bleiben. Sie bieten Lebensraum für Pilze, Insekten und zahlreiche andere Organismen. Gleichzeitig entsteht daraus die nächste Waldgeneration.

Gerade angesichts von Klimawandel, Trockenperioden und Schädlingsbefall ist dieser Prozess besonders interessant. Der Wald verändert sich sichtbar – und der Nationalpark ermöglicht es, diese Entwicklung zu beobachten.

 

Klettern – Tradition mit Verantwortung

Die bizarren Sandsteinfelsen haben die Sächsische Schweiz zu einer der traditionsreichsten Kletterregionen Europas gemacht. Das sogenannte sächsische Klettern besitzt eigene Regeln, die bereits früh einen respektvollen Umgang mit dem empfindlichen Sandstein fördern sollten.

Naturschutz spielt dabei eine entscheidende Rolle. Bestimmte Felsen oder Bereiche werden während der Brutzeit geschützter Vogelarten zeitweise gesperrt.

Damit zeigt die Region exemplarisch, wie Natursport funktionieren kann: Die Natur stellt die Bedingungen – nicht der Mensch.

 

Übernachten – regionale Betriebe statt großer Resorts

Auch bei den Unterkünften passt die Struktur gut zum nachhaltigen Charakter der Region. Kleine Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen und traditionelle Gasthöfe prägen das Angebot.

Immer mehr Gastgeber setzen auf:

  • regionale Lebensmittel
  • erneuerbare Energien
  • energieeffiziente Gebäude
  • Unterstützung bei autofreier Anreise
  • Kooperationen mit lokalen Produzenten

Besonders attraktiv sind Unterkünfte in kleineren Orten entlang der Bahnstrecke. Von dort lassen sich Wanderungen häufig direkt beginnen, ohne jeden Morgen mit dem Auto zum Ausgangspunkt fahren zu müssen.

 

Kulinarik – Sachsen trifft Böhmen

Die Grenzlage prägt auch die Küche. Sächsische und böhmische Einflüsse treffen hier seit Jahrhunderten aufeinander.

Typisch für die Region sind herzhafte Gerichte mit Kartoffeln, Pilzen, Wild oder regionalem Gemüse. Kleine Brauereien, Bäckereien und Hofläden ergänzen das gastronomische Angebot.

Zunehmend setzen Restaurants auf saisonale Zutaten und Produkte aus der unmittelbaren Umgebung. Für nachhaltiges Reisen ist das entscheidend: Wer regional isst, unterstützt Landwirtschaft, Handwerk und Arbeitsplätze direkt vor Ort.

 

Nachhaltigkeitsfaktor – Besucher lenken statt Natur erschließen

Die Popularität der Sächsischen Schweiz bringt auch Probleme mit sich. Besonders die Bastei und andere bekannte Aussichtspunkte können an Spitzentagen stark frequentiert sein.

Nachhaltiger Tourismus bedeutet deshalb hier nicht, möglichst viele zusätzliche Gäste anzulocken. Entscheidend ist vielmehr, Besucher räumlich und zeitlich besser zu verteilen.

Dazu gehören:

  • gute öffentliche Verkehrsanbindungen
  • Schutz- und Ruhezonen
  • saisonale Sperrungen sensibler Bereiche
  • Umweltbildung und Nationalparkführungen
  • klare Regeln für Wanderer und Kletterer
  • Förderung weniger bekannter Routen und Orte

Gerade darin liegt eine wichtige Erkenntnis: Eine erfolgreiche Naturdestination muss nicht immer weiter wachsen. Sie muss lernen, ihre wertvollste Ressource zu schützen – die Landschaft selbst.

 

Conclusio – Große Natur braucht Rücksicht

Die Sächsische Schweiz zeigt eindrucksvoll, warum nachhaltiges Reisen mehr bedeutet als eine klimafreundliche Anreise.

Es geht darum, eine Landschaft nicht nur zu besuchen, sondern ihre Grenzen zu respektieren. Auf markierten Wegen zu bleiben, sensible Lebensräume zu schützen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen und regionale Betriebe zu unterstützen.

Wer sich darauf einlässt, erlebt zwischen Sandsteinfelsen, Schluchten und stillen Wäldern eine der außergewöhnlichsten Landschaften Deutschlands.

Und vielleicht liegt genau darin die Zukunft des Reisens: Nicht immer mehr von einem Ort zu verlangen – sondern ihn so zu erleben, dass auch die nächste Generation noch über ihn staunen kann.

 

Mehr Informationen: https://www.saechsische-schweiz.de/

 

Nächste Folge: Nationalpark Hohe Tauern – Gletscher, Wasserfälle und alpine Wildnis im Herzen Österreichs

Europas Erneuerbare verdrängen Gas – verliert der „Brückenenergieträger“ seine Rolle?

Europas Erneuerbare verdrängen Gas – verliert der „Brückenenergieträger“ seine Rolle?

Gas Kraftwerk

Jahrzehntelang galt Erdgas als Brücke in Europas Energiewende: weniger CO₂-intensiv als Kohle, flexibel einsetzbar und ideal, um Schwankungen von Wind- und Solarenergie auszugleichen.

Doch diese Rolle beginnt sich zu verändern.

Der massive Ausbau erneuerbarer Energien sorgt dafür, dass Gaskraftwerke in Europa zunehmend weniger Stunden zur Stromproduktion benötigt werden. 2026 zeichnet sich immer deutlicher eine strukturelle Verschiebung im europäischen Strommarkt ab.

 

Wind und Sonne übernehmen immer größere Teile der Stromversorgung

Bereits 2025 erreichten Wind- und Solarenergie zusammen einen historischen Meilenstein: Erstmals erzeugten sie in der Europäischen Union mehr Strom als alle fossilen Energieträger zusammen.

Wind und Solar kamen gemeinsam auf rund 30 Prozent der EU-Stromerzeugung, fossile Energieträger auf rund 29 Prozent.

Noch deutlicher wird die Entwicklung, wenn alle erneuerbaren Energien berücksichtigt werden: 2025 stammten rund 47 Prozent der gesamten Stromproduktion in der EU aus erneuerbaren Quellen.

Im ersten Quartal 2026 lag ihr Anteil bereits bei 45,5 Prozent – gegenüber 42,7 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

 

Fast 750 Gigawatt Wind und Solar

Hinter der Entwicklung steht ein enormer Ausbau.

Vor rund zwei Jahrzehnten verfügte Europa über weniger als 20 Gigawatt Wind- und Solarleistung. Mittlerweile sind es laut einer aktuellen Reuters-Analyse fast 750 Gigawatt.

Damit verändert sich auch die Aufgabe der europäischen Gaskraftwerke.

Während Gas früher über lange Teile des Jahres kontinuierlich Strom produzierte, decken Wind und Solar heute insbesondere zwischen Frühjahr und Herbst einen immer größeren Teil des Bedarfs.

Die klassische „Gas-Saison“ wird kürzer.

 

Daten & Fakten

47,3 Prozent
der EU-Stromproduktion kamen 2025 aus erneuerbaren Energiequellen.

49,9 Prozent
betrug der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch der EU 2025.

