Bereits mehr als 30.000 Hitzetote in Europa

Rekordtemperaturen bereits im Juni und mehrere langanhaltende Hitzewellen haben zu einer massiven Übersterblichkeit in Europa geführt. Vorläufige Schätzungen gehen von über 30.000 hitzebdingten Todesfällen dieses Jahr aus. Für Deutschland gab das Robert-Koch-Institut aktuell die Mortalitätsrate durch Hitzeperioden von 14.000 Personen an und liegt damit über dem Rekordjahr 2018. Etwa 9.600 von den 14.ooo Hitzetoten in Deutschland sind auf die besonders heißen letzten zwei Juni-Wochen zurückzuführen, wo die Wochenmitteltemperaturen bei 21,1 und 26,4 Grad lagen.
Die überdurchschnittlich hohen Temperaturen seit Juni sind für Körper und Psyche vieler Menschen belastend. Besonders für ältere Menschen, Kinder, Patient:innen mit Herz-Kreislauf- und psychischen Erkrankungen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität kann die andauernde Hitze zu Problemen führen. Speziell in urbanen Zentren, wo die Nachttemperaturen nicht genügend sinken und in Wohnungen, die sich stark aufheizen, steigt die Belastung für die Bewohner:innen stark an.
Schätzungen der Beobachtungsplattform EuroMomo haben ergeben, dass alleine zwischen Mitte Juli und Mitte August mehr als 32.000 zusätzliche Todesfälle in Europa zu zählen sind. In jedem Land errechnen nationale Behörden die Mortalitätsrate in Zusammenhang mit Hitze, in Deutschland zum Beispiel das Robert-Koch-Institut (RKI) und in Österreich die AGES. Dabei werden unterschiedliche Parameter für die statistischen Modelle zu Errechnung der Übersterblichkeit verwendet.
Berechnung basiert auf Schätzungen
Hitzetode sind nur durch statistische Schätzungen und Rechenmodelle eruierbar, und basieren auf einem Vergleich zwischen für die Jahreszeit erwartbaren und tatsächlichen Todesfällen in Kombination mit den durchschnittlichen Wochentemperaturen. Der Grund liegt vorallem darin, dass Menschen nicht direkt an Hitze sterben, sondern zum Beispiel an Herzinfarkten, Kreislaufversagen, Multi-Organversagen oder auch bei Unfällen sterben – also einer Kombination aus Hitzeexposition und bereits bestehenden Vorerkrankungen. Nur in einigen Fällen führt Hitzeeinwirkung unmittelbar zum Tod, zum Beispiel beim Hitzeschlag.
Daher wird Hitze auf dem Totenschein normalerweise nicht als die zugrunde liegende Todesursache angegeben. Stattdessen müssen statistische Methoden angewendet werden, um das Ausmaß hitzebedingter Sterbefälle abzuschätzen.
„Hitze“ beginnt für das RKI ab einer mittleren Wochentemperatur von „etwa 20ºC“ und ergibt sich aus dem Durchschnitt der Tages- und Nachttemperaturen einer Woche von 52 Wetterstationen in ganz Deutschland. Es handelt sich dabei immer um Schätzungen mit einem gewissen Schwankungsbereich.

Hitze bedroht vor allem ältere Menschen
Laut dem vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten letzten „Wochenberichte zur hitzebedingten Mortalität“ entfällt der größte Anteil hitzebedingter Sterbefälle auf die Altersgruppen ab 75 Jahren – besonders Menschen ab 85 Jahren sind überdurchschnittlich stark betroffen. Dies hängt unter anderem auch damit zusammen, dass diese Altersgruppe vielfach in Alters- und Pflegeheimen lebt, die noch nicht über ausreichende Kühlung verfügen. Insgesamt versterben absolut gesehen mehr Frauen als Männer im Zusammenhang mit Hitze. Dies lässt sich jedoch auf den hohen Frauenanteil in den älteren Altersgruppen zurückführen.
„Deutschland befindet sich gerade in einer Übergangsphase. Dass Hitzewellen regelmäßig auftreten, ist neu. Weder unsere Gebäude noch unsere Gewohnheiten sind darauf eingestellt. Die Effekte sehen wir in den Sterbefallzahlen.“
Matthias an der Heiden, Statistiker des RKI
Links
AGES Hitze-Mortalitätsmonitoring











