Klimaschutz hat ein Kommunikationsproblem

Klimaschutz hat ein Kommunikationsproblem

Klima Stadt

Kaum ein gesellschaftliches Thema wird derzeit so emotional und kontrovers diskutiert wie Klimapolitik. Für viele Menschen stehen dabei Verzicht, Verbote, höhere Kosten oder politische Konflikte im Vordergrund. Genau das hat dem Thema in vielen Ländern ein negatives Image gegeben.

Dabei wird oft übersehen, dass zahlreiche Maßnahmen gegen den Klimawandel unmittelbare Vorteile bringen können – unabhängig von langfristigen Klimazielen. Saubere Luft, leisere Städte, geringere Energiekosten oder lebenswertere öffentliche Räume sind keine abstrakten Zukunftsvisionen, sondern konkrete Verbesserungen im Alltag.

Vielleicht liegt genau hier eines der größten Probleme der Debatte: Klimaschutz wird häufig als Belastung kommuniziert, obwohl viele Maßnahmen die Lebensqualität direkt erhöhen könnten.

 

Warum die Debatte oft scheitert

Viele politische Diskussionen konzentrieren sich auf Einschränkungen: weniger Autofahren, höhere CO₂-Preise, strengere Regeln oder neue Steuern. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, Klimaschutz bedeute vor allem Verzicht.

Gleichzeitig werden positive Effekte oft kaum sichtbar gemacht:

  • bessere Luftqualität
  • weniger Lärm
  • geringere Abhängigkeit von Energieimporten
  • kühlere Städte im Sommer
  • modernere Infrastruktur
  • iedrigere Betriebskosten durch Effizienz

Dabei zeigen viele internationale Beispiele, dass genau diese Faktoren breite Akzeptanz schaffen können. Städte mit mehr Grünflächen, besserem öffentlichen Verkehr oder weniger Verkehrslärm gelten oft gleichzeitig als lebenswerter und wirtschaftlich attraktiver.

 

Lebensqualität statt Verzicht

Die eigentliche Herausforderung könnte daher weniger technologisch als kommunikativ sein. Menschen reagieren deutlich stärker auf konkrete Verbesserungen im Alltag als auf abstrakte Langfristziele für 2040 oder 2050.

 

Ein gutes Beispiel ist Luftqualität:
Der Ausstieg aus fossilen Energien reduziert nicht nur CO₂, sondern oft auch Feinstaub und Stickoxide. Das wirkt sich direkt auf Gesundheit und Lebensqualität aus.

Auch Begriffe wie „Energieunabhängigkeit“, „saubere Städte“ oder „geringere laufende Kosten“ erreichen viele Menschen oft stärker als rein moralische Klimadebatten.

Die Frage lautet deshalb zunehmend: Wie kann Nachhaltigkeit als Fortschritt sichtbar werden – und nicht nur als Einschränkung?

 

Daten und Fakten

  • Luftverschmutzung verursacht laut WHO weltweit Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr
  • Städte mit mehr Grünflächen können Hitzeinseln deutlich reduzieren
  • Energieeffiziente Gebäude senken langfristig Betriebskosten und Energieverbrauch
  • Öffentliche Verkehrssysteme reduzieren Lärm, Emissionen und Flächenverbrauch
  • Viele europäische Städte investieren massiv in lebenswertere und klimaresiliente Infrastruktur

 

Klimaschutz wird langfristig kaum erfolgreich sein, wenn er ausschließlich über Verzicht kommuniziert wird. Entscheidend könnte sein, sichtbare Verbesserungen stärker in den Mittelpunkt zu stellen: sauberere Luft, ruhigere Städte, moderne Infrastruktur und höhere Lebensqualität. Denn genau dort wird Nachhaltigkeit für Menschen konkret erfahrbar.

 

Das Bild wurde mit KI erstellt.

Wien schmiedet Klima-Allianz mit Unternehmen

Wien schmiedet Klima-Allianz mit Unternehmen

Feld(26)

Die Klimaziele von Städten werden oft als politische Aufgabe betrachtet. Doch ohne Wirtschaft, Infrastruktur und große Arbeitgeber sind sie kaum erreichbar. Genau hier setzt Wiens neue „Klima-Allianz“ an: Insgesamt 17 Unternehmen verpflichten sich gemeinsam mit der Stadt, aktiv an der Transformation zur klimaneutralen Metropole mitzuwirken.

Mit dabei sind unter anderem die Brauerei Ottakringer, die Wiener Stadtwerke und die Supermarktkette Billa. Die Initiative zeigt, dass Klimapolitik zunehmend zu einer strategischen Wirtschaftsfrage wird – nicht nur zu einer ökologischen.

 

Vom Einzelprojekt zur Systemveränderung

Viele Unternehmen setzen bereits einzelne Nachhaltigkeitsmaßnahmen um: energieeffiziente Gebäude, E-Mobilität, Photovoltaik oder emissionsärmere Lieferketten. Die Herausforderung liegt jedoch zunehmend darin, diese Maßnahmen systemisch zu vernetzen.

Die Klima-Allianz soll genau diesen Schritt ermöglichen. Stadt und Unternehmen wollen künftig enger zusammenarbeiten – etwa bei Energieversorgung, Mobilität, Kreislaufwirtschaft oder CO₂-Reduktion.

Gerade Städte spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie verursachen weltweit den Großteil der Emissionen, sind aber gleichzeitig Zentren für Innovation, Infrastruktur und Investitionen.

 

Klimaneutralität wird zum Wirtschaftsstandort

Längst geht es nicht mehr nur um Umweltpolitik. Internationale Investoren, EU-Regulierungen und steigende Energiekosten verändern die Anforderungen an Unternehmen massiv. Nachhaltigkeit entwickelt sich zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor.

Für Städte wie Wien bedeutet das:
Wer klimafreundliche Infrastruktur schneller aufbaut, könnte künftig wirtschaftliche Vorteile haben – von moderner Energieversorgung bis zu resilienteren Lieferketten.