30 Prozent
der EU-Stromerzeugung entfielen 2025 allein auf Wind- und Solarenergie – erstmals mehr als auf alle fossilen Energieträger zusammen.

Fast 750 Gigawatt
Wind- und Solarleistung sind mittlerweile in Europa installiert. Vor rund zwei Jahrzehnten waren es weniger als 20 Gigawatt.

45,5 Prozent
des in der EU erzeugten Stroms kamen im ersten Quartal 2026 aus erneuerbaren Quellen.

90,8 Prozent
des österreichischen Bruttostromverbrauchs wurden 2025 rechnerisch durch erneuerbare Energien gedeckt. Österreich gehörte damit zur europäischen Spitzengruppe.

 

Aber Gas ist noch lange nicht verschwunden

Die Entwicklung bedeutet nicht, dass Europa kurzfristig auf Gaskraftwerke verzichten kann.

Gerade wenn wenig Wind weht und gleichzeitig die Solarproduktion gering ist, braucht das Stromsystem flexibel verfügbare Leistung. Speicher, leistungsfähigere Stromnetze und eine bessere europäische Vernetzung werden deshalb immer wichtiger.

Wie relevant diese Reservefunktion noch ist, zeigt ausgerechnet die aktuelle Hitzewelle: Schwache Windproduktion in Deutschland und hitzebedingte Einschränkungen französischer Atomkraftwerke haben im August zeitweise wieder einen höheren Einsatz fossiler Kraftwerke notwendig gemacht.

Genau darin liegt das Paradox der europäischen Energiewende: Gas wird insgesamt weniger wichtig, kann aber in einzelnen Stunden weiterhin entscheidend sein.

 

Vom Energieträger zum Backup?

Damit könnte sich die Rolle von Erdgas grundsätzlich verändern.

Statt dauerhaft große Mengen Strom zu produzieren, könnten Gaskraftwerke zunehmend zu einer Absicherung für jene Stunden werden, in denen Wind, Sonne, Speicher und Stromimporte nicht ausreichen.

Wie schnell dieser Wandel gelingt, hängt deshalb nicht allein davon ab, wie viele neue Windräder und Solaranlagen Europa errichtet.

Entscheidend werden Stromnetze, Speicher, flexible Verbraucher und zusätzliche gesicherte Leistung sein.

Die eigentliche Frage lautet daher möglicherweise nicht mehr, ob Europa Gas als Brücke braucht – sondern wie lange und wie oft es diese Brücke künftig noch benutzen muss.

Trotz des starken Ausbaus der Erneuerbaren ist der Gasverbrauch in der EU 2025 insgesamt sogar um 2,3 Prozent gestiegen. Das zeigt, dass sich die Entwicklung nicht auf eine einfache Formel reduzieren lässt: Während Wind und Solar Gas zunehmend aus der Stromerzeugung verdrängen, bleibt Erdgas in anderen Bereichen – etwa Industrie, Wärmeversorgung und als flexible Absicherung des Stromsystems – weiterhin bedeutend.

 

Hitze setzt Wildtiere unter Druck

Hitze setzt Wildtiere unter Druck

Hirsch

Hitze und Trockenheit verändern die Lebensbedingungen für Wildtiere in Europa. Wenn Bäche weniger Wasser führen, Tümpel verschwinden und Waldböden austrocknen, wird Wasser für viele Tiere zu einer immer wichtigeren Ressource.

Das betrifft nicht nur Vögel, Igel oder Insekten in unseren Städten und Gärten. Auch in Europas Wäldern, auf Wiesen und in Feuchtgebieten geraten Lebensräume unter Druck.

 

Trockenheit erreicht Europas Wälder

Ein gesunder Wald speichert enorme Mengen Wasser und schafft durch Vegetation und Schatten ein vergleichsweise kühles Mikroklima. Doch anhaltende Trockenheit verändert dieses System.

Sinkt die Bodenfeuchtigkeit, geraten Bäume und andere Pflanzen unter Stress. Kleine Tümpel, wasserführende Gräben und temporäre Wasserstellen können austrocknen. Damit verschwinden Trinkmöglichkeiten und Lebensräume für zahlreiche Arten.

Die Folgen reichen weit über fehlendes Trinkwasser hinaus: Weniger Feuchtigkeit verändert Vegetation und Nahrungsangebot und kann ganze Nahrungsketten beeinflussen. Gleichzeitig steigt bei trockenen Wäldern die Gefahr schwerer Waldbrände.

 

Europa erlebt 2026 erneut ausgeprägte Trockenheit

Nach einem bereits außergewöhnlich trockenen Jahr 2025 setzte sich die problematische Entwicklung in Teilen Europas 2026 fort.

Im Juni waren große Teile West-, Mittel- und Osteuropas trockener als im langjährigen Durchschnitt. Besonders betroffen waren unter anderem Frankreich, Italien, die Schweiz, Deutschland, Polen, Ungarn, Tschechien, die Slowakei und Teile des Balkans.

Auch die Flüsse spiegelten die Trockenheit wider. In weiten Teilen Europas lagen die Abflüsse unter dem Durchschnitt – darunter auch in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn.

Für Wildtiere bedeutet das: Wasserknappheit ist längst nicht nur ein Problem mediterraner Regionen.

 

Daten & Fakten

95 Prozent Europas
verzeichneten 2025 überdurchschnittliche Jahrestemperaturen.

70 Prozent der europäischen Flüsse
führten 2025 im Jahresmittel weniger Wasser als im langjährigen Durchschnitt.

11 von 12 Monaten
lagen die Flussabflüsse in Europa 2025 insgesamt unter dem Durchschnitt.

Mai und Juni 2025
brachten europaweit die niedrigsten Flussabflüsse seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen 1992.

Über 1 Million Hektar
Fläche verbrannten 2025 durch Wald- und Vegetationsbrände in Europa – der höchste Wert der verfügbaren Aufzeichnungen.

Juni 2026
brachte erneut außergewöhnliche Hitze und Trockenheit in weiten Teilen Europas. West- und große Teile Mittel- und Osteuropas waren trockener als üblich.

 

Was Wassermangel für Wildtiere bedeutet

Die Auswirkungen unterscheiden sich von Art zu Art.

Vögel benötigen Wasser zum Trinken und zur Gefiederpflege. Säugetiere müssen bei Hitze häufiger Wasserstellen aufsuchen. Amphibien sind besonders stark von feuchten Lebensräumen und kleinen Gewässern abhängig. Insekten wiederum benötigen sichere, flache Zugänge zu Wasser.

Im Wald kommt ein weiteres Problem hinzu: Gerät die Vegetation durch Trockenheit unter Stress, verändert sich auch das Nahrungsangebot. Früchte, Samen, Pflanzen und Insekten bilden die Grundlage komplexer Nahrungsketten.

Wassermangel wird damit zu einem Problem für das gesamte Ökosystem.

 

Auch kleine Maßnahmen helfen

Die entscheidende Aufgabe besteht darin, natürliche Wasserkreisläufe und Lebensräume zu erhalten: gesunde Wälder, Feuchtgebiete, natürliche Bachläufe, unversiegelte Böden und strukturreiche Landschaften können Wasser speichern und Rückzugsräume schaffen.