Die Klima-Allianz zeigt damit auch einen größeren Trend: Klimaneutralität wird immer stärker zur gemeinsamen Aufgabe von Politik, Industrie und urbaner Infrastruktur.

 

Daten und Fakten

– Wien will bis 2040 klimaneutral werden
– Städte verursachen weltweit rund 70 Prozent der energiebedingten CO₂-Emissionen
– Insgesamt 17 Unternehmen beteiligen sich an der neuen Wiener Klima-Allianz
– Unternehmen stehen zunehmend unter Druck durch EU-Klimaregeln, ESG-Vorgaben und steigende Energiekosten
– Investitionen in klimafreundliche Infrastruktur gelten als zentraler Zukunftsmarkt der kommenden Jahrzehnte

 

Die eigentliche Bedeutung solcher Allianzen liegt nicht in einzelnen Maßnahmen. Entscheidend ist, ob daraus langfristig neue urbane Systeme entstehen – von Energie über Mobilität bis zur Versorgung. Genau dort entscheidet sich, wie klimaneutrale Städte künftig funktionieren können.

Folge 16: Bayerischer Wald – Nationalpark, Waldwildnis und nachhaltige Regionalentwicklung

Folge 16: Bayerischer Wald – Nationalpark, Waldwildnis und nachhaltige Regionalentwicklung

Bayrischer Wald

Eine Region, die aus dem Wald ihre Zukunft entwickelt

Der Bayerische Wald gehört zu den ursprünglichsten Landschaften Mitteleuropas. Dichte Wälder, moosbedeckte Bachläufe, Hochmoore und abgelegene Bergdörfer prägen eine Region, die lange als strukturschwach galt – und gerade daraus eine Stärke entwickelt hat.

Mit dem Nationalpark Bayerischer Wald, dem ältesten Nationalpark Deutschlands, entstand hier bereits früh ein neuer Ansatz: Natur nicht kontrollieren, sondern zulassen. Heute gilt die Region als Vorbild dafür, wie Naturschutz, nachhaltiger Tourismus und regionale Entwicklung zusammenwirken können.

Der Bayerische Wald lebt nicht von spektakulärer Inszenierung. Seine Stärke liegt in Ruhe, Weite und Authentizität.

 

Anreise & Mobilität – Naturregion mit Bahnanschluss

Trotz der ländlichen Lage ist der Bayerische Wald gut erreichbar. Wichtige Bahnhöfe sind Plattling, Zwiesel oder Grafenau.

Besonders bemerkenswert ist das Mobilitätskonzept innerhalb der Region:

  • das sogenannte GUTi-Ticket ermöglicht Gästen kostenlose Nutzung vieler Bus- und Bahnlinien
  • der Igelbus verbindet Wandergebiete, Nationalparkzentren und Ausgangspunkte autofrei
  • zahlreiche Rad- und Wanderwege sind direkt an öffentliche Verkehrsmittel angebunden

Die Region zeigt, dass nachhaltige Mobilität auch in ländlichen Gebieten funktionieren kann – wenn sie konsequent organisiert wird.

 

Übernachten – klein strukturiert und naturverbunden

Der Bayerische Wald setzt überwiegend auf familiengeführte Hotels, Pensionen und Naturunterkünfte statt auf große Hotelanlagen.

Viele Betriebe investieren gezielt in:

  • energieeffiziente Sanierungen
  • Holz aus regionaler Forstwirtschaft
  • Biomasseheizungen und Solarenergie
  • regionale Lebensmittel und kurze Lieferketten

Zunehmend entstehen auch moderne Natur-Lodges und nachhaltige Chalets, die bewusst auf reduzierte Architektur und naturnahe Konzepte setzen.

 

Aktivitäten – Wildnis erleben statt konsumieren

Im Bayerischen Wald steht das Naturerlebnis im Mittelpunkt. Besonders prägend ist die Philosophie des Nationalparks: „Natur Natur sein lassen.“

Beliebte Aktivitäten sind:

  • Wanderungen durch wilde Waldgebiete und entlang alter Urwaldpfade
  • Touren auf den Großer Arber oder den Lusen
  • Besuche im Tierfreigelände des Nationalparks mit Luchs, Wolf und Bär
  • Radfahren auf stillen Waldwegen und ehemaligen Bahntrassen
  • Langlaufen und Schneeschuhwandern im Winter

Besonders eindrucksvoll ist der Wandel der Wälder. Dort, wo früher abgestorbene Bäume als „Katastrophe“ galten, entsteht heute neue Wildnis – widerstandsfähiger und ökologisch wertvoller.

 

Kulinarik – bodenständig und regional

Die Küche des Bayerischen Waldes ist einfach, ehrlich und stark mit der Region verbunden.

Typisch sind:

  • Wildgerichte aus nachhaltiger Jagd
  • Forellen aus klaren Gebirgsbächen
  • Brot, Käse und Wurstwaren aus kleinen Familienbetrieben
  • Kräuterprodukte, Pilze und regionale Biere

Viele Gastronomiebetriebe setzen zunehmend auf Bio-Produkte und arbeiten eng mit lokalen Produzenten zusammen.

 

Nachhaltigkeitsfaktor – vom Problemraum zur Modellregion

Der Bayerische Wald zeigt exemplarisch, wie nachhaltige Entwicklung in ländlichen Regionen funktionieren kann.

Wichtige Bausteine sind:

  • konsequenter Naturschutz durch den Nationalpark
  • Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe
  • nachhaltige Tourismusstrategien statt Massentourismus
  • Umweltbildung über Besucherzentren, Rangerprogramme und Schulen
  • Schutz von Mooren, Wasserläufen und alten Waldflächen

Der Nationalpark selbst ist dabei nicht nur Schutzgebiet, sondern wirtschaftlicher Motor für die gesamte Region.

 

Die Kraft der Wildnis

Der Bayerische Wald ist keine Region der großen Inszenierungen. Seine Wirkung entsteht langsam – durch Stille, Wälder und das Gefühl, wieder näher an natürlichen Rhythmen zu sein.

Gerade darin liegt seine Stärke. Der Bayerische Wald zeigt, dass nachhaltiger Tourismus nicht spektakulär sein muss, um erfolgreich zu sein. Manchmal reicht eine Landschaft, die sich selbst entwickeln darf – und Menschen, die verstanden haben, dass genau darin Zukunft liegt.

 

Mehr Informationen: https://www.ferienregion-nationalpark.de/

 

Nächste Folge: Tiroler Lechtal – einer der letzten Wildflüsse Europas und nachhaltiger Bergtourismus abseits des Massentrends.

Künstliche Photosynthese – wie künstliche Blätter Energie neu denken könnten

Künstliche Photosynthese – wie künstliche Blätter Energie neu denken könnten

Künstliche Photosynthese

Seit Jahrzehnten versucht die Forschung, einen der effizientesten Prozesse der Natur technisch nachzubauen: die Photosynthese. Pflanzen erzeugen aus Sonnenlicht, Wasser und CO₂ Energie – emissionsfrei und nahezu ohne Abfall. Genau dieses Prinzip wollen Wissenschaftler nun künstlich reproduzieren. Die Idee dahinter könnte langfristig nicht weniger bedeuten als eine neue Form der Energiegewinnung.

Während klassische Solaranlagen Strom erzeugen, arbeiten viele Forschungsgruppen inzwischen an sogenannten „künstlichen Blättern“, die Sonnenenergie direkt in speicherbare Energieträger umwandeln sollen – etwa Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe.

 

Wenn Sonnenlicht zu Treibstoff wird

Künstliche Photosynthese kombiniert Elemente aus Chemie, Materialwissenschaft und Energietechnik. Ziel ist es, Systeme zu entwickeln, die ähnlich wie Pflanzen arbeiten: Sie nutzen Sonnenlicht, um chemische Reaktionen auszulösen und Energie langfristig speicherbar zu machen.

Besonders im Fokus steht dabei grüner Wasserstoff. Forscher arbeiten an Materialien und Katalysatoren, die Wasser mithilfe von Sonnenenergie direkt aufspalten können. Dadurch könnte Energie nicht nur produziert, sondern auch transportiert und gespeichert werden – eines der größten Probleme erneuerbarer Systeme.

Der Unterschied zu klassischen Solaranlagen liegt im Ansatz: Nicht Strom steht im Mittelpunkt, sondern die direkte Umwandlung von Sonnenenergie in chemische Energie.

 

Forschung zwischen Labor und Industrie

Noch befindet sich die Technologie überwiegend im Forschungsstadium. Viele Systeme arbeiten bislang nur unter Laborbedingungen stabil oder erreichen noch keine wirtschaftlich relevanten Wirkungsgrade. Dennoch investieren Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen weltweit massiv in diesen Bereich.

Der Grund ist strategisch: Sollte künstliche Photosynthese skalierbar werden, könnten Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung künftig nicht nur Strom exportieren, sondern klimaneutrale Energieträger produzieren. Damit würde sich die globale Energiewirtschaft fundamental verändern.

Auch Europa investiert zunehmend in entsprechende Programme – vor allem im Zusammenhang mit Wasserstoffstrategien und der Suche nach langfristigen Energiespeichern.

 

Daten und Fakten

  • Die Sonne liefert der Erde pro Stunde mehr Energie, als die Menschheit in einem ganzen Jahr verbraucht
  • Natürliche Photosynthese erreicht meist nur einen Wirkungsgrad von etwa 1–2 Prozent
  • Moderne experimentelle Systeme künstlicher Photosynthese erreichen im Labor teils bereits Wirkungsgrade von über 10 Prozent
  • Die Europäische Union plant Investitionen von hunderten Milliarden Euro in Wasserstoff- und Energietechnologien bis 2030
  • Grüner Wasserstoff gilt als Schlüsseltechnologie für Industrie, Stahlproduktion, Luftfahrt und Langzeitspeicher
  • Der globale Wasserstoffmarkt könnte laut internationalen Prognosen bis 2050 ein Volumen von mehreren Billionen Dollar erreichen

 

Noch ist künstliche Photosynthese keine marktreife Lösung. Doch wie bei Solarenergie vor Jahrzehnten könnte aus heutiger Grundlagenforschung langfristig eine Schlüsseltechnologie entstehen. Die eigentliche Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob künstliche Photosynthese technisch möglich ist – sondern wie schnell sie wirtschaftlich skalierbar wird.

 

Der österreichische Chemiker Erwin Reisner forscht an der University of Cambridge seit mehr als einem Jahrzehnt an sogenannten „künstlichen Blättern“. Ziel des Projekts ist es, den natürlichen Prozess der Photosynthese technisch nachzuahmen: Mithilfe von Sonnenlicht, Wasser und CO₂ sollen klimaneutrale Energieträger und synthetische Kraftstoffe erzeugt werden. Dabei orientiert sich die Technologie direkt am Vorbild echter Pflanzen – allerdings mit dem Ziel, speicherbare Energie statt Biomasse zu produzieren.

Überblick zum Forschungsprojekt:
Professor Erwin Reisner – Cambridge Chemistry Department

Weltbienentag: Ohne Artenvielfalt keine Lebensmittelvielfalt

Weltbienentag: Ohne Artenvielfalt keine Lebensmittelvielfalt

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1332)

Der Weltbienentag am 20. Mai macht auf die enorme Bedeutung von Wild- und Honigbienen aufmerksam. Die Vereinten Nationen haben diesen Tag ins Leben gerufen, um auf die Bedeutung von Bienen und anderen Bestäubern für Biodiversität, Landwirtschaft und Ernährungssicherung aufmerksam zu machen. Das Datum erinnert an den slowenischen Imker Anton Janša, der am 20. Mai 1734 geboren wurde und als Pionier der modernen Imkerei gilt.

 

Allein in Deutschland kommen etwa 600 unterschiedliche Wildbienenarten vor, in Europa rund 2.000, weltweit ca. 20.000 Arten. Sie gehören zur Insektenordnung der Hautflügler (Hymenoptera). Die meisten Arten leben solitär, nur wenige Wildbienen – wie die Hummeln – bilden soziale Gemeinschaften.