Aber auch im eigenen Umfeld lässt sich helfen.

Eine flache Wasserschale im Garten oder auf dem Balkon kann während heißer Perioden eine zusätzliche Wasserquelle für Vögel, Igel und Insekten bieten. Das Wasser sollte täglich gewechselt, die Schale regelmäßig gereinigt und für Insekten mit Steinen oder anderen sicheren Ausstiegsmöglichkeiten versehen werden.

Denn Europas zunehmende Hitze betrifft nicht nur uns Menschen.

Wenn Landschaften austrocknen, wird Wasser auch für Europas Wildtiere zu einer Frage des Überlebens.

Wasserknappheit zwingt Berghütten zu vorzeitigem Saisonabbruch

Wasserknappheit zwingt Berghütten zu vorzeitigem Saisonabbruch

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1389)

Der Klimawandel hat Folgen für das Wasseraufkommen im Alpenraum. Das bekommen auch Touristen zu spüren: Wegen Wassermangels müssen Berghütten immer öfter vorzeitig schließen. Mit Maßnahmen wie etwa eingeschränkten Duschmöglichkeiten, dem verstärkten Einsatz von Trockentoiletten und der Mithilfe der Gäste gelingt es derzeit noch, den Betrieb auf allen Schutzhütten aufrechtzuerhalten. Bleiben Niederschläge jedoch weiterhin aus, müssten einzelne Hütten die Saison frühzeitig beenden.

 

Die anhaltende Trockenheit macht auch vor den Bergen nicht halt. Fehlende Niederschläge, versiegende Quellen und eine heuer wenig ergiebige Schneeschmelze sorgen derzeit besonders auf hochgelegenen Alpenvereinshütten und im Karst für eine angespannte Situation. Davon betroffen sind aktuell unter anderem die Voisthaler-Hütte (Hochschwabgruppe), die Pühringer-Hütte (Totes Gebirge), das Priel-Schutzhaus (Totes Gebirge), die Porze-Hütte (Karnischer Hauptkamm) und das Freschen-Haus (Bregenzerwaldgebirge). Auch kurzzeitige Starkregenereignisse bringen oft nicht die gewünschte Entlastung: Der ausgetrocknete Boden kann das Wasser häufig nicht ausreichend aufnehmen.

„Seit weit über 10 Jahren zeigt sich immer deutlicher, dass viele Hütten, die früher ausreichend Wasser zur Verfügung hatten, heute mit sinkenden Wassermengen konfrontiert sind“, erklärt Georg Unterberger, Leiter der Abteilung Hütten und Wege im Österreichischen Alpenverein. „Das sind unmittelbare Auswirkungen des Klimawandels.“ Die Situation könnte sich nach Einschätzung von Unterberger in den kommenden Jahrzehnten weiter zuspitzen: Der überwiegende Teil der hochgelegenen Alpenvereinshütten dürfte dann verstärkt von Wasserknappheit betroffen sein.

Um den Verbrauch auf seinen Hütten zu senken, erprobt der Deutsche Alpenverein derzeit die Nutzung von Trockentoiletten. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert das entsprechende Projekt in Nationalpark Hohen Tauern in Österreich mit 148.685,00 Euro.

 

Hochalpine Region seit vielen Jahren im Fokus von DBU-Projekten

Im Alpenraum seien Folgen des Klimawandels schon heute deutlich spürbar, erklärt DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Das zeige sich beispielhaft an der Verfügbarkeit von Wasser: „In Zeiten schmelzender Gletscher und abnehmender Schneemengen haben wir im Hochgebirge wiederholt Phasen mit einer früher ungekannten Wasserknappheit“, so Bonde. „Um sie abzufedern und zugleich den alpinen Raum als Ort für Erholung und Naturerlebnis zu bewahren, sind diejenigen, die ihn bewirtschaften, auf modellhafte und finanzierbare Lösungen angewiesen.“ Schon in früheren Projekten habe die DBU Grundlagen für eine nachhaltige Wasserwirtschaft im Hochgebirge geschaffen – etwa mit dem Förderprogramm „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Wasserressourcen auf alpinen Schutzhütten“.

 

Wassermangel zwingt Hütten zu vorzeitigem Saisonabbruch

An Erkenntnisse daraus knüpft das aktuelle Projekt auf der „Neuen Prager Hütte“ in Osttirol an: Deren Wirte mussten in den vergangenen Jahren bereits zwei Mal den Betrieb in der sommerlichen Hochsaison einstellen. Anfang August waren die aus Tau- und Quellwasser gespeisten Wasserspeicher leer. Der mit Abstand größte Wasserverbrauch wurde, wie oft bei Berghütten, durch Spültoiletten verursacht. Sie wurden deshalb zur Sommersaison 2026 auf der Neuen Prager Hütte außer Betrieb genommen und durch Trockentoiletten ersetzt. Das spart der Neuen Prager Hütte täglich rund 1000 Liter Wasser. Die Einsparungen können den Betrieb der Hütte in trockenen Bergsommern um Wochen verlängern.

 

Wie der Österreichische Alpenverein auf Wasserknappheit am Berg reagiert

„Wasser ist die Lebensader einer Schutzhütte. Fehlt die Wasserversorgung, gerät der Betrieb rasch an seine Grenzen“, betont Unterberger. Um die Wasserversorgung sicherzustellen, setzen betroffene Alpenvereinshütten auf verschiedene Einsparungsmaßnahmen. Dazu zählen etwa die zeitweise oder vollständige Sperre von Duschen, die Ausgabe kostenpflichtiger Duschmarken und begrenzte Nutzungszeiten oder notfalls die Sperre von Waschräumen. Darüber hinaus kommen vermehrt Trockentoiletten und wassersparende Armaturen zum Einsatz. Zusätzlich wird die Nutzung vorhandener Quellen optimiert, Wasserspeicher werden ausgebaut und weitere Möglichkeiten zur Nutzung von Regenwasser geprüft.

„Es ist wichtig, die eigentliche Ursache der aktuellen Wasserknappheit klar zu benennen: die Klimakrise. Seit Jahrzehnten weisen wir darauf hin, dass sie den alpinen Raum überproportional stark trifft. Die aktuelle Situation ist daher keine Überraschung, sondern wir bekommen jetzt die Rechnung für eine Entwicklung präsentiert, die lange absehbar war.“

Georg Unterberger

Mit einer Klimastrategie schafft der Österreichische Alpenverein Bewusstsein und verfolgt das Ziel, bis 2033 klimaneutral zu sein.

Trotz der Herausforderungen musste in dieser Saison noch keine Alpenvereinshütte aufgrund von Wassermangel frühzeitig die Saison beenden. Sollte die Trockenheit auch im August andauern, kann derzeit jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Hütten ihren Betrieb vorzeitig einstellen müssen.