Wild- und Honigbienen bestäuben mit Käfern, Fliegen und weiteren Insekten eine Vielzahl von Wild- und Kulturpflanzen. Diese Bestäubungsleistung wird für Deutschland mit 2 Milliarden Euro und in Österreich auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag pro Jahr beziffert.

Unbezahlbar ist aber die Vielfalt auf unserem Speisezettel: Nüsse, Obst und Gemüse – ohne Bienen müssten wir auf vieles verzichten! Dies gilt auch für die Bestäubung der Nahrungspflanzen vieler Wildtiere – Bienen tragen durch ihre Bestäubungsleitung zur Biodiversität bei.

Etwa 75 % der wichtigsten Kulturpflanzenarten sind auf die Bestäubung durch Insekten angewiesen. Rund ein Drittel der globalen landwirtschaftlichen Produktion hängt direkt oder indirekt von ihrer Bestäubung ab. Allein eine Honigbiene besucht auf einem Flug oft Hunderte Blüten.

Doch Bienen und andere Insekten haben es zunehmend schwer. Monotone Landschaften, Pestizide, Krankheiten und der Klimawandel setzen ihnen zu. Deshalb ist jeder blühende Garten, Balkon oder Straßenrand wichtig.

Anders als Honigbienen, die als Nutztiere von Imkerinnen und Imkern betreut und geschützt werden, sind Wildbienen auf sich allein gestellt. Viele Arten sind hierzulande gefährdet und stehen unter massivem Druck durch die Versiegelung unserer Natur. Damit sinkt auch die landwirtschaftlich nutzbare Fläche. Verbleibende Acker und Felder werden intensiver genutzt und kleinere Flächen zusammengelegt, um sie effizienter bewirtschaften zu können. Dadurch können auch bewachsene Randstreifen, sogenannte Feldraine, verloren gehen – und mit ihnen wertvolle Rückzugsorte für Bienen und viele andere Insekten. Unsere Blühflächen gehen also zurück – ein Faktor, der erheblich zum Bienensterben beiträgt.

 

Schon kleine Maßnahmen helfen:

– heimische, ungefüllte Blühpflanzen wählen,

– auf chemische Spritzmittel verzichten,

– durchgehende Blühangebote vom Frühjahr bis in den Herbst schaffen,

– Wiesen, Hecken, Ackerränder und Kleinstrukturen als Lebensräume erhalten,

– wilde Ecken im Garten stehen lassen und

– regionalen Honig kaufen und damit die heimische Imkerei unterstützen.

Der Weltbienentag hebt die Bedeutung dieser kleinen Lebewesen hervor – ihre Wirkung für Natur, Artenvielfalt und unsere Ernährung ist riesig.

foodwatch-Labortest: 30 Rückstände verbotener Pestizide in Reis, Gewürzen und Tee nachgewiesen

foodwatch-Labortest: 30 Rückstände verbotener Pestizide in Reis, Gewürzen und Tee nachgewiesen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1331)

Viele Lebensmittel im Supermarkt sind mit Pestiziden verunreinigt, die in der EU nicht mehr zugelassen sind. Das zeigt ein internationaler foodwatch-Labortest von Reis, Gewürzen und Tee.Insgesamt wurden 64 Produkte aus Österreich, Deutschland, Frankreich und den Niederlanden untersucht. Zweidrittel aller Produkte im Test (43 von insgesamt 64) waren mit in Europa verbotenen Ackergiften belastet – darunter Eigenmarken von Rewe, Aldi, Edeka und Lidl sowie Produkte von Teekanne, Twinings, Meßmer und den Gewürzherstellern Fuchs/Ostmann und Kotanyi. 

 

Zahlreiche der gefundenen Pestizidwirkstoffe sind in Europa verboten, landen aber über importierte Lebensmittel wieder bei uns im Supermarkt – als sogenannter „Pestizid-Bumerang“. Die Europäische Kommission hätte die Rückstandshöchstmengen für solche verbotenen Stoffe längst auf das niedrigstmögliche Niveau senken können. Ein unter anderem von foodwatch in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten zeigt, dass die Kommission dazu bereits nach geltendem EU-Recht befugt wäre.

Die EU-Kommission plant zwar aktuell, die Regeln für Importlebensmittel zu überarbeiten. Doch zum einen reichen die Vorschläge bei Weitem nicht aus. Zum anderen lehnt Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer die EU-Pläne bisher ab. foodwatch forderte den deutschen Minister auf, seine Blockadehaltung aufzugeben und sich in Brüssel für eine Null-Toleranz-Regelung einzusetzen: Lebensmittel mit Rückständen von verbotenen Pestiziden dürfen nicht in die EU importiert werden.

 

foodwatch fordert Rückruf von belasteten Produkten in D und Ö

In Deutschland hat foodwatch 19 Produkte unter die Lupe genommen, 13 waren mit Pestiziden belastet – und zwar alle mit Mitteln, die in Europa nicht mehr zugelassen sind. Drei Produkte überschritten sogar den gesetzlichen Grenzwert: Fuchs Kreuzkümmel, Kania Kreuzkümmel und dem REWE Chili Mix. foodwatch fordert, dass diese Produkte umgehend zurückgerufen werden.

Überblick aller getesteten Produkte ©️foodwatch Deutschland

 

Für Österreich fällt das Ergebnis besorgniserregend aus: In 10 der getesteten Produkte fanden sich insgesamt 30 Rückstandsnachweise von verbotenen Pestiziden. Vier Produkte wiesen Pestizidrückstände oberhalb der gesetzlich festgelegten Grenzwerte auf. Die Konsument:innenschutzorganisation forderte die zuständige Behörde auf, diese vier Produkte umgehend aus dem Verkehr zu ziehen.

Überblick aller getesteten Produkte ©️foodwatch Österreich

„Viele Pestizide sind in der EU aus gutem Grund nicht zugelassen: Sie stehen teils mit schweren gesundheitlichen Erkrankungen in Verbindung. Gleichzeitig schaden sie unseren Böden, unserem Wasser sowie der Tier- und Pflanzenwelt. Dass Rückstände solcher Stoffe trotzdem in Lebensmitteln auftauchen und somit auf unseren Tellern landen, ist nicht hinnehmbar.“

Markus Linkeseder, foodwatch Österreich

 

Dem foodwatch-Test nach besonders belastet sind: Paprikapulver, Chili, Kreuzkümmel und grüner Tee. Hier enthielten ausnahmslose alle Proben Rückstände von nicht zugelassenen Pestiziden.

 

Die Ergebnisse im Detail: 

Kreuzkümmel: 217-mal so hoch belastet wie erlaubt

  • Im Fuchs Kreuzkümmel wurden sechs Pestizide nachgewiesen – davon vier in der EU nicht zugelassene. Ein Stoff, das Herbizid Flamprop, lag dabei deutlich über dem Grenzwert. Dieser liegt bei 0,01 mg/kg. Nachgewiesen wurden jedoch 1,65 mg/kg – also das 165-fache.
  • Auch im Kania Kreuzkümmel (Lidl Eigenmarke) wurden zwei in der EU nicht zugelassene Pestizide gefunden, davon eines über dem Höchstgehalt – ebenfalls Flamprop. Hier wurden sogar 2,17mg/kg gefunden. Das Produkt war also 217-mal höher belastet als erlaubt.
  • Ostmann Kreuzkümmel: 3 Pestizide, davon 2 nicht zugelassen

 

Pestizid-Cocktail in Paprikapulver

Besonders alarmierend: die Paprikaprodukte. Der foodwatch-Test zeigt: Wer Paprikapulver verwendet, nimmt dabei ein breites Spektrum an Chemikalien zu sich – auch wenn die Mengen sehr gering sind:

  • Ostmann Paprika rosenscharf (gehört zur Fuchs Gruppe): 13 Pestizide, davon 3 nicht zugelassen in der EU.
  • Le Gusto Paprika edelsüß (Aldi Eigenmarke): 12 Pestizide, davon 4 nicht zugelassen.
  • Kania Paprika edelsüß (Lidl Eigenmarke): 8 Pestizide, davon 5 nicht zugelassen
  • Ja! Paprika (REWE) edelsüß: 8 Pestizide, davon 5 nicht zugelassen

In Österreich wurden in

  • Kotányi Paprika Edelsüß Spezial: 7 Rückstände nicht zugelassener Pestizide
  • S-Budget Paprika Edelsüß sechs Rückstände nicht zugelassener Pestizide
  • Le Gusto Paprika edelsüß gemahlen fünf Rückstände nicht zugelassener Pestizide nachgewiesen.

 

Rewe Chili-Mix mit den meisten Pestiziden

  • REWE Chili Mix: 22 Pestizide, davon 7 nicht zugelassen,1 Mittel (Chlorfenapyr) über dem Grenzwert
  • Ostmann Chili Flocken: 8 Pestizide, davon 3 nicht zugelassen

 

Auch Tee mit problematischen Rückständen

  • Teekanne Feinster Grüner Tee: 2 nicht zugelassene Pestizide
  • Meßmer Grüner Tee: ebenfalls 2 nicht zugelassene Pestizide

In Österreich zeigen sich folgende bedenkliche Ergebnisse: In allen getesteten Grüntees – darunter Produkte von SPAR, Twinings und Westminster – wurden jeweils mindestens zwei nicht zugelassene Pestizidrückstände nachgewiesen.

Positiv: Der Magen-Darm-Kindertee von Mivolis, der „Westminster“-Schwarztee (Aldi Eigenmarke) sowie Lord Nelson Schwarzer Earl Grey (Lidl Eigenmarke) waren frei von Pestizidrückständen.

 

Reis ebenfalls mit Rückständen

  • ja! Basmati Reis (REWE): 3 Pestizide, davon 2 nicht zugelassen
  • EDEKA Herzstücke Langkornreis: 1 nicht zugelassenes Pestizid

Positiv: In Dr. Oetker Milchreis, Oryza Ideal Reis und Ben’s Original wurden keine Rückstände nachgewiesen.

 

Brisant: Einige Hersteller und Handelsketten hatten im Vorfeld der Tests auf Anfrage von foodwatch angegeben, durch umfassende Kontrollen gesundheitsgefährdende Pestizidbelastungen ausschließen zu können. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass bei einigen Herstellern und Händlern diese Kontrollen offensichtlich nicht ausreichen.

 

foodwatch warnt vor EU-Omnibus-Paket

Statt den Schutz von Konsument:innen zu stärken, droht mit dem geplanten EU-Omnibus-Paket zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit jedoch eine weitere Aufweichung bestehender Schutzstandards. Das würde den Umgang mit gefährlichen Pestiziden erleichtern und die Belastung durch Rückstände in unseren Lebensmitteln weiter verschärfen. Mit einer Petition, die sich an die Abgeordneten des Europäischen Parlaments richtet, ruft foodwatch Konsument:innen dazu auf, gegen eine Aufweichung der Lebensmittelsicherheit durch das Omnibus-Paket aktiv zu werden und damit den Gesetzesbeschluss zu verhindern.

Link

foodwatch-Report mit allen Ergebnissen

Greenpeace-Report: Halb Europa hat keinen Zugang zu öffentlichen Verkehrverbindungen

Greenpeace-Report: Halb Europa hat keinen Zugang zu öffentlichen Verkehrverbindungen

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1330)

Fehlende Bus- und Bahnverbindungen schneiden 56 Prozent der europäischen Bevölkerung vom Nahverkehr ab. Das zeigt die neue Studie “Access Denied” (“Zugang verweigert”) des Öko-Instituts im Auftrag von Greenpeace Mittel- und Osteuropa. Das liegt vor allem an fehlenden Angeboten, zu teuren Preisen und fehlender Barrierefreiheit. Bei den Ergebnissen wird deutlich, wie unterschiedlich Mobilitätsarmut erlebt wird. Frauen und Senioren etwa meiden öffentliche Verkehrsmittel viel häufiger, weil sie sich darin unsicher fühlen oder deren Nutzung für sie körperlich zu anstrengend ist.