Juli 2026: Klimarekorde in Westeuropa und bei Meerestemperaturen

Juli 2026: Klimarekorde in Westeuropa und bei Meerestemperaturen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1388)

Noch nie mussten in Frankreich so viele Menschen aufgrund von Waldbränden ihre Häuser verlassen. Die Zahl der Hitzetoten in Europa erreichte bereits im Juni 10.00o. Weite Teile Europas leiden unter extremer Dürre und den damit verbundenen Folgen. Der Klimabulletin des europäischen Wetterdienstes Copernicus zeigt mit seinen Juli-Daten, was wir hautnah erleben. Die Lufttemperaturen warren so hoch wie noch nie in Westeuropa in der Periode Juni bis Juli und auch die Meeresoberfläche weltweit hat im Juli Rekordwerte erreicht.

Hier die wichtigsten Daten im Überblick:

  • Der Juli 2026 war weltweit der zweitwärmste Juli aller Zeiten, gleichauf mit dem Juli 2024.
  • Westeuropa verzeichnete den wärmsten Juni–Juli-Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen.
  • Die Meeresoberflächentemperatur über den Ozeanen außerhalb der Polarregionen war die höchste, die jemals im Juli gemessen wurde, was zum Teil auf die sich entwickelnden El-Niño-Bedingungen im äquatorialen Pazifik zurückzuführen war.
  • Im Juli 2026 lag die Ausdehnung des arktischen Meereises auf dem sechstniedrigsten Wert für diesen Monat, wobei die Meereisbedeckung in der nördlichen Barentssee rund um Spitzbergen und Franz Josefs Land besonders niedrig war.
  • Die Ausdehnung des antarktischen Meereises lag im Juli auf dem fünftniedrigsten Stand, wobei die Meereisbedeckung in den meisten Ozeanregionen mit Ausnahme der Amundsensee unter dem Durchschnitt lag.

 

Trockenheit und Dürre

Im Juli 2026 herrschten in weiten Teilen Westeuropas sowie in großen Teilen Mittel- und Osteuropas überdurchschnittlich trockene Bedingungen, besonders auf der Iberischen Halbinsel, in Frankreich, Deutschland, Österreich und Ungarn, aber auch England, Wales Irland, die Benelux-Staaten und Island waren betroffen.

Diese trockenen Bedingungen, die sich in einigen Regionen bereits im Frühjahr eingestellt hatten, führten in weiten Teilen Europas zu anhaltenden, stabilen und kritischen Dürrezuständen und trugen laut Angaben der Europäischen Dürrebeobachtungsstelle dazu bei, dass sich diese in Mittel- und Westeuropa bis Mitte Juli weiter verschärften. Im ERA5-Land-Datensatz lagen die durchschnittlichen Bodenfeuchtigkeitswerte in Westeuropa deutlich unter denen vom Juli 2022, dem letzten Sommer, in dem in ganz Westeuropa schwere Dürre herrschte.

Die Flusspegel sanken in weiten Teilen der trockenen Regionen deutlich unter den Durchschnitt oder waren extrem niedrig, was Auswirkungen auf zahlreiche Sektoren hatte.

Europas Flüsse verlieren ihr Wasser

Waldbrände und Ernteausfälle

Diese Bedingungen wirkten sich negativ auf die Landwirtschaft aus  –  vielerorts werden massive Ernteausfälle gemeldet – und begünstigten eine außergewöhnlich hohe Waldbrandaktivität in Westeuropa, angefacht durch reichlich vorhandene, trockene Biomasse nach einem feuchten Winter und einem frühen Frühling, die das Pflanzenwachstum förderten, sowie durch die anschließende Trockenheit im Sommer. In Frankreich zerstörten Brände in der Region Gironde fast 42.000 ha – die größte jemals für Frankreich im Europäischen Waldbrand-Informationssystem des Copernicus-Katastrophenschutzdienstes verzeichnete Fläche.

Auch in Spanien kam es zu zahlreichen Bränden, insbesondere in den zentralen und östlichen Regionen. Nach Angaben des Copernicus-Atmosphärenüberwachungsdienstes lagen die täglichen Emissionen durch Waldbrände in Frankreich am 24. Juli auf einem für diese Jahreszeit rekordverdächtigen Niveau. Ende Juli war die Jahresgesamtmenge bereits die höchste für diese Jahreszeit, während sie für Spanien an zweiter Stelle stand, hinter dem Jahr 2022.

Starkes Gefälle zwischen West und Ost

Die Durchschnittstemperatur über dem europäischen Festland lag im Juli 2026 bei 20,49 °C und damit 0,66 °C über dem Durchschnitt der Jahre 1991–2020, was diesen Juli zum elftwärmsten Juli im ERA5-Datensatz macht.

Die relativ niedrige Platzierung folgte auf den zweitwärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen in Europa und spiegelte einen starken regionalen Kontrast wider: Die deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen in Westeuropa wurden teilweise durch unterdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen Osteuropas und Skandinaviens ausgeglichen.

 

 

Wie bereits im Juni lagen die Temperaturen in Frankreich, Deutschland, Nordostspanien, England, der Schweiz und Westitalien deutlich über dem Durchschnitt, in der Regel um 3–5 °C.
Die Wärme war auf die Hitzewelle zurückzuführen, die die Region in der ersten Julihälfte und erneut gegen Ende des Monats heimsuchte.

Laut nationalen Daten verzeichnete Frankreich den wärmsten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen und Spanien den zweitwärmsten. Vorläufige Statistiken für das Vereinigte Königreich deuten darauf hin, dass der Juli 2026 landesweit der zweitwärmste, in Wales der wärmste und in England der zweitwärmste war.

Die regionalen Unterschiede im Juli hingen mit einem Hochdruckgebiet nordwestlich von Großbritannien und Irland zusammen. Warme Luft aus Nordafrika strömte an dessen Westflanke nach Norden, während kühlere Polarluft an dessen Ostflanke nach Süden strömte. Im Juni lag das Zentrum des Hochdruckgebiets weiter östlich, über Frankreich.

 

Außerhalb Europas waren Teile Nordkanadas, in den zentralen USA, im Maghreb, in Teilen des Horns von Afrika, in Sibirien, in Süd- und Zentralasien, in Teilen des inneren Chinas sowie in Teilen von Argentinien, Uruguay und Bolivien herrschten trockenere Bedingungen als im Durchschnitt.

 

Link

Copernicus Climate Bulletin Juli 2026

USA: Wenn der Wald nach dem Feuer nicht mehr zurückkehrt

USA: Wenn der Wald nach dem Feuer nicht mehr zurückkehrt

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1387)

Warum extreme Waldbrände Landschaften dauerhaft verändern

Waldbrände gehören in vielen Regionen der Erde seit Jahrtausenden zur Natur. Feuer beseitigt abgestorbenes Material, schafft neue Lebensräume und kann sogar Voraussetzung dafür sein, dass sich bestimmte Pflanzenarten vermehren. Doch die Dimension vieler heutiger Waldbrände verändert diese natürliche Dynamik. Immer größere und intensivere Feuer können Wälder so stark zerstören, dass sie sich aus eigener Kraft nicht mehr erholen.

 

Das Problem beginnt nach dem Feuer

Nach einem normalen Waldbrand bleiben häufig ausreichend lebende Bäume und sogenannte Feuerrefugien zurück. Von dort gelangen Samen auf die verbrannten Flächen und ein neuer Wald kann entstehen.

Bei besonders intensiven Bränden sieht das anders aus.