 

Innerhalb der untersuchten Länder geben bis zu 56 Prozent der Menschen an, Busse, Bahnen oder andere öffentliche Verkehrsmittel nicht zu nutzen, weil sie in ihrem Wohnumfeld nicht verfügbar sind. Besonders betroffen von Mobilitätsarmut sind unter anderem Menschen mit geringem Einkommen, ältere Menschen und Frauen.

 

Deutschland mit deutlichster Verschlechterung bei erzwungenem Autobesitz

Die fehlenden Alternativen zwingen bis zu 19 Prozent der europäischen Bevölkerung zum Besitz eines Autos, obwohl ein PKW für sie eine zu hohe finanzielle Belastung darstellt. Der Anteil dieser Betroffenen, die bei alltäglichen Ausgaben wie Lebensmitteln oder Heizen sparen müssen, um mobil zu bleiben, ist in Deutschland zwischen 2018 und 2024 mit zwei Prozent am stärksten gestiegen. In der Mehrzahl der 30 untersuchten europäischen Länder sank der Anteil im Betrachtungszeitraum.

„Mobilitätsarmut entsteht dort, wo Verkehrsmittel nicht verfügbar, nicht bezahlbar, nicht zugänglich oder im Alltag nicht ausreichend nutzbar sind. Für eine sozial ausgewogene und klimafreundliche Verkehrspolitik ist es deshalb entscheidend, die Ursachen und betroffenen Gruppen genau zu betrachten.“

Nelly Unger, Projektleiterin am Öko-Institut

 

In Deutschland sagen mehr Menschen als in jedem anderen der untersuchten Länder, dass der hohe Preis sie von der Nutzung des ÖPNV abhält. Mit knapp sechs Prozent liegt der Wert in Deutschland fast dreimal so hoch wie im europäischen Durchschnitt.

 

Frauen und Senioren meiden ÖPNV aus Sicherheitsbedenken häufiger

Nahezu die Hälfte der Menschen in Deutschland (48 Prozent) nutzen nie Bus und Bahn. Lediglich elf Prozent nutzen ihn täglich. Beide Werte liegen deutlich unter anderen europäischen Ländern. Ein maßgeblicher Grund dafür ist die schlechte Anbindung vor allem ländlicher Regionen.

 

Österreichs ländlicher Raum besonders betroffen

In Österreich zeigen sich die Mängel besonders im ländlichen Raum. Greenpeace fordert einen massiven Ausbau der öffentlichen Verkehrsangebote in ganz Österreich.

Das Stadt-Land-Gefälle im öffentlichen Nahverkehr zeigt sich in Österreich besonders deutlich. Fast 28 Prozent bemängeln am Land zu seltene Verbindungen, unpassende Fahrpläne oder schlichtweg fehlende öffentliche Optionen. In Städten sind es hingegen nur 1,5 Prozent der Bevölkerung. Zudem sind zu lange ÖPNV-Fahrtzeiten im ländlichen Raum deutlich öfter ein Grund für die Abhängigkeit vom eigenen Auto als im europäischen Vergleich. Das führt dazu, dass immer mehr einkommensarme Haushalte an anderen lebensnotwendigen Dingen sparen, um sich ein Auto leisten zu können. 2024 betraf das bereits drei Prozent der Österreicher:innen. Das sind mehr als alle Einwohner:innen von Linz und Klagenfurt zusammen.

 

Ursachen von Mobilitätsarmut sind vielfältig

Mobilitätsarmut beschreibt eine Situation, in der Einzelpersonen oder Haushalte nicht das Maß an Mobilität erreichen können, das für gesellschaftliche Teilhabe notwendig ist. Dazu gehört der Zugang zu Arbeitsplätzen, Bildung, Gesundheitsversorgung, Einkaufsmöglichkeiten, sozialen Kontakten und weiteren grundlegenden Dienstleistungen.

Die Studie untersucht Mobilitätsarmut anhand von elf Indikatoren für bis zu 33 europäische Länder, darunter alle EU-Mitgliedstaaten. Im Mittelpunkt stehen vier Dimensionen:

  • die Verfügbarkeit von Verkehrsangeboten,
  • die Zugänglichkeit wichtiger Dienstleistungen,
  • die Bezahlbarkeit von Mobilität sowie
  • die Angemessenheit und Nutzbarkeit von Mobilitätsoptionen.

Neben fehlender Verfügbarkeit spielen auch Kosten eine Rolle. In einzelnen europäischen Ländern nutzen bis zu sechs Prozent der Bevölkerung öffentliche Verkehrsmittel nicht, weil sie zu teuer sind. Bis zu 15 Prozent nutzen sie zwar, empfinden die Kosten jedoch als starke finanzielle Belastung.

Wenn Millionen Menschen in Europa abgehängt sind von Bus und Bahn, dann zeigt das ein systematisches Versagen der Verkehrspolitik. Wie teuer die Abhängigkeit von einem Verbrenner-Pkw ist, erleben Menschen derzeit schmerzhaft mit der Tankquittung. Ein gut ausgebauter, bezahlbarer öffentlicher Verkehr macht den Alltag für viele günstiger, sichert gesellschaftliche Teilhabe und stärkt die Akzeptanz von Klimaschutzmaßnahmen. Wenn die Bundesregierung jetzt über Entlastungen diskutiert, gehören Bus und Bahn ins Zentrum der Überlegungen.

Marissa Reiserer, Greenpeace-Mobilitätsexpertin   

 

Öffentlichen Verkehr attraktiver und zugänglicher machen

Die Studie leitet mehrere Ansatzpunkte ab, um Mobilitätsarmut zu verringern. Dazu gehören bessere regionale Anbindungen, dichtere Taktung, bedarfsgerechte Fahrpläne, barrierefreie Infrastruktur sowie mehr Sicherheit an Haltestellen und in Fahrzeugen, etwa durch Beleuchtung, Notrufsysteme oder klare Meldewege bei Vorfällen.

Auch gezielte finanzielle Entlastungen können dazu beitragen, Mobilität zugänglicher zu machen. Die Studie nennt unter anderem Sozialtickets, bezahlbare Abo-Optionen oder kostenfreie Angebote als mögliche Instrumente, insbesondere für vulnerable Gruppen.

„Europa braucht Verkehrssysteme, die soziale Teilhabe ermöglichen und zugleich klimafreundlich sind“, betont Dr. Viktoria Noka, Expertin für die soziale Energie- und Mobilitätswende am Öko-Institut. „Dafür muss der öffentliche Verkehr attraktiver werden – etwa durch bezahlbare Tarife, bessere regionale Planung, mehr Sicherheit und Barrierefreiheit.“

 

Link

Vollständiger Report „Acces denied: Transport Poverty in Europe“ (englisch)

Nein — der Weltklimarat hat den Klimawandel nicht „abgesagt“.

Nein — der Weltklimarat hat den Klimawandel nicht „abgesagt“.

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(681)

Nein — der Weltklimarat hat den Klimawandel nicht „abgesagt“.

Nein — die Klimaforschung hat nicht zugegeben, dass alles erfunden war.
Und nein — aus der Neubewertung einzelner Extrem-Szenarien folgt nicht, dass menschengemachte Erwärmung plötzlich nicht existiert.

Der Hintergrund der aktuellen Debatte ist deutlich nüchterner:
Für die nächste Generation der Klimamodelle (CMIP7) werden einige frühere Hoch-Emissionsszenarien wie RCP8.5 bzw. SSP5-8.5 heute als weniger plausibel eingestuft als noch vor 10 bis 15 Jahren.

 

Warum?
Weil sich reale Entwicklungen verändert haben:
Erneuerbare Energien wurden massiv günstiger, Technologien effizienter, der globale Kohleverbrauch entwickelte sich schwächer als angenommen und viele Staaten haben zumindest teilweise Emissionen reduziert.

Das bedeutet nicht:
„Die Warnungen waren falsch.“

Im Gegenteil:
Dass Extrem-Szenarien heute unwahrscheinlicher erscheinen, liegt auch daran, dass technologische Entwicklung und politische Maßnahmen Wirkung zeigen.

Wer daraus nun ableitet:
„Dann war der Klimawandel ein Schwindel“,
macht denselben Fehler wie jene, die jahrelang jedes Worst-Case-Szenario als sichere Zukunft dargestellt haben.


Daten und Fakten

Die globale Durchschnittstemperatur ist seit Beginn der Industrialisierung bereits um rund 1,3–1,5°C gestiegen.
Hitzewellen, Dürren, Starkregen und Extremwetterereignisse nehmen weltweit messbar zu.

Die aktuellen realistischen Erwärmungspfade liegen heute eher im Bereich von etwa 2 bis 3°C bis 2100 — nicht automatisch bei 4 bis 5°C wie in manchen älteren Extrem-Szenarien.

Aber auch 2–3°C sind wirtschaftlich, ökologisch und geopolitisch keine triviale Entwicklung:
Steigende Anpassungskosten, Wasserstress, Ernteprobleme, Versicherungsschäden und Instabilität in besonders betroffenen Regionen bleiben reale Risiken.

Die eigentliche Lehre aus der aktuellen Debatte lautet deshalb nicht:
„Alles war gelogen.“

Sondern:
Wissenschaft entwickelt Modelle weiter.
Szenarien werden laufend an reale Entwicklungen angepasst.
Und eine seriöse Diskussion braucht weder hysterischen Alarmismus noch ideologische Realitätsverweigerung.

Wer heute behauptet, Klimawandel existiere überhaupt nicht, ignoriert nicht nur wissenschaftliche Daten, sondern auch die messbare Entwicklung der letzten Jahrzehnte.

 

Sustainable Economy Summit: Warum die Wirtschaft der Zukunft neu gedacht werden muss

Sustainable Economy Summit: Warum die Wirtschaft der Zukunft neu gedacht werden muss

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1328)

Vor wenigen Wochen trafen sich in Berlin Unternehmen, Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zum Sustainable Economy Summit. Im Mittelpunkt stand eine Frage, die zunehmend zur strategischen Kernfrage für Europa wird: Wie kann Wirtschaft innerhalb planetarer Grenzen funktionieren, ohne Wettbewerbsfähigkeit und Stabilität zu verlieren?

 

Zu den prominentesten Stimmen gehörte Maja Göpel. Die Politökonomin und Nachhaltigkeitsforscherin gilt seit Jahren als eine der wichtigsten europäischen Stimmen für eine sozial-ökologische Transformation der Wirtschaft. Beim Summit machte sie deutlich, dass Nachhaltigkeit längst kein Image-Thema mehr ist, sondern zur Grundlage wirtschaftlicher Resilienz wird.

„Ein Wirtschaftssystem muss der Gesellschaft dienen“

Maja Göpel

 

Der Summit zeigte vor allem eines: Die Debatte verschiebt sich. Weg von freiwilligen Einzelmaßnahmen – hin zu der Frage, wie Energie, Rohstoffe, Lieferketten und Wachstum grundsätzlich neu organisiert werden können.

Von Klimaschutz zur Standortfrage

Lange wurde Nachhaltigkeit vor allem als ökologische Verpflichtung diskutiert. Inzwischen wird sie zunehmend zur geopolitischen und wirtschaftlichen Notwendigkeit.

Steigende Energiepreise, Rohstoffabhängigkeiten, Extremwetterereignisse und fragile Lieferketten erhöhen den Druck auf Unternehmen in Europa massiv. Gleichzeitig entstehen neue Märkte rund um Kreislaufwirtschaft, erneuerbare Energien, klimafreundliche Industrie und nachhaltige Technologien.

Genau diese Verschiebung stand im Zentrum des Summits. Nicht Verzicht, sondern Zukunftsfähigkeit wurde als entscheidender wirtschaftlicher Faktor diskutiert.

Maja Göpel betonte dabei, dass viele wirtschaftliche Krisen nicht isoliert betrachtet werden können. Energie, Klima, Ressourcenverbrauch und soziale Stabilität hängen direkt zusammen. Wer diese Zusammenhänge ignoriere, erhöhe langfristig die ökonomischen Risiken.