Werden große zusammenhängende Flächen vollständig zerstört, fehlen in ihrem Inneren die Samenbäume. Gleichzeitig müssen junge Bäume heute teilweise unter deutlich schwierigeren Bedingungen wachsen: höhere Temperaturen, längere Trockenperioden und Wassermangel reduzieren ihre Überlebenschancen.

Aus einem vorübergehend verbrannten Wald kann dadurch eine dauerhaft veränderte Landschaft werden.

 

Vom Wald zum Gras- und Buschland

Wissenschaftler beobachten insbesondere im Westen Nordamerikas, dass sich manche stark verbrannten Waldflächen nicht mehr zum ursprünglichen Wald entwickeln. Stattdessen können sich Gräser und Sträucher ausbreiten. Forscher sprechen von einer „forest conversion“ – einer dauerhaften Umwandlung des Ökosystems.

Besonders problematisch ist eine Kombination aus mehreren Faktoren:

  • sehr große und intensive Waldbrände
  • fehlende Samenbäume auf den verbrannten Flächen
  • Hitze und Trockenheit nach dem Feuer
  • erneute Brände in kurzen Abständen
  • Ausbreitung konkurrenzstarker oder invasiver Pflanzenarten

Je häufiger solche Faktoren zusammentreffen, desto schwieriger wird die natürliche Wiederbewaldung.

 

Mehr als 10.000 Untersuchungsflächen zeigen den Trend

Eine groß angelegte Untersuchung der Regeneration von Nadelwäldern im Westen der USA analysierte mehr als 10.000 Flächen nach insgesamt 334 Waldbränden.

Das Ergebnis: Die Fähigkeit der Wälder, sich nach Bränden zu regenerieren, ist bei acht untersuchten dominierenden Nadelbaumarten über die vergangenen Jahrzehnte zurückgegangen. Entscheidend sind dabei sowohl die Intensität des Feuers als auch die klimatischen Bedingungen danach. Besonders schwere Brände reduzieren die verfügbaren Samen. Gleichzeitig erschweren wärmere und trockenere Bedingungen das Anwachsen neuer Bäume.

 

Aufforstung wird zur Zukunftsfrage

Damit verändert sich auch die Aufgabe der Forstwirtschaft.

Es reicht künftig möglicherweise nicht mehr, nach einem Waldbrand einfach jene Baumarten zu pflanzen, die zuvor dort gewachsen sind. Neue Wälder müssen mit einem Klima zurechtkommen, das während ihrer Lebenszeit deutlich wärmer und teilweise trockener sein dürfte.

Gefragt sind deshalb widerstandsfähigere Mischwälder, eine gezielte Auswahl geeigneter Baumarten und Herkunftsgebiete sowie ein Waldmanagement, das die Intensität zukünftiger Brände reduziert.

Denn ein heute gepflanzter Baum soll nicht nur unter den Bedingungen von 2026 überleben – sondern möglichst auch noch 2070 oder 2100.

 

Feuer ist nicht gleich Feuer

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob es in unseren Wäldern brennt. Feuer war und ist Bestandteil vieler natürlicher Ökosysteme. Entscheidend ist, wie groß, wie intensiv und wie häufig es brennt – und welche Bedingungen der Wald danach vorfindet.

Der Waldbrand selbst dauert vielleicht einige Tage oder Wochen. Seine ökologischen Folgen können dagegen Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte sichtbar bleiben.

Conclusio

Die zunehmende Gefahr extremer Waldbrände stellt uns vor eine neue Herausforderung: Nicht jeder Wald, der heute verbrennt, wird automatisch wieder zum Wald.

Waldschutz bedeutet deshalb längst nicht mehr nur, Brände zu verhindern oder zu löschen. Es geht zunehmend darum, Wälder so widerstandsfähig zu gestalten, dass sie Feuer überstehen, sich danach regenerieren können – und auch unter den klimatischen Bedingungen der kommenden Jahrzehnte noch eine Zukunft haben.

Sonnenfinsternis: Europas Stromnetze im Stresstest

Sonnenfinsternis: Europas Stromnetze im Stresstest

sonnenfinsternis

Eine Sonnenfinsternis ist ein beeindruckendes Naturschauspiel. Für Europas Stromnetzbetreiber ist sie inzwischen aber auch ein außergewöhnlicher Belastungstest.

Denn mit dem massiven Ausbau der Photovoltaik hängt ein immer größerer Teil der europäischen Stromproduktion unmittelbar von der Sonneneinstrahlung ab. Wird die Sonne während einer Finsternis teilweise verdeckt, sinkt die Solarstromproduktion innerhalb kurzer Zeit – und steigt anschließend ebenso schnell wieder an.

 

Milliarden Watt verschwinden innerhalb weniger Minuten

Während einer Sonnenfinsternis kann die Photovoltaikleistung in den besonders betroffenen Regionen Europas deutlich zurückgehen. Europaweit können dabei mehrere Gigawatt Solarleistung innerhalb kurzer Zeit aus dem Stromsystem verschwinden.

Zum Vergleich: Ein Gigawatt entspricht einer Milliarde Watt.

Die Herausforderung ist dabei weniger die insgesamt fehlende Energiemenge als die Geschwindigkeit der Veränderung.

Das Stromnetz muss jederzeit im Gleichgewicht bleiben. Produktion und Verbrauch müssen praktisch sekundengenau zusammenpassen.

 

Speicher werden immer wichtiger

Genau hier zeigt sich, warum Batteriespeicher für ein Stromsystem mit hohen Anteilen erneuerbarer Energie zunehmend wichtig werden.

Fällt die Solarproduktion plötzlich ab, können Speicher innerhalb kürzester Zeit Energie ins Netz liefern. Kehrt die Sonne zurück und steigt die Produktion wieder stark an, können sie überschüssige Energie aufnehmen.

Zusätzlich helfen Wasserkraft, flexible Kraftwerke, steuerbare Verbraucher und der grenzüberschreitende Stromhandel dabei, Schwankungen auszugleichen.

Europa verfügt dabei über einen entscheidenden Vorteil: Die nationalen Stromnetze sind zu einem großen Verbundnetz zusammengeschlossen. Energie kann dadurch über Ländergrenzen hinweg ausgeglichen werden.

 

Der Solarboom verändert das Stromsystem

Vor einigen Jahrzehnten hatte eine Sonnenfinsternis für die Stromversorgung praktisch keine Bedeutung.

Heute ist das anders.

Photovoltaik gehört inzwischen zu den wichtigsten Quellen für neue Stromerzeugung in Europa. Damit werden Wetter, Wolken – und selbst astronomische Ereignisse – zu Faktoren, die Netzbetreiber berücksichtigen müssen.

Gleichzeitig sind Sonnenfinsternisse perfekt vorhersehbar. Netzbetreiber wissen lange im Voraus, wann die Solarleistung sinken wird und können entsprechende Reserven einplanen.

 

Daten & Fakten

1 Gigawatt = 1 Milliarde Watt

Innerhalb weniger Minuten kann sich die Solarproduktion während einer Sonnenfinsternis erheblich verändern.

Batteriespeicher können innerhalb von Sekunden auf Schwankungen im Stromnetz reagieren.