 

Die nächste industrielle Transformation läuft bereits

Der Sustainable Economy Summit machte deutlich, dass sich die globale Wirtschaft bereits mitten in einer neuen Transformationsphase befindet. Göpel machte deutlich, worum es in der aktuellen Phase der Transformation wirklich geht:

„Wir stehen an einem Punkt, an dem sich entscheidet, ob wir innerhalb der bestehenden Wirtschaftsstruktur Kosten einsparen wollen, oder die Strukturen wirklich zukunftsfähig machen. Für die Erneuerung braucht es klare politische Linien, sonst kommen viele längst entwickelten Lösungen nicht zügig in die Breite. Das brauchen wir aber für neue wirtschaftliche Stärke.“

Während China massiv in grüne Technologien investiert und die USA milliardenschwere Industrieprogramme aufbauen, steht Europa unter Druck, seine Wettbewerbsfähigkeit neu zu definieren. Nachhaltigkeit entwickelt sich dabei zunehmend zu einem Innovations- und Investitionsfaktor.

Diskutiert wurden unter anderem:

• Kreislaufwirtschaft und Rohstoffsicherheit
• nachhaltige Finanzsysteme
• klimafreundliche Industrieprozesse
• Energiewende und Versorgungssicherheit
• nachhaltige Mobilität
• Biodiversität als Wirtschaftsrisiko
• KI und Ressourceneffizienz

 

Der Summit zeigte damit auch einen Richtungswechsel: Nachhaltigkeit wird nicht mehr nur als moralisches Thema behandelt, sondern als Teil moderner Industrie- und Standortpolitik. Dr. Eckart von Hirschhausen unterstrich die Verbindung von ökologischer und gesellschaftlicher Resilienz:

„Was wir hier diskutieren, betrifft nicht nur Märkte, sondern unsere Lebensgrundlagen. Eine gesunde Umwelt ist die Voraussetzung für alles Wirtschaften. Der Summit zeigt, dass dieses Verständnis immer stärker in der Mitte der Wirtschaft ankommt.“

Sustainable Economy Barometer 2026

Ein wichtiges Element des Summits war die Vorstellung des Sustainable Economy Barometers 2026. Die Ergebnisse zeigen: Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein zentraler Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherung – gleichzeitig bleiben verlässliche  Rahmenbedingungen eine entscheidende Voraussetzung für weitere Investitionen. Darüber hinaus wurde deutlich, wie wichtig der Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft ist, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und tragfähige Lösungen zu entwickeln.

 

Daten und Fakten

• Der Sustainable Economy Summit fand am 21. und 22. April 2026 in Berlin statt.
• Veranstaltungsort war die AXICA am Brandenburger Tor.
• Zu den Schwerpunkten gehörten Kreislaufwirtschaft, Energiewende, Sustainable Finance, Mobilität und Biodiversität.
• Der Summit wird von der gemeinnützigen Sustainable Economy gGmbH organisiert und findet im Zwei-Jahres-Rhythmus statt.
• Maja Göpel zählt zu den bekanntesten europäischen Expertinnen für nachhaltige Transformation und war Mitgründerin von Scientists for Future.

 

Weiterführende Links zu Maja Göpel

Maja Göpel über Werte und die Fixierung auf das eigene Ich

„Das ist ein fantastischer Innovationsauftrag“ – Transformationsforscherin Maja Göpel

Pauschales Familienticket für Sommermonate

Pauschales Familienticket für Sommermonate

Kopie von pro.earth Redaktionsvorlage NEU(1326)

Die Deutsche Bahn hat angekündigt, für die kommenden Sommermonate ein Familienpaket für Fernreisen innerhalb Deutschlands um 99,90 Euro anzubieten. Damit sollen besonders Familien, denen aufgrund der hohen Spritpreise ansonsten ein Urlaub zu teuer wäre, angesprochen werden. Ein guter Anreiz, nachhaltiger zu reisen!

 

Bahnchefin Evelyn Palla sagte bei der Ankündigung am 12. Mai 2026: „Der Familien-Sommerurlaub darf nicht ins Wasser fallen. Deutschland braucht jetzt Stabilität und Sicherheit“ und spielte auf die internationale Energiekrise und die damit verbundenen hohen Kerosin- und Spritpreise an.

In den Medien wird allerdings auf die schwierige wirtschaftliche Situation der Deutschen Bahn hingewiesen und das Ticket als strategischer Schachzug und Marketing-Maßnahme angesehen, um u.a. die sinkende Beliebtheit aufgrund massiver Verspätungen wettzumachen.

 

Die wichtigsten Eckdaten

  • Das Familienticket gilt für maximal 5 Personen, davon mindestens ein Kind im Alter von 6-14 Jahren (maximal 4 Kinder) und ein bis zwei Erwachsene (über 15 Jahren)
  • Kinder unter 6 Jahren fahren prinzipiell gratis und können daher kostenlos zusätzlich zu dem Pauschalticket mitgenommen werden
  • Das Ticket kann unabhängig vom Verwandtschaftsgrad genutzt werden
  • Es gilt für die Hin- und Rückreise innerhalb Deutschlands im Fernverkehr (alle Fernverkehrszüge  – ICE/IC/EC)
  • Im Zeitraum von Mitte Juni  bis zum 14. September 2026
  • Sitzplatzreservierungen sind in dem Preis von 99,90 Euro inkludiert
  • Man muss eine definierte Zugverbindung zur Nutzung auswählen
  • Ob Tickets kontingentiert sind und der genaue Start der Aktion (Datum, ab wann eine Strecke so gebucht werden kann) wurden von der DB noch nicht veröffentlicht

 

Durch dieses Angebot kann man einige hundert Euro gegenüber bereits bestehenden Ticketangeboten einsparen. Es gilt zu hoffen, dass ausreichend Züge und Tickets vorhanden sein werden. Solche Aktionen sind aus unserer Sicht auf jeden Fall hilfreich, um Menschen dazu zu motivieren, vom Auto auf die Schiene umzusteigen.