Europäisches Verbundnetz: Strom kann zwischen Ländern ausgetauscht werden, um regionale Schwankungen auszugleichen.

 

Conclusio

Die Sonnenfinsternis zeigt exemplarisch, wie sehr sich unser Energiesystem verändert hat.

Je größer der Anteil von Wind- und Solarenergie wird, desto wichtiger werden Speicher, intelligente Netze und flexible Verbraucher.

Die Energiewende bedeutet deshalb nicht nur, immer mehr erneuerbaren Strom zu produzieren.

Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diesen Strom genau dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht wird.

Wenn der 40-Tonner elektrisch wird: Wie Schachinger Logistik den Schwerverkehr umbaut

Wenn der 40-Tonner elektrisch wird: Wie Schachinger Logistik den Schwerverkehr umbaut

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Der Straßengüterverkehr gehört zu den schwierigsten Bereichen der Energiewende. Während Elektroautos längst auf Europas Straßen angekommen sind, werden schwere Lkw noch überwiegend mit Diesel betrieben. Hohe Fahrleistungen, große Energiemengen und eine entsprechend leistungsfähige Ladeinfrastruktur machen die Umstellung anspruchsvoll.

Dass die Elektrifizierung dennoch zunehmend im realen Logistikbetrieb ankommt, zeigt ein österreichisches Beispiel: Schachinger Logistik treibt die Umstellung seines Fuhrparks auf Elektro-Lkw deutlich voran.

Seit Anfang 2026 werden keine neuen Lkw mit Verbrennungsmotor mehr angeschafft.

Damit hat das Unternehmen seinen ursprünglichen Zeitplan erheblich beschleunigt.

 

15 Elektro-Lkw bis Ende des Geschäftsjahres

Die bestehenden Dieselfahrzeuge verschwinden nicht auf einen Schlag. Sie werden schrittweise aus dem Fuhrpark genommen und durch elektrische Fahrzeuge ersetzt.

Bis Ende des Geschäftsjahres 2025/26 sollen bereits 15 Elektro-Lkw im Einsatz sein.

Langfristig geht es um wesentlich mehr: Bis 2040 soll die gesamte Fahrzeugflotte dekarbonisiert werden.

Damit verändert sich jedoch nicht nur der Fuhrpark. Denn wer schwere Lkw elektrifiziert, benötigt gleichzeitig große Mengen Strom, leistungsfähige Ladepunkte und eine entsprechende Energieinfrastruktur.

 

Ein 60-MWh-Speicher für Hörsching

Besonders interessant ist deshalb die Entwicklung am Unternehmensstandort Hörsching in Oberösterreich.

Dort entsteht ein großer Batteriespeicher mit einer Kapazität von rund 60 Megawattstunden und einer Anschlussleistung von 30 Megawatt.

Der Speicher soll erneuerbare Energie verfügbar machen, wenn sie benötigt wird, und unter anderem die Elektrifizierung der Lkw-Flotte unterstützen.

Das zeigt, wie stark sich Logistik in den kommenden Jahren verändern könnte.

Elektro-Lkw, Photovoltaik, Batteriespeicher, Ladeinfrastruktur und intelligentes Energiemanagement wachsen zu einem gemeinsamen System zusammen.

Schachinger erwartet, damit künftig einen Energieautarkiegrad von rund 95 Prozent erreichen zu können.

 

Aus dem Logistikzentrum wird ein Energiezentrum

Gerade Logistikstandorte bieten interessante Voraussetzungen für dieses Modell.

Große Hallendächer können für Photovoltaik genutzt werden. Gleichzeitig kehren viele Fahrzeuge regelmäßig zu ihren Standorten zurück und können dort kontrolliert geladen werden.

Ein großer Batteriespeicher kann zusätzlich Energie aufnehmen, Lastspitzen reduzieren und Strom dann bereitstellen, wenn die Fahrzeuge ihn benötigen.

Damit verändert sich die Rolle eines Logistikzentrums grundlegend.

Es ist nicht mehr nur Umschlagplatz für Waren, sondern wird zunehmend auch zum Produzenten, Speicher und Verteiler von Energie.

 

Warum Elektro-Lkw ein wichtiger Hebel sind

Schwere Nutzfahrzeuge legen enorme Strecken zurück und benötigen entsprechend viel Energie. Deshalb kann die Umstellung eines einzelnen Lkw auf einen emissionsfreien Antrieb wesentlich stärker ins Gewicht fallen als bei einem durchschnittlichen Pkw.

Vor allem im regionalen Verkehr und auf regelmäßig gefahrenen Strecken bietet die Elektrifizierung Vorteile: Unternehmen kennen ihre Routen, Standzeiten und Energieanforderungen genau und können ihre Ladeinfrastruktur entsprechend planen.

Genau deshalb könnten große Logistikunternehmen zu wichtigen Treibern der Elektromobilität werden.

 

Die Herausforderung bleibt die Infrastruktur

Die Technologie allein wird den Wandel allerdings nicht entscheiden.

Eine große Flotte elektrischer Lkw benötigt enorme Ladeleistungen. Dafür müssen Betriebsgelände, Netzanschlüsse und Energiesysteme entsprechend ausgebaut werden.

Für den internationalen Fernverkehr kommt eine weitere Herausforderung hinzu: Entlang der europäischen Hauptverkehrsrouten muss ein leistungsfähiges Netz an Lkw-Ladestationen entstehen.

Auch die höheren Anschaffungskosten elektrischer Schwerfahrzeuge bleiben für viele Unternehmen ein wesentlicher Faktor.

Die entscheidende Frage lautet daher zunehmend nicht mehr, ob schwere Lkw elektrisch fahren können.

Die Frage ist, wie schnell Energieversorgung und Ladeinfrastruktur mit der Entwicklung der Fahrzeuge Schritt halten können.

 

Daten & Fakten

2026
Seit Anfang des Jahres schafft Schachinger keine neuen Lkw mit Verbrennungsmotor mehr an.

15 E-Lkw
sollen bis Ende des Geschäftsjahres 2025/26 im Einsatz sein.

2040
soll die gesamte Fahrzeugflotte dekarbonisiert sein.

60 MWh
Kapazität soll der Batteriespeicher am Standort Hörsching erreichen.

30 MW
beträgt die geplante Anschlussleistung.

Rund 95 %
Energieautarkie will Schachinger künftig erreichen.

 

Conclusio

Das Beispiel Schachinger zeigt, dass die Elektrifizierung des Schwerverkehrs längst nicht mehr nur eine Frage neuer Lkw ist.

Der eigentliche Wandel findet im gesamten Energiesystem dahinter statt.

Unternehmen produzieren eigenen erneuerbaren Strom, speichern Energie, bauen leistungsfähige Ladeinfrastruktur auf und steuern den Energiebedarf ihrer Fahrzeugflotten.

Der Logistikstandort der Zukunft könnte damit gleichzeitig Warenlager, Kraftwerk, Stromspeicher und Tankstelle sein.

Und genau diese Verbindung könnte zu einem entscheidenden Baustein für einen emissionsärmeren europäischen Güterverkehr werden.

 

Bild: Schachinger/Knauf – Foto: Caio Kauffmann

Was sich mit der neuen EU-Verpackungsverordnung ändert

Was sich mit der neuen EU-Verpackungsverordnung ändert

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1386)

Am 12. August 2026 ist es so weit: Die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) geht schrittweise in die Umsetzung. Die PPWR ist ein zentraler Baustein des European Green Deal und des EU-Aktionsplans für die Kreislaufwirtschaft. Sie zielt darauf ab, den wachsenden Verpackungsabfall in der EU zu reduzieren. Damit werden für Unternehmen erstmals einheitliche und verbindliche Anforderungen an Verpackungen über alle Mitgliedsstatten der EU hinweg definiert und ersetzt schrittweise bisherige nationale Regelungen. 

Die Verordnung ist am 11. Februar 2025 in Kraft getreten und wird nach einer 18-monatigen Übergangsfrist ab dem 12. August 2026 verbindlich angewendet.

 

Warum wird die neue EU-Verpackungsverordnung eingeführt?

Verpackungen haben wichtige Funktionen: sie schützen das Lebensmittel, erleichtern den Transport, bieten Platz für Information und vieles mehr. Gleichzeitig belasten sie die Umwelt: Laut der Europäischen Kommission befinden sich 40 Prozent der in der EU verwendeten Kunststoffe in Verpackungen und die Hälfte des Meeresmülls stammt aus Verpackungsmaterial.

Durchschnittlich produziert jeder Europäer jährlich fast 180 Kilogramm Verpackungsabfall, Tendenz steigend. Ohne Gegenmaßnahmen würde der Anteil bis 2030 um weitere 19 Prozent zunehmen, bei Kunststoffverpackungen sogar um 46 Prozent.

Hier setzt die neue EU-Verpackungsverordnung an. Sie soll die Kreislaufwirtschaft stärken und dazu beitragen, dass Verpackungen umweltverträglicher werden – durch weniger Abfälle, mehr Wiederverwendung und Recycling.

Ziele der neuen PPWR

  • Vermeidung von Verpackungsabfällen
  • die Reduktion des Verbrauchs von Primärrohstoffen
  • Verpackungen recyclingfähiger zu gestalten
  • die Steigerung des Einsatzes von Rezyklaten
  • die europaweite Stärkung der Kreislaufwirtschaft

 

Wen betrifft die PPWR?

Die PPWR betrifft ALLE Wirtschaftsakteure in der Verpackungslieferkette:

  • Erzeuger (Hersteller von Verpackungen und verpackten Produkten)
  • Markeninhaber und Abfüller
  • Lieferanten (Zulieferer von Verpackungsmaterialien)
  • Importeure aus Drittstaaten (bringen Verpackungen aus Nicht-EU-Ländern auf den EU-Markt)
  • Vertreiber (Groß- und Einzelhandel)
  • Onlinehandel und Fulfillment-Dienstleister
  • Gastronomie und Außer-Haus-Verkauf

 

Welche Verpackungen sind betroffen?

Die Verordnung unterscheidet nicht nach Produkt sondern nach Verpackungsart. Sie gilt für ALLE Verpackungen unabhängig vom Material — Kunststoff, Karton, Wellpappe, Glas, Metall, Holz — und unabhängig von der Branche. B2B-Verpackungen, Transportverpackungen, E-Commerce-Verpackungen und Verkaufsverpackungen fallen gleichermaßen unter die Regelungen.

  • Primärproduktionsverpackungen – für unverarbeitete Produkte direkt aus der Erzeugung (meist aus der Landwirtschaft)
  • Verkaufsverpackungen – zusammen mit dem Produkt direkt an Kunden verkauft
  • Umverpackungen – die mehrere einzelne Verkaufsprodukte zusammenhalten
  • Transport und Versandverpackungen – die Produkte beim Transport schützen
  • Serviceverpackungen – die direkt beim Verkauf im Geschäft oder Gastronomiebetrieb mit Produkten befüllt (inklusive Verpackungen zum Mitnehmen „Take Away“)
  • Mehrwegverpackungen – die wiederverwendbar sind
  • Industrie und Exportverpackungen

 

Die sechs Kernpflichten der PPWR

Die neue Verordnung umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Verpackung von der Gestaltung über die Materialwahl, Erzeugung, Kennzeichnung, Wiederverwendung bis hin zur gesamten Organisation der Entsorgung. Die folgenden Pflichten kommen auf alle Wirtschaftsakteure zu:

1) Reduktion besorgniserregender Stoffe ab August 2026

  • Summengrenzwert für Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber und sechswertigem Chrom) darf 100 mg/kg nicht überschreiten​
  • Grenzwerte für PFAS (per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) in Verpackungen mit Lebensmittelkontakt

2) Anforderungen für die Recyclingfähigkeit ab 2030 bzw. 2035

Die Verordnung definiert diesbezüglich zwei Ebenen:

  • Design for Recycling: Die Gestaltung der Verpackung soll eine hochwertige stoffliche Verwertung möglich machen
  • Recycling at Scale: Die Verpackung soll in ausreichendem Umfang gesammelt, sortiert und recycelt werden

Verpackungen sollen bis 2030 uneingeschränkt recyclingfähig werden. Um das zu erreichen, werden unter anderem Kriterien für die Gestaltung von Verpackungen vorgeschrieben und verbindliche Pfandsysteme für Kunststoffflaschen und Aluminiumdosen eingeführt.

3) Mindestrezyklatanteile in Verpackungen (ab 2030/2040)

  • Ab 2030 werden verbindliche Mindestanteile an Post Consumer Rezyklat (aus der Verwertung von Verbraucher-Kunststoffabfällen gewonnenes Material) eingeführt. Die konkreten Quoten hängen von der jeweiligen Verpackungskategorie ab und steigen bis 2040 weiter an.
  • Ab 2030:
    • 30% Rezyklatanteil bei kontaktempfindlichen Verpackungen mit PET und Einweggetränkeflaschen  enthalten
    • 10%  bei kontaktempfindlichen Verpackungen anderer Kunststoffe und
    • 35%​ bei sonstigen Kunststoffverpackungen
  • Ab 2040 steigen die Mindestprozentsätze auf bis zu 65% an.

4) Kompostierbare Verpackungen

  • Ab 2028 müssen bestimmte Verpackungen und Aufkleber kompostierbar sein​
  • Mitgliedstaaten können vorschreiben, dass bestimmte Verpackungen nur kompostierbar bereitgestellt werden dürfen, wenn geeignete Abfallsysteme vorhanden sind

5) Minimierung von Verpackungen

  • Ab 2030 müssen Gewicht und Volumen auf das notwendige Mindestmaß  reduziert werden​.
  • Daher sollen unnötige Verpackungen, wie zum Beispiel Einwegverpackungen für Lebensmittel und Getränke, die in Restaurants und Cafés verzehrt werden, Einwegverpackungen für Obst und Gemüse, kleine Tüten für Zucker oder Ketchup in Restaurants oder Miniatur-Shampooflaschen und andere Miniaturverpackungen in Hotels verboten werden.
  • Für den elektronischen Versandhandel gilt eine Obergrenze von max. 50% Leerraum.

6) Wiederverwendbare Verpackungen

  • Verpackungen müssen so konzipiert sein, dass sie mehrfach verwendet oder wiederbefüllt werden können und Teil eines funktionierenden Wiederverwendungssystems sind.
  • Ab 2030 müssen  10 % der Umverpackungen und 40 % der Transport- und Verkaufsverpackungen wiederverwendbar sein.
  • Bis 2040 soll dieser Anteil auf 50 % ALLER Verpackungen erhöht werden.

 

Hinzukommen Kennzeichnungspflichten ab 2028 und die sogenannte „Erweiterte Herstellerverantwortung“ (EPR). Diese bedeutet, dass Unternehmen verpflichtet sind, sich an der Sammlung, Sortierung und Verwertung ihrer Verpackungen zu beteiligen und beinhaltet unter anderem:

  • die Registrierung in nationalen Verpackungsregistern
  • die regelmäßige Berichterstattung über in Verkehr gebrachte Verpackungsmengen.
  • Lieferanten müssen Konformitätserklärungen und technische Dokumentationen liefern

 

Extreme Trockenheit führt zu Ernteausfällen und Notschlachtungen

Extreme Trockenheit führt zu Ernteausfällen und Notschlachtungen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1385)

Längere Trockenperioden und steigende Temperaturen  infolge des Klimawandels stellen die Landwirtschaft vor neue Herausforderungen. Das erste Halbjahr 2026 war das zweittrockenste seit Beginn der Messungen. Vielfach muss mit großen Ernteeinbußen gerechnet werden. Auch Viehbauern haben aufgrund verdörrter Weide- und Mähflächen mit großen Herausforderungen zu kämpfen. Wer sich den Zukauf von Futter nicht leisten kann, muss sein Vieh entweder verkaufen oder notschlachten. Forschende der BOKU Universität Wien zeigen im Projekt COMMUNITYadapt mögliche Wege zu einer klimaresilienten Landwirtschaft auf.

 

Der fehlende Niederschlag in der ersten Jahreshälfte 2026 sowie steigende Temperaturen und eine höhere Verdunstung verrschärfen die Auswirkungen zusätzlich. Hält diese Entwicklung an, könnte 2026 als neues Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen.

Besonders dramatisch ist die Situation im Grünland. In zahlreichen Regionen drohen Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent. Viele Betriebe müssen bereits jetzt ihre Winterfutterreserven verfüttern und stehen vor der Frage, wie sie ihre Tiere über den kommenden Winter versorgen können. Gleichzeitig erschwert die großflächige Dürre den Zukauf von Futter erheblich. In manchen Regionen musste bereits mit dem Almabtrieb begonnen werden, weil die Almregionen durch die Trockenheit zu wenig Futter bieten.

Auch Silomais entwickelt sich auf trockenen Standorten nur unzureichend; geringere Getreideerträge schmälern zudem die Verfügbarkeit von Futtergetreide und Stroh. Viele Betriebe greifen deshalb bereits im Sommer auf Vorräte zurück, die für Herbst und Winter vorgesehen waren. Der Zukauf wird zugleich schwieriger, weil große Teile Österreichs und Deutschlands von der Trockenheit betroffen sind. Können fehlende Futtermengen nicht ersetzt werden, stehen für betroffene Familienbetriebe weitreichende Entscheidungen an. Die Versorgung der Tiere über den kommenden Winter wird damit zu einer zentralen betrieblichen Aufgabe.

„Oft werden wir mit der Erzählung konfrontiert, dass Klimaschutz schlecht für die Wirtschaft sei, doch was Expert:innen seit Jahren sagen, wird jetzt sichtbar: Die größte Bedrohung für die Wirtschaft ist die Klimakrise“, erklärt Hannah Keller von GLOBAL 2000. „Wetterextreme wie wir sie im Moment sehen sind für viele Landwirt:innen existenzbedrohend und werden mit jedem Zehntel Grad globalem Temperaturanstieg häufiger.“

 

Extreme Trockenheit nimmt stark zu

„Extreme Trockenheit wird künftig häufiger auftreten und die Landwirtschaft langfristig prägen“, sagt Christine Altenbuchner vom Institut für Entwicklungsforschung der BOKU. Sie leitet das Forschungsprojekt COMMUNITYadapt gemeinsam mit Praxispartner*innen sowie der University of California, Davis, und dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Schweiz.

Die Forschenden analysieren, welche Anpassungsmaßnahmen sich unter unterschiedlichen klimatischen Bedingungen bewähren und wie deren Umsetzung unterstützt werden kann. Ein Blick in die Schweiz zeigt, wie erfolgreiche Klimaanpassung gelingen kann: Im Kanton Graubünden werden innovative Betriebe gezielt vernetzt, finanziell unterstützt und als Vorbilder für andere sichtbar gemacht. Das COMMUNITYadapt-Projekt zeigt, dass Österreich über vergleichbare Voraussetzungen verfügt und dieses Potenzial wesentlich stärker nutzen könnte.

 

Klimaanpassung ist eine Investition in unsere Ernährungssicherheit

Die Ergebnisse des Projekts machen deutlich, dass in Österreich bereits umfangreiches Wissen und zahlreiche praxiserprobte Lösungsansätze vorhanden sind.

Dazu zählen unter anderem

  • Agroforstsysteme,
  • Humusaufbau,
  • bodenschonende Bewirtschaftung sowie
  • Photovoltaik auf landwirtschaftlichen Flächen.

Auch die Erhebungen unter landwirtschaftlichen Betrieben zeigen eine hohe Bereitschaft, sich mit Klimaanpassung auseinanderzusetzen:

  • Mehr als 75 Prozent der Landwirt*innen sind an möglichen Maßnahmen zur Klimaanpassung interessiert.
  • 20 Prozent der Bio-Betriebe wirtschaften bereits ganzheitlich klimaverträglich.
  • 93 Prozent der Bio-Betriebe setzen Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität um.

 

„Viele Betriebe bringen bereits große Innovationskraft und wertvolle Erfahrungen mit. Unsere Ergebnisse zeigen, dass zahlreiche Anpassungsmaßnahmen bekannt und grundsätzlich umsetzbar sind. Was fehlt, sind langfristige Programme und verlässliche finanzielle Rahmenbedingungen. Klimaanpassung ist keine Belastung, sondern eine Investition in unsere Ernährungssicherheit, unsere Böden und unsere Zukunft“, so Altenbuchner.

 

Dauerhafte Veränderung der Rahmenbedingungen

Nach Einschätzung der Forschenden verändern steigende Temperaturen, längere Trockenperioden und häufigere Extremereignisse die Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft dauerhaft. Klimaanpassung gewinnt daher für die langfristige Sicherung landwirtschaftlicher Produktion zunehmend an Bedeutung.

 

Über COMMUNITYadapt

Das Forschungsprojekt COMMUNITYadapt untersucht, wie sich landwirtschaftliche Betriebe in Österreich, der Schweiz und Kalifornien an den Klimawandel anpassen können. Ziel ist es, wissenschaftlich fundierte Handlungsempfehlungen für eine klimaresiliente und zukunftsfähige Landwirtschaft zu entwickeln.